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30. November 2015

Burn-out: Symptome erkennen und frühzeitig reagieren

Müde, ausgelaugt und ohne Antrieb? Diese Symptome kennt jeder. Aber je mehr der betroffene Mensch und sein Umfeld darunter leiden, desto mehr wird es zu einer Krankheit, die behandelt werden muss. Ex-Swissair-Personalchef Matthias Mölleney nimmt im Interview (rechts) die Arbeitgeber in die Pflicht.

Burn-outs können auch Mütter treffen
Es kann auch Mütter treffen: Ständig an der Belastungsgrenze zu sein, schadet der Psyche (Bild: Getty Images).

Es sind meist die Perfekten, die es trifft, diejenigen, die möglichst exakt und termingetreu ihre Aufgaben erledigen und dann an sich selbst scheitern. Weil sie den Druck nicht mehr ertragen, weil ihnen der regenerierende Ausgleich fehlt und sie die Anspannung nicht mehr loslässt. Kaum jemand hört dann die nicht ­immer offensichtlichen Hilferufe. «Ich bin ausgebrannt und habe keine Energie mehr» tönt viel harmloser als «ich bin depressiv, antriebslos und traurig». Wo aber liegt die Grenze, wer von uns leidet nicht unter Stimmungsschwankungen, ist mal müde oder hat Probleme mit Stress am Arbeitsplatz oder im persönlichen Umfeld?

Unter dem Burn-out-Syndrom versteht man in erster Linie ein arbeitsbezogenes Erschöpfungssyndrom. Es trifft aber nicht nur Chefs und Angestellte, ebenso kann das überforderte Kind in Schule und Freizeit betroffen sein, die ermüdete Mutter oder der Sportler beim Ausüben seiner Lieblingsbeschäftigung Sport.

Warnzeichen erkennen

Verschiedene Anzeichen können ein Burn-out ankündigen. Je früher ein Risiko erkannt wird, desto eher kann der Prozess gestoppt werden. Die Auflistung (Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco) gibt Hinweise, ersetzt jedoch keine Diagnose:

· Sinkende Produktivität trotz grösseren Einsatzes

· Rückzug und Vernachlässigung von Familie, Freunden und Bekannten zugunsten der Arbeit

· Verdrängung persönlicher Bedürfnisse

· Öfter das Gefühl von Nervosität, Müdigkeit und Erschöpfung

· Schlechte Konzentration, grössere Vergesslichkeit als früher

· Ständiges Gefühl von Überforderung

· Mühe, sich für die Arbeit zu motivieren

· Neigung zu Sarkasmus und Zynismus

· Negative Bewertung der Arbeitsergebnisse

· Vermehrter Konsum von Substanzen, die wach und leistungsfähig machen

Je mehr Warnzeichen und je häufiger sie zutreffen, desto wahrscheinlicher sind Sie von einem Burn-out betroffen. Dann benötigen Sie professionelle medizinische oder psychologische Hilfe.

Autor: Hans-Ulrich Backes