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04. Februar 2013

Computerspiele: Pro und Contra der Experten

Sind Computerspiele schädlich oder wertvoll? Manfred Spitzer, Hirnforscher, und Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie sind unterschiedlicher Ansicht: Ihre Argumente zum Thema.

Manfred Spitzer (54), Hirnforscher und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm (D), ist einer der prominentesten Kritiker der digitalen Welt. . (Bild: zVg.)
Manfred Spitzer (54), Hirnforscher und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm (D), ist einer der prominentesten Kritiker der digitalen Welt. (Bild: zVg.)
Daniel Süss (50), Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft ZHAW und Professor für Publizistikwissenschaft an der Uni Zürich. Er teilt Spitzers Argumente weitgehend nicht. (Bild: zVg.)
Daniel Süss (50), Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft ZHAW und Professor für Publizistikwissenschaft an der Uni Zürich. Er teilt Spitzers Argumente weitgehend nicht. (Bild: zVg.)

Manfred Spitzer (54, links), Hirnforscher und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm (D), ist einer der prominentesten Kritiker der digitalen Welt. Computerspiele seien für viele negative Entwicklungen bei gamenden Jugendlichen verantwortlich, schreibt er In seinem Buch «Digitale Demenz». Daniel Süss (50, rechts), Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft ZHAW und Professor für Publizistikwissenschaft an der Uni Zürich. Er teilt Spitzers Argumente weitgehend nicht.

THESE 1 VON MANFRED SPITZER: Videospiele bewirken zunehmende Gewaltbereitschaft und Abstumpfung gegenüber realer Gewalt

Kommentar Daniel Süss: Stark gewalthaltige Spiele können Gewaltfantasien verstärken und das Mitgefühl mit Gewaltopfern reduzieren, wenn junge Spieler sie exzessiv und ausschliesslich spielen. Allerdings erleben die meisten Spieler solche Games primär als Wettkampf, wo das Erfüllen von Missions und das Zusammenspielen im Team im Vordergrund stehen. Die meisten Jugendlichen spielen unterschiedliche Typen von Games, sodass nicht bloss Gewaltszenarien im Zentrum stehen. Studien zeigen, dass man gegenüber Mediengewalt abstumpfen kann, wenn man sehr oft Mediengewalt konsumiert. Reale Gewalt, die man hautnah erlebt, ist etwas völlig anderes. Da fühlt man sich echt bedroht oder herausgefordert, was im Spiel nicht gleich erlebt wird.

THESE 2 VON MANFRED SPITZER: Videospiele haben soziale Vereinsamung zur Folge, sie beeinträchtigen die Beziehung zu Gleichaltrigen und Freunden negativ. Der Gebrauch der Spielkonsole hat eine geringere Elternbindung zur Folge.

Kommentar Daniel Süss: Kinder und Jugendliche, die Games spielen, vereinsamen in der Regel nicht. Die Games Communities sind Gemeinschaften wie Sportmannschaften oder Musikvereine. Aber zentral ist, dass Kinder und Jugendliche in mehreren Gemeinschaften Kontakte pflegen und sich nicht nur noch in den Game-Clans bewegen. Es ist eine Erziehungsaufgabe der Eltern, dies im Auge zu behalten und bei sozialem Rückzug rasch zu reagieren.

THESE 3 VON MANFRED SPITZER: Videospiele reduzieren die Chance auf Bildung. Kinder, die Videospiele spielen, verbringen im Vergleich zu Kindern, die dies nicht tun, viel weniger Zeit mit Lesen und Hausaufgaben.

Kommentar Daniel Süss: Wenn das Gamen so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass Schularbeiten vernachlässigt werden, dann schadet das natürlich den Leistungen. Ist ein Kind in der Schule nicht erfolgreich und flüchtet deshalb in die Spielwelt, wo es leichter zu Erfolgen kommt, dann entsteht das Risiko, dass der Selbstwert an der Position in der Gamergruppe festgemacht wird, statt daran zu arbeiten, in der Schule aufzuholen.Kinder und Jugendliche sind in der Schule stark gefordert. Hausaufgaben nehmen viel Zeit in Anspruch, besonders wenn einem Kind das Lernen nicht leicht fällt. Da ist es klar, dass das Gamen zeitlich begrenzt werden muss. Spass und Ehrgeiz müssen auch im Lernen angesprochen werden, nicht nur in der Erholung beim Gamen. Wer aber nur noch für die Schule lernt und sich nicht mehr erholt, wird dabei auch nicht leistungsfähiger.Fürs erfolgreiche Gamen braucht es volle Konzentration, gute räumliche Orientierung und schnelles Reagieren. Man muss mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten und die Stärken und Schwächen von Mitspielern und Gegnern richtig einschätzen. All dies kann man beim Gamen lernen respektive einüben. Es gibt eine breite Palette an Games, genauso wie bei Büchern. Da lernt man auch sehr Unterschiedliches.

Autor: Pia Bühler