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08. Juli 2013

Raumknappheit: Das Boot ist voll

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Das bringt auch Probleme mit sich. Der Schweizer Städteverband nimmt die Entwicklung ernst.

Sehr viele Menschen beim Baden am Oberen Letten in Zürich
Enorme Menschenansammlungen wie hier am Oberen Letten in Zürich werden sich häufen. (Bild: Keystone)

Wollen Schweizer Städte künftig sicher bleiben, müssen sie das schon heute planen und mögliche neue Probleme erkennen. Das zeigt eine Studie des Schweizer Städteverbandes. Tillmann Schulze (35), Leiter Urbane Sicherheit und Bevölkerungsschutz bei der Firma Ernst Basler + Partner in Zollikon ZH, die bei der Studie mitwirkte: «Der Raum wird knapper. Es wird Probleme geben, wie zunehmende Kriminalität, überlastete Verkehrswege und Spitäler oder Unterbrüche in der Stromversorgung.»

Hinzu kämen neue und unberechenbare Herausforderungen wie kürzlich das «Tanz dich frei» in Bern, das so zerstörerisch eskalierte. «Wir werden wohl mit mehr Kriminalität und Vandalismus leben müssen», sagt Tillmann Schulze. Dennoch sieht er keinen Grund zur Panik: «Im internationalen Vergleich steht die Schweiz immer noch sehr gut da.» Als eines der grössten Probleme nennt die Studie das Littering. «Es geht nicht um eine oder zwei herumliegende Büchsen. Unbeseitigter Abfall wird von der Bevölkerung zu Recht als Vorbote von weiterer Verwahrlosung, Vandalismus und Kriminalität empfunden», so Tillmann Schulze. Nebst einem guten Abfallkonzept müssten laut dem Experten Wege gefunden werden, um zu verhindern, dass es rein arme und rein reiche Quartiere gebe: «Eine gute soziale Durchmischung ist ein wichtiger Faktor für Lebensqualität und Sicherheit in unseren Städten.» Zudem sei es jetzt wichtig, dass kleinere Schweizer Städte realisierten, dass das Thema Städtesicherheit auch sie etwas angehe. «Sie haben zum Teil noch Schwierigkeiten mit den Schattenseiten der Urbanisierung und wollen nicht wahrhaben, dass sie keine Dörfer mehr sind. Damit verpassen sie es aber, rechtzeitig die nötigen Massnahmen zu ergreifen.

Autor: Andrea Fischer