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06. Mai 2013

Chume nid druus...

«Hast Du die Mehrfahrtenkarte dabei, Hans?» — «Ha ke Ahnig!» Die Antwort ist immer dieselbe, seit einigen Wochen kann ich fragen, was ich will: «Anna Luna, hast du dein Turnzeug zur schmutzigen Wäsche gelegt?», «Hans, weisst du, wo ihr euch am Samstag für die Pfadi besammeln müsst?», «Wollt ihr Dessert?» oder auch nur «Was für Ufzgi hast du?» — die Kinder antworten: «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig! Chume, chume nid druus …!», halb im Singsang, halb gerappt.

Das erschwert die Kommunikation, aber wie wollte ich ihnen böse sein? Sie zitieren den neusten Hit von Steff la Cheffe, und der hat es mir genauso angetan wie ihnen. Grossartig, wie sie andere blossstellt, indem sie sich selber klein macht. Ironisch, frech, lebensfroh. Und letztlich ist der «Ha ke Ahnig!»-Refrain besser als diejenige Steff-Zeile, mit der unsere Tochter vor drei Jahren dauernd durch die Wohnung rannte (und an dieser Stelle bitten wir die geschätzte Leserin Gamber ein letztes Mal um Verzeihung für das ihr missfallende Wort): «Herr Dokter, Herr Dokter, i bruuchen es Schnäbi!»

Zusammengelegte Wäsche in verschiedenen Farben.
«Und wem gehören welche Socken?»

Eben. Ich kann fragen, was ich will. «Sag mal, Anna Luna, wem gehören diese Socken?» — «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig! Chume, chume nid druus …» Es ist so weit, unsere Tochter ist in einem schwierigen Alter. Ich meine jetzt nicht, weil sie vorlaut wäre; das war sie schon immer. Nein, rein vom Wachstum her. Eben hat sie die Mutter an Körpergrösse überholt. Auch auf mich schaut sie, wenn sie Absätze trägt, bereits herab. Und ihr kleiner Bruder ist alles andere als klein, noch dazu trägt er die Kleider gern «baggy», sprich: bequem gross. Sie ahnen mein Problem: Je grösser die Kinder werden, desto schwieriger das Wäschesortieren. Natürlich weiss ich, wem welches Shirt gehört. Steht «Star Wars» oder «Die Toten Hosen» drauf, kommts auf den Hans-Stapel. Ists ein Teil von Hollister … Halt! Hat Anna -Luna dieses Kurzarmshirt nun a) von ihrer Mutter geklaut, b) vorübergehend ausgeliehen oder c) definitiv übernommen? «Sag mal, Anna Luna …» Ach, alles Fragen nützt nichts. Sie antwortet ja doch nur … Erraten.

Genau genommen, sind wir alle vier in einem schwierigen Alter. Allesamt haben wir riesige Füsse und bevorzugen Sportsocken der Marke Nike; der Alte macht kleidermässig noch immer einen auf jugendlich (Was besonders an Schulanlässen extrem peinlich ist, denn wer will schon einen Vater, der dieselben Klamotten trägt wie die Klassenkameraden?); die Mutter pflegt einen Stil, der demjenigen der Tochter nicht unähnlich ist. Wie also bei Slips und Socken den Überblick behalten, in wessen Schublade sie gehören? Wohin mit einer Jeans der Grösse 38? Das weisse Unterleibchen, ein Männer-Small? Könnte genauso gut meines wie dem Hans seines sein. Und wehe, ich sortiere und verräume falsch! Dann ist mir ein von Flüchen begleitetes «Wo sind meine schwarzen Trainerhosen fürs Tanzen?» sicher. Okay, ich weiss nun wenigstens, was ich antworten soll. Ich singe. «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig! Chume, chume nid druus …»

Und dann soll noch jemand behaupten, das grösste Problem in einem Haushalt sei, wer den Müll runterbringe. Es wird in Sketchs, Songs und Büchern zum Urkonflikt stilisiert, als wärs die letzte grosse existenzielle Frage. Nein, meine Damen und Herren, das mit dem Kehrichtsack ist das kleinste Problem. Den trage sowieso ich runter.

Bänz Friedli live: 14.5. Grafenried BE

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli