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11. März 2013

30 Gründe: Darum freuen wir uns auf den Frühling

Schneematsch, Hochnebel, Dunkelheit und Kälte. Dieser Winter war lang. Und er war garstig, mit der geringsten Sonnenscheindauer seit Jahrzehnten. Damit ist zumindest im Unterland bald Schluss. Diese 30 Gründe verscheuchen die letzten Fetzen Winterblues aus der Seele.

Frühling
Die Vegetation wechselt die Farbe und präsentiert sich in allen erdenklichen Grünschattierungen. (Keystone/Martin Ruetschi)

1. Shades of Green einsaugen

Ade tristes Braun! Die Vegetation wechselt die Farbe und präsentiert sich in allen erdenklichen Grünschattierungen. Mit zartem Pastellgrün auf den Wiesen fängt es an, steigert sich über Erbsen- und Lindengrün– bis schliesslich die ganze Landschaft in saftiges Grün getaucht ist. Dieses Jahr geht die Natur praktischerweise Ton in Ton mit der Mode, denn die propagiert für die Saison 2013: Grün.

2. Städtereisen planen

Rom, London und Paris gehören im Frühling zu den beliebtesten Städtereisezielen der Schweizer. (Bild: Getty Images)
Rom, London und Paris gehören im Frühling zu den beliebtesten Städtereisezielen der Schweizer. (Bild: Getty Images)

Zu den beliebtesten Destinationen der von Schweizer Touristen äusserst geschätzten Frühlingsreisli gehören die Weltstädte Rom, London und Paris. Das trifft sich gut, denn dort sind – siehe Punkt 27 – schon ihre sportlichen Landsleute versammelt.

3. Bärlauch riechen

Wenns in der S-Bahn plötzlich schon morgens um sieben nach Knoblauch riecht, weiss selbst der hartgesottenste Stadthocker, dass im Wald nun der Bärlauch spriesst. Das gesunde Kraut wird denn auch während seiner kurzen Saison in so ziemlich jedem Gericht verwurstet.

4. Hugos Nachfolger finden

Vor zwei Jahren wars der Aperol Spritz. Nach dem orangen Import aus dem italienischen Veneto folgte letztes Jahr der Hugo als neues Trendgetränk: Holundersirup, Prosecco, Pfefferminz und Eis. Und der Sommerdrink 2013? Noch zeichnet sich keine Tendenz ab. Gwundernasen können ja schon mal den Kaffeesatz befragen.

5. Frösche retten

Das Liebesleben der Frösche richtet sich nicht nach Verkehrsregeln. Sie scheuen kein Risiko und überqueren auf ihren jährlichen Wanderungen zwischen Winterquartier, Laichgewässer und Sommerquartier stur auch gefährliche Landstrassen. Hilfsbereite Kinder tragen die Amphibien aber gern sachte über die Strasse.

6. Zelten gehen

Stangen entwirren, Zeltplane ausrollen! Wer es nicht schon in den Familienferien gelernt hat, wird spätestens im Pfingstlager in die hohe Kunst des korrekten Zeltaufbaus eingeweiht.

Die ersten Blüten erwachen. (Bild: Keystone)
Die ersten Blüten erwachen. (Bild: Keystone)

7. In der Farbenpracht schwelgen

Die ersten Schneeglöcklein haben sich durch den frostigen Boden gezwängt. Ihnen folgen Krokusse, Forsythien, Hyazinthen und Osterglocken. Oben zwitscherts und tirillierts in den höchsten Tönen, unten blühts und knospets in allen Formen und Farben.

8. Auf dem Gemüsemarkt schwatzen

Das Lächeln friert einem nun nicht mehr im Gesicht fest. Beste Voraussetzungen, um sich bei den Marktfahrern nach besonderen Frühlingsfreuden und neuen Zubereitungsarten zu erkundigen. Aber nicht zu lange plaudern, sonst gefriert das Lächeln des Hintermanns.

9. Leute antreffen

Unglaublich, wer einem plötzlich alles auf der Strasse begegnet: hier ein Bekannter auf dem Weg zur Arbeit, dort die ehemalige Nachbarin vor der Migros. Lange waren die Leute unkenntlich unter Schals und Mützen. Jetzt ist die Welt plötzlich wieder voller Freunde.

10. Die Flohmarktsaison eröffnen

Schränke und Schubladen ausmisten, einen Standplatz am örtlichen Flohmi ergattern und ab die Post! Fallen auch die Einnahmen karg aus, so entschädigt der Spassfaktor allemal. Und das gute Gefühl, wieder mal richtig Ordnung im Haus zu haben, ist sowieso unbezahlbar.

11. Blueschtfährtli unternehmen

Die ländliche Blütenpracht in Augenschein zu nehmen ist eine Leidenschaft, die wir mit den Japanern teilen. Während der Asiate sich jedoch ausschliesslich für Kirschblüten interessiert, ist unsereiner nicht so wählerisch. Hauptsache Bluescht, der Rest ist wurscht.

12. Im Freien Zmörgelen

Noch ein Toast, noch ein Ei, noch ein Kaffee, noch ein Brei? Dass man heute in so vielen Cafés bis in den Nachmittag zmörgelen kann, verdanken wir den deutschen Einwanderern. Die setzten ihre Frühstückskultur auch hierzulande mit Vehemenz durch.

13. In der Erde buddeln

Glücklich, wer einen Garten hat. Doch selbst auf dem kleinsten Balkon pflanzen Hobbygärtner liebevoll Küchenkräuter. Und alle anderen? Die betreiben Urban Gardening. Ein paar verschiedenfarbige Primeln im Rabättli vor dem Haus machen der ganzen Nachbarschaft Freude.

14. Himmelhoch jauchzend in den Abgrund stürzen

Die Freizeitparks sind wieder offen. Allen voran der Europapark Rust, der mit seinen tollkühnen Chilbibahnen zu den beliebtesten Ausflugszielen Schweizer Familienverbände, Turnvereine und Jugendgangs gehört.

Am 15. April ist in Zürich Sächsilüüte. (Bild:Keystone)
Am 15. April ist in Zürich Sächsilüüte. (Bild:Keystone)

15. Feste festen

Am 15. April ist in Zürich Sächsilüüte. Damit landet einmal mehr ein Schneemann auf dem Scheiterhaufen. Diesmal mit aktiver Hilfe des Gastkantons St. Gallen. Doch die Unterländer sind bloss Nachzügler: Die gewieften Rätoromanen feiern ihr traditionelles Frühlingsfest Chalandamarz jedes Jahr pünktlich am 1. März.

16. Büsi adoptieren

Frühlingskatzen sind robuster als Herbstwürfe. Darum könnte man sich jetzt doch ein kleines Raubtier zu- legen. Aber Kastrieren nicht vergessen!

17. Inlineskates probefahren

Schrauben anziehen, Lager ölen und ab zur ersten Probefahrt! Schliesslich will man sich an den Monday Night Skates nicht blamieren. Ab Mitte März gehts los, dann gibt eine Stadt nach der anderen ihre Daten bekannt.

Oder wie wäre es mit einer Cabrio-Fahrt? (Bild: Keystone)
Oder wie wäre es mit einer Cabrio-Fahrt? (Bild: Keystone)

18. Ein Cabrio probefahren

Immer im März wirft sich tout Genf in Schale und schmeisst zu Ehren des Autosalons kurzzeitig den Jet d'eau an. Wir schmeissen uns ins flotte Lederjacket und buchen bei der Garage unseres Vertrauens eine Probefahrt mit dem neusten Cabriomodell.

19. Neue Parfümdüfte schnuppern

Höchste Zeit, die schweren Düfte zusammen mit den dicken Wollpullovern zuhinterst im Schrank zu versorgen. Schön waren sie, die wohlig-warmen Kuschelmomente, aber nun locken leichte Stoffe und frische Brisen. Die Auswahl ist gross: Jedes Frühjahr kommen an die 300 neue Parfüms auf den Markt. Die meisten sind spätestens im Herbst wieder passé.

Am 1. Mai und in der darauf folgenden Woche laden die Deutschschweizer Weinkeller zum Tag der offenen Tür. (Bild: Getty Images)
Am 1. Mai und in der darauf folgenden Woche laden die Deutschschweizer Weinkeller zum Tag der offenen Tür. (Bild: Getty Images)

20. Edle Tropfen aussuchen

Am 1. Mai und in der darauf folgenden Woche laden die Deutschschweizer Weinkeller zum Tag der offenen Tür. Ideal, um zwischen Thunersee und Altenrhein edle Tropfen auszusuchen, mit denen man sich später an lauen Sommerabenden verwöhnen kann.

21. Velo fahren

Unentwegte eierten zwar auch bei Schneegestöber und Glatteis auf zwei Rädern durch die Stadt. Aber ehrlich, Spass machte das nicht. Ganz abgesehen von der erhöhten Unfallgefahr. Doch nun ist definitiv Schluss mit Gedränge und olfaktorischen Zumutungen in den öffentlichen Verkehrsmitteln! Ganz abgesehen von den Rucksackträgern, die ihre Passantenklatschen der halben Nation um die Ohren hauen, ohne je etwas zu merken. Wir gehen wieder mit dem Velo ins Geschäft. Und in den Ausgang sowieso.

22. Neue Nachbarn beäugen

Am 1. April ist Zügeltermin. Das bedeutet: Einweihungsfeiern in der Nachbarschaft und damit die perfekte Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. Vielleicht sind sogar neue Gschpänli für die Kinder dabei.

23. Festivalluft schnuppern

Festivals wie das Zermattsoundz Openair locken viele Besucher an. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)
Festivals wie das Zermattsoundz Openair locken viele Besucher an. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

In Crans-Montana wummern die Bässe schon diese Woche am Caprices Festival. Am 23. März geht es mit dem Snow–Jam Davos GR weiter, dann folgt Zermatt Unplugged im April. Aber Obacht: In der Höhe weht oft ein eisiger Wind.

24. Viele Feiertage geniessen

An St. Josef (19.3.), Näfelser Fahrt (4.4.) und Georgstag (23.4.) kann sich nur ein Teil der Bevölkerung auf die faule Haut legen. Zum Glück gibts für fast alle Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Auffahrt und Pfingstmontag.

25. Zum letzten Mal Kürbissuppe kochen

So sehr man sich im Herbst auf das erste Kürbisgericht freut, im März reichts. Statt orangen Breis begehren die Geschmacksnerven frisches Grün.

26. Den neuen Sommerhit summen

Mitsingen scheiterte an mangelnden Portugiesisch-Kenntnissen. Der Titel «Ai, se eu te pego» ist aber auch ein Zungenbrecher. Weltberühmt machte das Lied der Brasilianer Michel Teló. Wer schon einen Nachfolger im Kopf beziehungsweise im Ohr hat, betreibt Guerilla-Marketing und promotet den Song seiner Wahl durch konstantes Summen, Pfeifen oder Trällern desselben in der Öffentlichkeit.

27. Für die Frühlingsmarathons trainieren

Den Auftakt macht Rom am 17. März. Der Startschuss in Zürich, Mailand und Paris fällt am 7. April. Eine Woche später rennen Horden im engen Renndress durch Rotterdam und Wien, dann folgen Boston und London. Und weil 42,195 Kilometer kein Pappenstiel sind, sieht man bereits jetzt drahtige Gestalten im Morgengrauen durch ihr urbanes Trainingsgelände traben.

28. Draussen lesen

Im März präsentiert die Leipziger Buchmesse die neusten Elaborate. Der Kluge deckt sich frühzeitig mit passender Literatur ein, die er später malerisch drapiert auf einem Bänkchen im Park zu lesen gedenkt.

29. Geschenke regnen lassen

Sie sind Zucker, die kleinen Katholiken, wie sie mit ernsten Mienen ihre Erstkommunion oder – wenn sie nicht mehr so klein sind – Firmung feiern. Auch reformierte Konfirmanden können ihren Stolz selten gut verbergen. Allen gemeinsam ist der schönste Moment des Tages: Nach dem Kirchgang gibts ein feines Essen, viele Gratulationen und noch mehr Geschenke.

30. Füsse pflegen

So sicher wie die Schneeglöcklein kommt der Moment, wo der Mensch Sandalen anzieht. Und damit andere das Fürchten lehrt. Ein für allemal: Pediküre ist kein Luxus, sondern ein Muss. Und zwar für Frauen und Männer! Wer das nicht einsieht, bedeckt seine Füsse lieber bis Herbst. Grosser Trend in diesem Jahr sind geschlossene Slipper der amerikanischen Marke Toms. Mit dem Kauf tut man was Gutes: Tom spendet von jedem Verkauf einem Kind in Not ein paar Schuhe.

Autor: Ruth Brüderlin