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17. September 2012

Cybermobbing – endloser Alptraum

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden im Internet gemobbt. Die Verzweiflung der Betroffenen ist gross, sie sind doppelt so stark selbstmordgefährdet wie andere Jugendliche. Die Hintergründe der fiesen Attacken und wie man damit umgeht.

Cybermobbing
Ausgeliefert: 
Im Internet verbreitete 
Demütigungen sind kaum 
zu stoppen. (Bild: dpa/picture alliance)

Das Problem hat sich massiv verschärft: Kids werden auf Facebook oder über andere soziale Plattformen immer häufiger gemobbt. Etwa ­einer von zehn Jugendlichen hat dies bereits erlebt, sagt Marianne Affolter (31), Leiterin Kommunikation bei Pro Juventute: «Es gibt praktisch keine Schulklasse mehr ohne Betroffene.» Woran liegt das? «Rund 98 Prozent der 13-Jährigen besitzen ein Handy und haben so meist rund um die Uhr Zugang zum Internet», erklärt sie. Und hier liegt auch das besonders Fiese dieser Art der öffentlichen Hetze: «Anders als beim Mobbing auf dem Pausenplatz können sich die Kids vom Cybermobbing nirgendwohin zurückziehen. Es hört nie auf, nicht daheim, nicht in der Nacht und nicht am Wochenende.» Hinzu kommt: Auch wenn die Inhalte gelöscht werden, haben sie sich längst im Web verselbständigt und bleiben dort jahrelang erhalten. Die Belastung der Betroffenen ist unvorstellbar. «Sie sind doppelt so stark suizidgefährdet wie andere Jugendliche», sagt Marianne Affolter. Deshalb macht sich Pro Juventute dafür stark, dass entsprechende Aufklärung in den Stundenplan integriert wird.

Mit den Kindern darüber sprechen, was es heisst

Was können Eltern tun? Sie sollten schon früh mit ihren Kindern über Cybermobbing sprechen. Darüber, was es heisst, Opfer zu sein, aber auch Täter oder Mitläufer. Vor allem sollten sie ihren Kids sagen, wo es Hilfe gibt und wie wichtig diese in einer solchen Situation ist. Wenn es zu Cybermobbing kommt, braucht es klare Massnahmen: nicht auf beleidigende Postings reagieren, E-Mail-Adresse und Telefonnummer wechseln und Beweise sammeln, zum Beispiel in Form von Printscreens (Fotos von Bildschirminhalten). Lehrer und der Schulpsychologische Dienst können weitere Schritte unternehmen, im Härtefall auch die Polizei. Rat und Hilfe finden Kinder rund um die Uhr unter der Gratisnummer 147, Eltern zum Beispiel beim Eltern-Club Schweiz unter 058 261 61 61.

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Autor: Andrea Fischer Schulthess