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18. April 2017

Das Gefühl für den Körper finden

Osteopathische Behandlungen sind sehr vielfältig und grundsätzlich für alle geeignet. Auch Spitzensportler vertrauen darauf.

Osteopathie beim Baby
Gerade für Babys, die häufig schreien, haben sich osteopathische Behandlungen bewährt. (Bild: Getty Images)

Rad-Profi Stephan Küng geht seit fünf Jahren regelmässig zum Osteopathen. «Osteopathie ist für mich wie eine Garage für das Auto. Ist alles in Ordnung, fährt man ohne darüber nachzudenken. Entsteht aber eine Beule, geht man zur Reparatur. Und selbst wenn man ein Jahr ohne Zwischenfall fährt, muss das Auto jährlich in den Service.» Stürzt er oder spürt er eine Fehlbelastung, lässt er sich vom Osteopathen behandeln. Ansonsten geht er nur hin und wieder zur Kontrolle, auch zur Vorbeugung von Problemen.

Die Osteopathie wurde 1890 vom US-Arzt Andrew Taylor Still begründet und umfasst drei Teilbereiche: das Muskel- und Skelettsystem, das craniosacrale System (Schädel, Nervensystem, Zirkulation der Hirnflüssigkeit) und das viscerale System (Verdauung, Stoffwechsel, Atmung, Gefässe und Hormone etc).

Emotionale und psychosomatische Aspekte sind ebenfalls Bestandteil jeder Behandlung. Auf Basis einer Befragung und Untersuchung werden Funktionsstörungen durch manuelle Techniken reguliert und in ein Gleichgewicht gebracht.

Die zentrale Fragestellung ist weniger die Entstehung eines Problems, als vielmehr die Suche nach dem Grund, der einer Gesundung im Weg steht. Die Osteopathie behandelt stets den Menschen als Einheit. Die Basis dafür bilden fundierte Kenntnisse der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers und die Analyse belastender Faktoren (Stress, Ernährung, Bewegungsmangel).

Ein breites Spektrum an manuellen Techniken ermöglicht die gezielte Behandlung aufgefundener Funktionsstörungen. Der überwiegende Teil dieser Techniken ist sehr sanft und eignet sich auch für Säuglinge, Kinder, Schwangere und ältere Personen.

Probleme ganzheitlich angehen

Osteopathische Behandlungen bieten viele Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel bei Rücken- und Gelenksbeschwerden, Reizdarm, Sodbrennen, Asthma, Kopfweh, Migräne, Kieferknirschen sowie in der Kinder- und Frauenheilkunde.

Viele Leute denken, es gehe bei der Osteopathie vor allem um das «Richten» des Körpers. Dass viel mehr dahintersteckt, wurde Silvan Dillier, Teamkollege von Stephan Küng, erst mit der Zeit bewusst: «Inzwischen weiss ich, dass der Körper als Ganzes betrachtet wird und man nicht versucht, das Problem nur lokal zu lösen.»

Osteopathie setzt ein gutes Körpergefühl voraus. Man sollte nicht denken, der Osteopath renkt einen wieder ein. Vielmehr geht es darum, das Gefühl für den eigenen Körper zu finden, damit er richtig und leistungsfähig funktionieren kann.

Die Kosten werden ganz oder anteilig von der Zusatzversicherung übernommen. Eine vorgängige Abklärung bei der Krankenkasse ist sinnvoll. Auch die Unfallversicherungen tragen oft die osteopathischen Behandlungskosten. Eine Überweisung von ärztlicher Seite ist nicht notwendig, wobei eine möglichst enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt von Vorteil ist. In der Regel finden drei bis fünf Sitzungen à 30 bis 60 Minuten im zwei- bis dreiwöchigen Abstand statt. Über den Berufsverband findet man qualitativ hochwertig ausgebildete Osteopathen. 

Osteopathie und Craniosacraltherapie werden an den Medbase- und Santémed-Standorten in Greifensee ZH, Gossau SG, Kloten ZH, St. Gallen, Wil SG, ­Winterthur, Zug, Bern und Zürich angeboten.

Autoren: Sven Wagner ist Osteopath bei Medbase St. Gallen Zentrum, Susanne Pflügler bei Medbase Winterthur Brunngasse.