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19. Oktober 2015

Premiere mit Champagner in Zürich

Am 18. November präsentieren erstmals in Zürich zwei Dutzend Champagnerhäuser ihre Schaumweine. Nebst Degustationen gibt es auch Seminare. Federführend ist Kat Morse mit dem Start-up-Unternehmen Wiine.me.

Kat Morse
Kat Morse: «Ich liebe Champagner mit Pinot Meunier und freue mich auf den Anlass in Zürich.» (Bild: zvg)

Die Champagne ist am 18. November zu Besuch in Zürich. 25 Champagnerhäuser laden zur Degustation von über 150 Cuvées ein. Seminare und Workshops rund um das Thema Champagner stehen ebenfalls auf dem Programm.

Die in Manila und Chicago aufgewachsene Kat Morse (31), Rechtsanwältin mit Spezialgebiet Weinrecht, Gewinnerin des Concours Européen des Ambassadeurs du Champagne 2013 sowie im Team des Start-up-Unternehmen Wiine.me, lanciert nach der Genfer Premiere 2014 den ersten Salon du Champagne in Zürich, im Restaurant Metropol beim Paradeplatz. In einem ersten Teil von 13 bis 17.30 Uhr können Weinexperten, Restaurantbetreiber, Händler und Sommeliers sich mit Vertretern der Champagnerhäuser austauschen, ihre Tropfen verkosten und neue Kontakte knüpfen. Von 17 bis 22 Uhr öffnet sich der Anlass für die Öffentlichkeit. Am Salon nehmen auch kleinere und teils unbekannte Champagnerproduzenten – ein paar davon zum ersten Mal überhaupt – teil. Das Ticket inklusive der Teilnahme für Schulungen kostet im Vorverkauf 49 Franken.

Der erste Salon du Champagne fand in Genf statt. Nun geht der Anlass zum ersten Mal in Zürich über die Bühne (Bild: zvg).

Kat Morse, nach Genf haben Sie nun den ersten Champagneranlass in Zürich lanciert. Wieso?
Während meiner Arbeit für Wiine.me realisierte ich, dass viele Leute denken, alle Champagner würden gleich schmecken. Das passiert dann, wenn man nicht vergleichen kann. Ich sagte mir, weshalb nicht einen Anlass organisieren, wo man Champagner degustieren, entdecken und darüber etwas lernen kann. Deshalb führen wir beispielsweise an unserem Anlass eine Verkostung von Jahrgangschampagnern von de Venoge durch, und zwar der Jahrgänge 1995, 1996 und 2006. In den Seminaren lernen die Leute mehr über Schaumweine, die Aussteller können am Anlass Kontakte knüpfen.
Für viele Leute ist Champagner noch immer einfach nur ein Aperitifgetränk. Was machen Sie gegen dieses falsche Image?
Wir organisieren Wine&Dine, möglicherweise im Januar in Zürich und sicher im Februar in Genf. Und unser Salon du Champagne hilft auch. Letztes Jahr erwarteten wir in Genf 400 Besucher, letztlich kamen 700. In Zürich rechnen wir mit mindestens 300 Leuten. 100 haben schon online ein Ticket gekauft.
Weshalb erwarten Sie in Zürich weniger Besucher als in Genf?
In der Romandie, wo Frankreich viel näher ist, ist Champagner noch immer beliebter als in der Deutschschweiz. Entsprechend wird am Genfersee mehr Champagner konsumiert. Aber ich freue mich sehr auf die Premiere in Zürich, denn als wir den ersten Anlass in Genf durchführten, reisten auch einige aus Zürich an und haben uns gefragt, ob man so was nicht auch in der Limmatstadt durchführen könnte.
Warum haben Sie eigentlich Ihre Karriere als Rechtsanwältin aufgegeben?
Ich hatte immer eine grosse Passion für Weine. Tagsüber ging ich an die Universität, und abends besuchte ich Weinkurse. Weine sind für mich so interessant, weil in jedem Glas eine Menge Geschichte und Tradition steckt – gerade in Europa. Ich liebe Weine und Champagner und habe mich deshalb entschieden, meiner Leidenschaft zu folgen und meinen sicheren Job aufzugeben. Ich habe den Berufswechsel noch keinen Tag bereut.
Wie sind Sie auf die Weine gekommen?
Ich war 20, als ich mein erstes Glas getrunken habe. Das wurde von meiner Kirche organisiert. Ich sagte mir, das ist aber ziemlich interessant. Danach zügelte mein damaliger Verlobter und heutiger Mann nach Paris. Ich degustierte einen Châteauneuf-du-Pape, der umwerfend war. So startete meine Liebesbeziehung zum Thema, und ich brachte mir immer mehr Wissen selbst bei. Und auch heute noch kann ich nicht aufhören, Neues zu lernen.
Und ein Jahr später hatten Sie Ihre erste Erfahrung mit Champagner?
Ja, genau. Das war mir peinlich. Ich war 21 Jahre alt. Das Thema waren Champagner, die von Winzern mitgebracht wurden. Ich degustierte einen Schaumwein und fragte, von wo der Champagner sei. Man sagte mir: «Mademoiselle, er ist aus der Champagne…»
Was fasziniert Sie heute an Champagnern?
Dass es so viele verschiedene Arten gibt. Die einen eignen sich zum Apéro, andere sind stark genug, um ein Steak zu begleiten. Champagner mit allen seinen Facetten wird noch immer unterschätzt.
Welche Champagner bevorzugen Sie?
Ich liebe Champagner mit der Traubensorte Pinot Meunier, die meist nur als Zusatz verwendet wird. Mit den Jahren fand ich heraus, wie unterbewertet solche Champagner sind. Und selbstverständlich bewundere ich auch Blanc de Blancs. Mein momentaner Favorit ist eine Flasche Winston Churchill 1998 von Pol Roger. Ich habe eine solche Flasche für meinen Mann anlässlich seines Doktorats gekauft. Ich reiste in die USA an seine Uni, die aber keine Champagnergläser hatte. Wir halfen uns mit Plastikgläsern aus. Zum Glück hat uns einer der Professoren nach dem ersten Schluck gesehen und danach richtige Champagnergläser aufgetrieben – selbstverständlich gleich drei…

Autor: Reto Wild