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20. Juli 2015

Darf man via Twitter kondolieren?

Philipp Tingler schreibt jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens. Diesmal darüber, ob man via Twitter kondolieren darf.

Kondolieren via Twitter
Würden Sie via Twitter kondolieren? (Illustration: Andreas Klammt).

«Geiz verhindert Manieren.

Die Handlung mit dem geringsten Aufwand ist nie die manierlichste. Deshalb ist auch die elektronische Kommunikation für manche Fälle unangebracht.

Namentlich für solche Fälle, die eine gewisse Verbindlichkeit erfordern.

Eine soziale Verbindlichkeit ergibt sich aus dem inhaltlichen Gewicht der Umstände und der Nähe der Bekanntschaft zwischen den beteiligten Menschen. Je höher die Verbindlichkeit, desto formeller die Kommunikationsanforderungen.

Man kondoliert nicht via Twitter.

Es sei denn, die verstorbene Person war sehr prominent und stand in keinem persönlichen Verhältnis zu einem selbst. Doch auch dieser Fall ist diskussionswürdig, weil er den Ruch des Geltungsdrangs trägt.

140 Zeichen reichen für jede Banalität. Aber das heisst ja nicht, dass Sie bei deren Verbreitung ganz vorn mitmachen müssen.»

Was denken Sie: Wann ist die digitale Kommunikation angebracht, wann brauchts Augenkontakt?

Autor: Philipp Tingler