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07. August 2014

Tanzen, bis das Gewitter kommt

Das Migros-Magazin war vom 8.-10. August am Heitere Open Air auf dem Zofinger Hausberg unterwegs und traf Pandamasken, Männer in Sombreros und aufgeregte Mütter.

Das Heitere-Publikum.

Sonntag, 20:30 Uhr: Heitere Fahne!

Ein Wortspiel mit Heitere muss zum Schluss doch noch sein: Heitere Fahne, war das schön! Die bezaubernde ZAZ aus Frankreich schaffte es, auch noch die letzten Festivalmüden zum Tanzen zu motivieren. Die talentierte Nouvelle-Chanson-Sängerin steckte mit ihrer guten Laune alle an. Sie hatte sich besonders gut auf das Heitere-Publikum vorbereitet und all ihre Liedankündigungen auf Deutsch übersetzt. Vor jedem Song beugte sie sich zum Boden und las in charmantem Französisch-Deutsch von ihren Spickzetteln ab. Dass das Heitere-Publikum mit französischen Bühnenansagen so seine Mühe hat, haben wir gestern schon bei Stromae bemerkt. Aber mit dieser Dolmetscherin kommt jede Botschaft an. Ich schunkle jetzt mal nach Hause und sage danke an das Heitere Team für die tolle Organisation, das super Gewitter-Management, die abwechslungsreichen Acts und einen gelungenen Anlass! Nun muss ich dringend unter die Dusche, meine Füsse hochlegen und mich von gefühlten 500 Mal «Seven Nation Army»-Gegröle erholen (wegen Letzterem beschwerte sich übrigens sogar Jan Delay, also wäre ein neues Lied gegen peinliches Schweigen durchaus angebracht!). John Newman erzählte übrigens heute auf der Bühne, er spiele heute sein 38. Festival für diese Saison. Chapeau, dieser Mann hat Durchhaltevermögen! Ich bin ja nach drei Open Airs schon am Ende meiner Kräfte...

Im Bus zurück zum Zofinger Bahnhof laufen schon die Wetten, wer den geplanten alkoholfreien Monat wirklich durchhält, und eine Festivalbesucherin bringt es auf den Punkt: «Nur no eis Jahr bis zum Heitere!»

Sonntag, 18:00 Uhr: Dresscode halbnackt mit Pandamaske

Cro lockt die Massen vor die Bühne.
Cro lockt die Massen vor die Bühne.

Am Sonntag schallten noch einmal tanzbare Beats über den Heitere: Shantel und Bucovina Club Orkestar hatten fetzigen Balkan-Sound im Gepäck. Die Menge grölte «Disko Partizani», zeigte ein paar folkloristische Tanzschritte und entledigte sich dabei aller unnützer Kleidungsstücke. Der Morgen hatte noch regnerisch begonnen, ab dem Mittag brannte dann auch am dritten Heitere-Tag die Sonne vom Himmel. Schattenplätze waren heiss umkämpft. Adrian Stern machte den Auftakt auf der Hauptbühne und bemerkte schnell: «Das mit der langen Hose war eine Scheiss-Idee.» Später kam dann auch mal das Publikum in den Genuss, auf der Bühne zu stehen. Bei Shantel durften ein Dutzend Frauen auf der Bühne mitschunkeln, und auch Headliner Cro holte zwei Fans aus dem Publikum (eine von beiden in Pandamaske und nur mit BH bekleidet), die ihre Version von «Du» zum Besten geben durften. Die Bühnenshow des Rappers mit der Pandamaske konnte sich sehen lassen: Als einziger trumpfte er mit Pyrotechnik und schaffte es, die Leute bis in die letzten Reihen tanzen zu lassen. «Ihr seid ja so wahnsinnig viele Menschen!», bemerkte Cro am Anfang, zum Schluss dann: «Es war so schön, wie schon lang nicht mehr». Dass nicht nur die kreischenden Teenies in den ersten Reihen, sondern praktisch das ganze Festivalgelände lautstark bei seinen Songs mitsang, bewies, dass der Chartstürmer eine riesige Fangemeinde hat. Tendenz steigend. Mit John Newman und ZAZ findet das dreitägige Heitere Open Air dann einen würdigen Abschluss.

Sonntag, 01:00 Uhr: Der (Wasser)-Pegel steigt

Der Auftritt der Schweizer Band QL fällt buchstäblich ins Wasser: Es blitzt und donnert, der Regen prasselt über das Gelände. Die Veranstalter reagieren vorbildlich, informieren auf dem Screen vor der Bühne über das ankommende Gewitter und öffnen sogar spontan die VIP-Bühne für alle. Das Publikum lässt sich die gute Laune vom Regen nicht verderben und feiert eine letzte Party für heute.

Samstag, 23:20 Uhr: Gewitter-Alarm

Queens of the Stone Age aus Kalifornien.
Queens of the Stone Age aus Kalifornien.

Pünktlich zum Auftritt von Queens of the Stone Age kündigen die Veranstalter ein Gewitter an. Und tatsächlich: es kommt, und wie! Einen solch lauten Donnerschlag habe ich noch nie gehört. Hoffentlich hat der Blitz nicht ins Gelände eingeschlagen. Jetzt sind alle nass und die Band kommt mit zehn Minuten Verspätung auf die Bühne. Die harten Gitarrenriffs vertreiben aber auch die letzten Gewitterwolken und so können alle Anhänger des gepflegten Alternative Rock trocken das zweitletzte Konzert des Abends geniessen.

Samstag, 23:00 Uhr: Stromae ist einfach formidable

Stromae ist ein Chamäleon: Rapper, Sänger, Perfomer. Erst starrt man ihn vor Ehrfurcht einfach nur an, diesen langbeinigen Mann im Anzug und dem breiten Lachen. Bewundert seine katzenartigen Bewegungen, sein Schauspieltalent, seine Wandelbarkeit. Dann schlägt die Bewunderung um in Spass. Es ist einfach eine Freude, diesem Typen zuzuschauen! Neben seinem Gesangs- und Raptalent ist am Belgier ein kleiner Schauspieler verloren gegangen: Fünfmal wechselt er sein Outfit, einmal mimt er den Greisen, dann das feminine Model, später fällt er in Ohnmacht, zum Schluss lässt er sich von seiner Band wie eine Kleiderpuppe auf die Bühne tragen. Einfach formidable! Wenn ich nicht wüsste, dass er vorhin backstage was gegessen hat, würde ich ihm gerne füttern. Diese dünnen Spinnenbeinchen vermögen aber Tanzschritte zu zeigen, da bleibt dem Heitere-Publikum die Spucke weg!

Samstag, 21:00 Uhr: Türlich, türlich!

Rapper Dendemann gab sich vorher richtig bescheiden. Er fragte nach dem Applaus des Publikums: «Darf ich das als positive Wertung sehen?» Darf er. Dann lieferte er uns noch eine interessante Theorie über den Wortstamm des Heitere: Es setzt sich zusammen aus «high» und «terra», meint also: Immer mit beiden Füssen auf dem Boden stehen und trotzdem high sein. Na dann!

Jetzt gibts Musik vom hohen Norden: Jan Delay ist der perfekte Festival-Act. Seine Bandbreite reicht von Raggae über Blues zu Rap. Neuerdings macht er auch Rock. «Wir sind hier zufällig auf diesem Berg gelandet, eigentlich wollten wir an einen Ort, an dem die Leute nicht ganz so bunt angezogen sind wie hier», sagt er und meint damit das Heavy-Metal-Festival Wacken. Doch nach ein paar Minuten ist das Heitere-Publikum ganz im Wacken-Modus. «Seid ihr bereit, euch eine Stunde total gehen zu lassen?», fragt Jan Delay in die Runde. Türlich, türlich, finden wir. Wir brauchen nur den Bass! Und den hat Jan Delay mit seiner Band Disko No 1 im Gepäck. Er zieht nun alle Register: übt einen kollektiven Dancemove, will alle Mittelfinger sehen, spielt die «Partyraketen» und kann es sich auch nicht verkneifen, Schwizzerdütsch nachzuahmen. Das verzeihen wir ihm aber gerne, denn seine Show ist einfach der Kracher!

Samstag, 19:00 Uhr: Ein Abend voller Überraschungen

Dass hinter One Track Live eine solche Überraschungstüte an renommierten Rap- und Hip-Hop-Künstlern steht, hätte wohl niemand erwartet. Dynamike ist der Host, plötzlich stehen Manillio, Greis, Steff la Cheffe oder Eriah auf der Bühne. Diese erfrischenden Performances mögen das Heitere-Volk aber noch nicht hinter dem Ofen vorlocken: Vor der Bühne herrscht gähnende Leere. Dynamike betont mehrmals, dass die Lautstärke des Publikums noch zu wünschen übrig lässt. Erst sein Buddy Stress holt die Festivalbesucher aus ihren Löchern. Als der Rapper ganz unerwartet angekündigt wird, strömen plötzlich die Massen vor die Bühne. Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass sich das Heitere-Publikum dem Kommerz verschrieben hat. Stress rappt ein Cover, heizt das Publikum an, klopft dann seinen Kollegen auf die Schulter und verschwindet wieder. Ein kleiner Freundschaftsdienst sozusagen.

Samstag, 17:00 Uhr: Es geht in die heisse Phase

Wo ist denn die Zeit hin? Schon wieder früher Abend, und der Tag fühlt sich noch so jung an! Petrus ist gnädig mit den Heitere-Besuchern und zeigt sich noch einmal von seiner besten Seite. Mit so viel Sonne hätte wohl niemand gerechnet. Entsprechend lang ist auch die Schlange vor einem Kleiderstand, an dem es Hüte zu gewinnen gibt. Die Band Halunke aus Bern hat eine Steilvorlage für die musikalischen Highlights des Abends geliefert. Von den vier Berner Giele, die zu süffigen Rock-Melodien in Schweizerdeutsch performen, werden wir bestimmt noch viel hören. Danach ist Brody Dalle aus Kalifornien dran: Da steht eine Tätowierte Blonde auf der Bühne und röhrt dermassen, dass das Festival-Volk kurz zusammenzuckt. Her mit den Ohropax! In ein paar Stunden steht mit dem Queens of the Stone Age-Frontman Josh Homme übrigens noch ihr Ehemann auf der Bühne. Das riecht verdächtig nach einem praktischen Package für die Booker... Apropos riechen: Auf dem Gelände duftet es mittlerweile verführerisch nach Nachos, Pizza, Raclette und Bratwurst! Bald steht wieder die Qual der Wahl des Abendmenüs an. Wer sich dafür noch mit Bargeld ausrüsten möchte, muss eine lange Warteschlange in Kauf nehmen.

Samstag, 14:00 Uhr: Grad der Zerstörung: hoch!

Das Festivalgelände ist noch nicht geöffnet, der erste Act ist We Invented Paris um 15:15 Uhr. Ein Rundgang durch die Wohnsiedlung des Heitere Open Air zeigt: Auf dem Zeltplatz, besonders im Sektor C, ist der Grad der Zerstörung relativ hoch. Ein paar wenige haben ihren Abfall getrennt und bringen ihn vorbildlich zur Sammelstelle, ansonsten sieht es rund um die Zeltanlagen aus wie auf einer Müllhalde. Und auch der Sturm gestern Nacht hat seine Spuren hinterlassen. So wachten ein paar Jungs aus Aarau unter einem zerstörten Pavillonzelt auf und stehen nun vor den Scherben ihrer (Festival-)Existenz. Ganz nach dem M-Budget-Motto «Wir sind jung und brauchen das Geld» sammeln sie nun für ein neues Dach über dem Kopf damit sie die Nacht nicht im Freien verbringen müssen.

Samstag, 11:00 Uhr: Zeit für einen Milchshake

Ein Liedchen gefällig?
Ein Liedchen gefällig?

Schon am frühen Morgen steht auf dem Heitere die Musik im Vordergrund: Vom Zeltplatz-Sektor E tönt «Che sera, sera», eine andere Gruppe versucht, mit Gitarre und «Alperose» gegenzusteuern und zwei junge Männer mit Sombreros und Ukulele versuchen sich an «Un kilomètre à pied, ça use, ça use». Was für eine Mischung! Dazu werden schon fleissig Confi-Brötchen geschmiert, Cervelats gegrillt oder Bierdosen geöffnet. Jedem sein Zmorge! Ich gönne mir einen Milchshake und darf auf dem rutschigen Gelände schon einmal auf meinem Allerwertesten landen. Aber hey, saubere Kleider sind so yesterday! Der Kampf ums Wasserloch und das Zahnputz-Rinnsal ist mittlerweile eröffnet und der Dresscode ist Gummistiefel mit Trainerhosen. Ein Besucher kommt mir sogar im Morgenmantel entgegen. Die nassen Zelte trocknen allmählich wieder und die Bewohner schauen in ihrem Gärtli nach dem Rechten. Eine junge Frau hängt gerade ihre nassen Handtücher auf und schüttelt den Schlafsack aus. «Ich mues jetzt chli Huushalt mache!» Klar, auch am Festival ruft die Pflicht.

Samstag, 09:00 Uhr: Tagwach!

Morge mitenand! Pünktlich zur Schlafenszeit um 02:00 fegte ein Sturm die Deko vom Zeltplatz und ein netter Platzregen setzte ein. Das Festival-Komitee hatte Recht behalten, als es vor Gewittern warnte und die Besucher dazu aufruf, ihre Zelte zu sichern. Der Regen hielt die Feierwütigen aber nicht davon ab, bis zum Morgengrauen unterwegs zu sein. Und wie es halt so ist auf dem Zeltplatz: Ruhe kehrt da nie ein. Kaum sind die letzten Grölenden in ihr Zelt gekrochen, sind die ersten Frühaufsteher wieder auf den Beinen. Helga hat in der Nacht übrigens niemand gesucht. Vielleicht ist auch Helga langsam zu alt für Festivals.

Freitag, 24:00 Uhr: Sean Paul hat ein paar platte Sprüche auf Lager

Dancehall-König Sean Paul steht seit einer halben Stunde auf der Bühne und liefert Handtuch-schwingend ein Feuerwerk seiner Songs. Bemerkenswert ist es schon, wie der Jamaikaner es geschafft hat, einen Party-Hit nach dem anderen zu schreiben. Das Publikum scheint jeden seiner Disco-Feger zu kennen. Rein menschlich gesehen kann Sean Paul aber nicht überzeugen. Er lässt den Macker raushängen und behandelt seine Tänzerinnen wie ein Stück Fleisch. Dass er alle zehn Minuten sein verschwitztes Handtuch in die Menge wirft, macht ihn nicht sympathischer. Mal ehrlich, wer möchte schon ein nasses Bühnen-Relikt eines irokesen-tragenden Möchtegerns haben, der ständig nach «sexy ladies» und Alkohol verlangt? Irgendwann scheint dann auch das Partyvolk die platten Sprüche und die Ladies-Rufe satt zu haben und verkrümelt sich in Richtung Rivella-Zelt, Kofmehl-Bar oder Biergarten. Den Abschluss des ersten Heitere-Abends bildet die südafrikanische Rap-Rave-Band Die Antwoord, eine eher schräge Combo.

Freitag, 23:00 Uhr: Das Heitere Open Air ist für Bligg ganz speziell

An dieser Stelle nehme ich die Aussage zurück, dass auf dem Gelände viel Platz ist. Bligg hat einmal wieder bewiesen, dass nicht die internationalen Stars am Open Air die Massen-Garanten sind: Während seinem Konzert gibt es vor der relativ kleinen Parkbühne kein Durchkommen mehr. Bligg und seine Musigg idä Schwiiz ist quasi die Verkörperung des Heitere Open Airs: An seinem Konzert feiern Grosis mit ihren Enkeln gleichermassen wie die Jugend.
Bligg alias Marco Bliggensdorfer hat heute all seine Liebsten mit auf den Zofinger Hausberg genommen: Freundin Tiziana steht als Tänzerin sowieso mit ihm auf der Bühne, Bruder Sam als DJ auch. Dass heute aber ausnahmsweise auch seine Eltern mit dabei sind, macht den Auftritt für Bligg besonders speziell, wie er uns kurz vor seinem Gig verriet. «Ich muss mir umso mehr Mühe geben, das Heitere ist das Lieblingsfestival meiner Mutter. Sie ist schon seit Monaten nervös.» Und sowieso ist Zofingen ein magischer Ort für Bligg, wie er uns erzählt. Hier in der Mehrzweckhalle startete er im Winter seine Service-Publigg-Tour, am Heitere Open Air machte er vor Jahren mit Lexx seine ersten musikalischen Gehversuche.
Heute steht Bligg seit seiner Sprunggelenk-Verletzung zum ersten Mal wieder ohne Krücken auf der Bühne und findet, das sei das geilste Festival der ganzen Tour. Dank ihm wissen wir jetzt endlich auch, woher das Heitere-Publikum kommt. In einer kleinen soziodemographischen Umfrage fragt er in die Runde: «Wer kommt aus der Stadt?» Drei Hände gehen nach oben. «Wer kommt vom Land?» 4796 Hände schellen in die Luft. Das würde dann auch erklären, warum es hier keine Hipsterbärte, Jute-Rucksäckli oder Blumenkränze zu sehen gibt.
Bei «Mundart» darf dann der Security die Multikulti-Schweiz symbolisieren, daraufhin gibt`s Appenzeller-Shots für die ganze Crew. Und die ist nicht ohne: Um Bligg herum scharen sich Tänzerinnen, Backgroundsängerinnen, Fotograf und natürlich seine Band, inklusive Gitarrist Slädu. Na dann, prost!

Freitag, 21:00 Uhr: Birdy gibt sich Mühe

Birdy gibt alles und wird trotzdem nicht gehört. Bild: Pascal Mora
Birdy gibt alles und wird trotzdem nicht gehört. Bild: Pascal Mora

Die Sonne hat sich spektakulär hinter den Berg verabschiedet, jetzt steht Birdy auf der Bühne. Die Britin ist mit ihren 18 Jahren die jüngste Perfomerin auf der Heitere-Bühne. Das zarte Vögelchen tut sich schwer mit dem Heitere-Publikum. Wenn sie am Klavier ihre Songs ins Mikrophon haucht, wird sie vom Geräuschpegel des feiernden Publikums übertönt. Man wünscht ihr eine intimere Atmosphäre für diese wirkungsvollen Melodien. Zum Glück erntet das junge Gesangstalent trotzdem nach jedem Song viel Applaus. Beim Bon Iver-Song «Skinny Love» und ihrem Hit «People help the People» singt die Menge dann sogar mit. Wenigstens ein Trost, bevors dann mit Bligg wieder mächtig laut wird.

Freitag, 19:00 Uhr: Jung und Alt sind auf dem Heitere

Noch geht es eher gemächlich zu am Heitere Open Air. An den Bierbänken essen die Besucher Znacht, vor einer idyllischen Abendkulisse und hoch über der Stadt springen Kinder auf dem Bungee-Trampolin, es riecht nach frisch gemähtem Gras. Ira May aus Gelterkinden gab mit ihrer 7-köpfigen Band auf der Lindenbühne alles und nahm dafür einen kleinen Sonnenbrand und ein durchnässtes Kleid in Kauf. Vor der Bühne tummeln sich Schulkinder, Teenies, Mid-Ager und Nimmermüde: Das Heitere-Publikum ist bunt durchmischt. Musikalisch gesehen bringen die nächsten Tage für jeden etwas: Hip-Hopper kommen genauso auf ihre Kosten (Cro, Dendemann) wie Raggae-Liebhaber (Sean Paul) oder Fans der leisen Töne (Birdy). Im Vergleich zum Open Air St. Gallen und dem Gurtenfestival ist der Zofinger Hausberg quasi Erholung für unsere geplagten Knochen. Denn das Konzertgelände ist übersichtlich, lange Schlangen sind ein Fremdwort und es ist genug Platz da für alle. Herrlich! Wie die belgische Band Triggerfinger gerade auf der Hauptbühne bestätigt: «It`s a fantastic, fucking beautiful day!»

Freitag, 17:00 Uhr: Das Festivalvolk ist eingerichtet

Einen schönen guten Tag vom Heitere in Zofingen! Wir sind mit dem Shuttle-Bus auf den Heitere-Berg gekarrt worden und haben uns den schweisstreibenden Aufstieg gespart. Die Sonne brennt vom Himmel und das Gelände ist schon rappelvoll! Trotzdem habe ich noch einen Zeltplatz gefunden, und noch dazu zum ersten Mal in diesem Sommer einen, der nicht am Hang liegt und sogar noch einen schönen Ausblick auf Zofingen bietet. Seit Mittwoch um 14 Uhr ist der Zeltplatz mit seinen sechs Sektoren geöffnet. Die Festivalbesucher haben es sich schon richtig gemütlich gemacht: Gartenzäune, Blumengärten, Dekoration, Plantschbecken und Grillplätze, wo das Auge hinreicht. Neben den feierwütigen Jungen finden sich auch viele Familien mit Kindern. Zwei Tage zelten, bis es musikalisch gesehen endlich losgeht? Kein Problem für die Heitere-Camper. «Hier ist super Stimmung und man lernt überall Leute kennen», berichtet ein Zeltplatz-Bewohner. Unterdessen steht die Baslerin Ira May schon für den Soundcheck auf der Bühne. Sie wird um 17:45 Uhr das dreitägige Heitere Open Air eröffnen. Danach locken Acts wie Triggerfinger, Birdy, Bligg und Sean Paul.

Diese 13. Facts zum Heitere Open Air kannten Sie bestimmt noch nicht:

Züri-West-Sänger Kuno Lauener
Züri-West-Sänger Kuno Lauener

1. Die Schweizer Band Züri West ist mit fünf Auftritten (1999, 2002, 2004, 2008 und 2012) der Rekordhalter unter den Heitere-Acts.

Musiker Bligg. Bild: ZVG
Musiker Bligg. Bild: ZVG

2. Musiker Bligg (Fr, 22:05 Uhr) spielt gerne mit Legos: Er sammelt zuhause Bauwerke von «Lego Architecture»

Ira May. Bild: ZVG
Ira May. Bild: ZVG

3. Die Basler Soulsängerin Ira May (Fr, 17:45 Uhr) war im gleichen Schulchor wie Baschi und Schlagerstar Sarah-Jane.

Findet sich am Heitere ein neuer Slackline-Champion?
Findet sich am Heitere ein neuer Slackline-Champion? (Bild: Keystone)

4. Beim Sektor E des Heiteren-Gelände befindet sich eine Slackline. Die Slackline hat ihren Ursprung in den 70er-Jahren im kalifornischen Yosemite-Park.

Die M-Budget-Helfer packen auch beim Zeltaufstellen an. Bild: ZVG
Die M-Budget-Helfer packen auch beim Zeltaufstellen an. Bild: ZVG

5. Sich das Zelt am Open Air von einem M-Budget-Helfer aufstellen zu lassen, kostet 3.90 Fr.

10 Minuten laufen bis zum Festgelände, zumindest auf dem Hinweg.
10 Minuten laufen bis zum Festgelände, zumindest auf dem Hinweg.

6. Vom Bahnhof Zofingen dauert es zu Fuss 10 Minuten bis zum Heitere-Platz.

Der belgische Rapper und Best-Buddy von Sarkozy: Stromae
Der belgische Rapper und Best-Buddy von Sarkozy: Stromae (Bild: Keystone)

7. Der ehemalige Französische Präsident Nicolas Sarkozy outete sich öffentlich als grosser Fan des belgischen Rappers Stromae (Sa, 22:00 Uhr)

Die Lindenbühne des Heitere Open Air. Bild: ZVG
Die Lindenbühne des Heitere Open Air. Bild: ZVG

8. Das Heitere-Gelände grenzt direkt an ein Naturschutzgebiet.

Sean Paul aus Jamaika. Bild: ZVG
Sean Paul aus Jamaika. Bild: ZVG

9. Dancehall-Künstler Sean Paul (Fr, 23:30 Uhr) war einmal Mitglied der jamaikanischen Wasserpolo-Nationalmannschaft.

10. Der deutsche Rapper Jan Delay (Sa, 20:35 Uhr) musste Volksmusiker Heino 20000 Euro bezahlen, weil er ihn in einem Interview als Nazi bezeichnet hatte.

Rapper Cro. Bild: ZVG

11. Pandamasken-Mann Cro (So, 16:30 Uhr) absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zum Mediendesigner und arbeitete als Cartoonist für eine Stuttgarter Tageszeitung.

Aufs Gelände kommt man nur mit ohne Wellensittich
Aufs Gelände kommt man nur mit ohne Wellensittich (Bild: Keystone).

12. Der Wellensittich muss am Heitere Open Air zuhause bleiben: Tiere sind auf dem Gelände nicht erlaubt.

Hansueli Kuhns Zeltmietesystem «Hookup»
Hansueli Kuhns Zeltmietesystem «Hookup».

13. Erfindergeist gegen Festivalmüll: Hansueli Kuhn studiert Design mit der Vertiefung Industrial Design an der Zürcher Hochschule der Künste und hat mit «Hookup» ein Zeltmietesystem erschaffen, das Schleppen und Abfallberge verhindert.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Pascal Mora