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21. Mai 2013

Das F-Wort

Fluchende Frau
Mutti verliert die Nerven: Fluchen ist gut für die Psychohygiene. (Bild: Getty Images)

Ich finde Yoga-Mütter seltsam. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen das Herumgeturne. Ich finde auch die Outfits, welche die Damen dabei tragen, hübsch. Was mich irritiert, ist die zugehörige Einstellung. Yoga-Mamis sind nämlich fürchterlich gelassen und kontrolliert. Sie bleiben locker, wenn ihnen ein frecher Autofahrer die letzte freie Parklücke vor der Nase wegschnappt. Beim Backen Zucker und Salz verwechselt? Oooooooohm! Sie lächeln selbst dann charmant, wenn eines ihrer sieben Kinder sein Nutellabrot an die Wand geklebt hat. Schnell noch den Sonnengruss turnen, und schon ist wieder alles gut.

In solchen Momenten würde mir nie ein gehecheltes «Oooooohm!» reichen. Ich brauche echte Worte, um meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Deswegen sage ich lieber laut «Kacke». Auch gerne «Shit» oder «verdammte Scheisse». Wenn alles schiefgelaufen ist, fällt mitunter auch das F-Wort. Ich weiss, ich weiss, laut Elternkodex sind das verbale Entgleisungen, die eigentlich mit langjährigen Gefängnisstrafen geahndet werden sollten. Es fällt mir – unter uns gesagt – einfach verdammt schwer, mein Vokabular kinderfreundlich und fluchfrei zu gestalten. Da meine Mädchen immer um mich herumwuseln, bleibt mir aber längerfristig nichts anderes übrig. Die Kinder realisieren nämlich, dass Mami ein klitzekleines Problemchen hat. Ida wollte neulich von mir wissen, was genau denn ein «Fagg» sei. Hmmm … mal überlegen. «Liebe Ida, ein Fagg ist ein Kobold, der immer dann sein Unwesen treibt, wenn Mami Auto fährt. Er kommt auch, wenn rohe Eier auf dem Küchenparkett zerschellen oder mein rechter kleiner Zeh zum hundertsten Mal am Türrahmen hängenbleibt. Der Fagg ist unsichtbar. Deswegen dürfen wir auch nicht über ihn reden. Und schon gar nicht, wenn andere Leute dabei sind.»

Ich war übrigens neulich beim Arzt, um mit ihm über mein Fäkal-Tourette-Syndrom zu sprechen. Der Doc meinte, der Fall sei klar: Mein Hirn-Mund-Filter würde in Stressphasen ausfallen. Ich könnte den Kindern proaktiv die Ohren zuhalten, wenn es mal wieder so weit wäre. Medikamente dagegen gebe es übrigens keine. Ausser vielleicht Yoga. «Fagg»! Yoga geht gar nicht.

Autor: Bettina Leinenbach