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09. September 2013

Das Braune Gold der Gärtner

Kompostieren ist eine Wissenschaft für sich. Die «Bohne, Bluescht und Berger»-Autorin hats nicht so mit der Wissenschaft und kompostiert drum nach eigenem Gusto.

Gartenkolumne

Ambitionierte Gärtner messen sich nicht nur an der Grösse ihrer Sonnenblumen und am Gewicht ihrer Kürbisse, sie messen sich auch an der Qualität ihres Komposts. Denn schliesslich ist die Komposterde die Basis für alles, was in ihrem Gartenbeet grünt und blüht.

Und so kann es überraschend emotional zu- und hergehen, wenn sich zwei Gärtner darüber austauschen, was denn nun alles in den Kompost gehört (Eierschalen - ja oder nein? Kleinviehmist - ja oder nein? Schalen von Südfrüchten – ja oder nein? Zeitungspapier – ja oder nein?) und was wann wie gewendet, befeuchtet, beschattet, gesiebt wird, damit aus hundskommunen organischen Abfällen das Braune Gold der Gärtner wird.


Ein grosses Thema ist dabei auch jeweils die Beschaffenheit des Kompostbehälters: Gitter? Gitter mit oder ohne Plastikfolie? Schnellkomposter? Thermokomposter? Lattenkomposter? Es soll sogar trommelförmige Komposter mit integrierter Drehvorrichtung geben, was eine Verrottung in doppelter Geschwindigkeit ermöglichen soll. Alles schön und gut, aber ich setze lieber auf mein selbst ertüfteltes «Bohnebluescht-Kompostier-Patent», das einmal mehr auf meinen heiss geliebten Palettrahmen beruht:

Dazu stellt man zwei Rahmen aufeinander und platziert diese an einen schattigen Ort im Garten, in meinem Fall unter eine Magnolie. Dort sammelt man dann einen Sommer lang alles, was so an Organischem in Haushalt und Garten anfällt: Rüstabfälle, verdorbenes Gemüse und Früchte, Speisereste, Tee- und Kaffeerückstände, alte Blumenerde, Eierschalen, Baum-, Strauch- und Rasenschnitt, Hasenmist, Laub etc. Ich persönlich bin sammeltechnisch recht entspannt, mit drei Ausnahmen: Samen- und Wurzelunkräuter (ich sage nur „Winde“!), kranke Pflanzen (Ansteckungsgefahr!) und Fleischreste (stinkt!) haben in meinem Kompost nichts zu suchen!

Im Spätherbst dann verteile ich die Sammlung in zwei weitere Palettrahmen, die nebeneinander in meinem Gemüsegarten stehen. Darauf packe ich sozusagen als Krönung eine rund zwanzig Zentimeter dicke Erdschicht drauf, in die ich im nächsten Frühling meine Zucchetti, Kürbisse und Gurken reinpflanze. Im darauffolgenden Herbst, wenn Zucchetti & Co. abgeerntet sind, verteile ich den Inhalt der zwei Kisten auf den Gemüsebeeten, zwischen den Beeristräuchern und im Blumenbeet. Denn dieser hat sich – oh Gartenwunder – unterdessen und wahrhaftig in feinkrümlige Komposterde verwandelt! Und was noch nicht sauber verrottet ist, macht den ganzen Turnus halt einfach nochmals mit.

Foto: Zeitungsausschnitt 20 Minuten vom 23. August 2013
Foto: Zeitungsausschnitt 20 Minuten vom 23. August 2013.

Es gibt natürlich auch Gärtner, denen die ganze Kompostiererei zu mühsam ist und die ihre Grünabfälle drum abführen lassen. Denen sei folgende Geschichte erzählt, die kürzlich durch die Presse ging: Es war einmal ein bayrischer Hobbygärtner, der bei der Kartoffelernte in seinem Beet etwas gülden aufblitzen sah. Und was fand er dort, mit einer Kartoffel sozusagen verwachsen? Den Goldring seiner Frau, den sie drei Jahre zuvor aus Versehen mit Küchenabfällen ins Kompostkübeli geworfen hatte!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger