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18. Februar 2013

Das CD-Monster

Die Kleine Hexe hat ausgehext, die Schliermer Chind ausgesungen
Die Kleine Hexe hat ausgehext, die Schliermer Chind ausgesungen.

Tra-tra-trallalla, de Chaschperli isch wieder da, de Chaschperli isch dadadadadadadadadadadadadadadadadadadadada… – kennen Sie dieses Geräusch? Vermutlich schon. Vor allem wenn Sie Kinder haben und diese gerne Geschichten auf CD hören. Als Faustregel gilt: Sobald die lieben Kleinen die glänzenden Scheiben in die Hand kriegen, hat die chlii Häx ausgehext, haben die Schlieremer Chind ihr letztes Liedchen gesungen.

Kinder sind CD-Killer. Sie «verzieren» die glänzende Seite mit klebrigen Fingerabdrücken, wahlweise auch mit Glitzerleim. Manchmal rutschen sie auch mit den Silberscheiben unter den Füssen übers Parkett. Ida erklärte mir neulich, sie würde gerade Ski fahren, als sie «Conni kommt in den Kindergarten» und «Conni auf dem Bauernhof» unwiderruflich in Elektroschrott verwandelte.
Ich bin ein Kind der 80er-Jahre. Wir hatten damals noch Kassetten. Die Sprecher tönten zwar immer so, als seien Sie erkältet, und im Hintergrund rauschte kontinuierlich eine Art Rheinfall, aber man konnte die Dinger wenigstens reparieren. Wenn meine Schwester (Jahrgang 1981) mal wieder drei Meter «Benjamin Blümchen» abgespult hatte, nahm ich die Reparatur selbst in die Hand: Bleistift, drehdrehdreh – und weg war der Bandsalat.

Heute kann man kaum was machen, wenn de Chaschperli dadadadadada ist. Sind die Kratzer erst einmal in der Oberfläche und gleichen die Tonspuren dem Grand Canyon, scheitert der beste Laser der Welt. In weniger schweren Fällen soll ja CD-Putzen helfen. Dafür gibt es übrigens auch Miniaturschleifgeräte, die man im Elektrofachmarkt kaufen kann. Eine Freundin schwört auf die Prozedur. Uns ist das zu kompliziert. Unsere neue Devise lautet: «Keine CDs mehr in Kinderhände!» Jedes neue Hörspiel wird in die Mediendatenbank des Computers geladen. (Dann kommt die CD in den Safe und der Safe wird auf dem Gipfel des Säntis deponiert.) Manchmal kaufe ich die Werke sogar gleich als MP3-Datei. Auf meinem Rechner tummeln sich mittlerweile an die 30 verschiedene Hörspiele. Nun müssen die Märli und Geschichten nur noch ins Kinderzimmer geliefert werden. Wir haben uns einen Funklautsprecher angeschafft. Der trägt den treffenden Namen «Boombox» und lässt sich an seinem Griff bequem durch die Wohnung tragen. Das Ding läuft übrigens für ein, zwei Stunden auch mal ohne Kabel. Über eine Bluetooth-Verbindung funkt der Computer den Kasper oder die kleine Hexe zum Lautsprecher. Um es mit Idas Worten zu sagen: «Jetzt hat das CD-Monster keine Chance mehr, die Geschichten kaputt zu machen.»

Autor: Bettina Leinenbach

Fotograf: Bettina Leinenbach