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22. Oktober 2012

Damit das Kindeswohl an erster Stelle steht

Neue Bestimmungen der Pflegekinderverordnung schaffen ab 2014 in der Schweiz einheitliche Bedingungen – und schützen auch Jugendliche.

Pflegekinderverordnung
Wer achtet darauf, dass es Pflegekindern gut geht? Diese Zuständigkeit wird nun 
klarer geregelt. (Bild: Ute Grabowsky/Photothek.net)

Marcel Simon (42) ist Leiter der Organisation Via Familia in Stans, die Pflegekinder platziert. «Höchste Zeit» sei diese gewesen, sagt er über die soeben vom Bundesrat verabschiedete Teilrevision der Pflegekinderverordnung (Pavo). Sie regelt drei wichtige Punkte neu: Erstens müssen sich ab Januar 2014 alle Organisationen, die Pflegekinder vermitteln und -familien betreuen, bei den Behörden anmelden und sich von diesen beaufsichtigen lassen. Bisher ist die Vermittlung von Dienstleistungsangeboten in der Familienpflege nicht geregelt und wird von Kanton zu Kanton anders gehandhabt.

Zweitens wird die Pavo nun auch für alle Minderjährigen bis 18 Jahre statt nur für die unter 15-Jährigen gelten. Sozialpädagoge Simon freut sich darüber: «Eine regelmässige Betreuung ist auch bei Jugendlichen sehr wichtig. In diesem Alter tauchen oft Pubertätsprobleme auf. Da ist eine neutrale Ansprechperson hilfreich.» Und als dritte Neuerung müssen auch ausländische Organisationen, die Schweizer Kinder in Familien vermitteln, behördlich bewilligt und beaufsichtigt werden. Einziger Wermutstropfen aus Simons Sicht: «Die Familienplatzierungsorganisationen sind nicht in die Interkantonale Heimvereinbarung aufgenommen worden.» So werden Heimkosten wie gehabt grossteils vom Kanton übernommen, die Kosten einer Familienplatzierungsorganisation von der Gemeinde. Die Folge: Manche Kinder kommen in ein Heim, obwohl eine Familienunterbringung besser für sie wäre. Simon: «Dabei sollte das Kindeswohl doch über der Finanzierungsfrage stehen.»

Der Bund regelt die Vermittlung der Betreuung für bis zu 18-Jährige. Einverstanden? Machen Sie mit bei unserer Umfrage auf:

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Autor: Claudia Weiss