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05. Januar 2015

Brad Pitts zehn beste Hauptrollen

Der amerikanische Starschauspieler hat schon drei Oscar-Nominationen erreicht und ist zum wichtigen Produzenten geworden. Zum Start seines Streifens «Fury» fragen wir nach seinem besten Film und stellen unsere Top 10 vor. Welcher ist Ihr Favorit?

Brad Pitt (links) und George Clooney
Stilsicher, aber keine Klischees in Schwarz-Weiss: Brad Pitt (links) und George Clooney defilieren 2001 durch «Ocean's Eleven». (Bild Keystone)

Bereits vor gut einem Vierteljahrhundert tauchte Brad Pitt prominent in mehreren «Dallas»-Folgen auf, auch mal in «21 Jump Street». Bei den Fans von US-Produktionen wie auch Independent-Movie-Fans setzte er als lasziver Verführer in «Thelma & Louise» einen ersten Markstein. Danach folgten viele erfolgreiche Filme als Schauspieler sowie drei Oscar-Nominationen und ein Golden Globe. Vor allem beeindruckte Pitt aber mit einem für Hollywood und Umgebung einmaligen Spagat zwischen Action-Blockbustern, Mainstream-Komödien, Streifen von grossen Autoren (wie «The Tree of Life» von Terrence Malick) und solchen mit vergleichsweise kleinem Budget. Witzigerweise erhielt er den ersten Academy Award (Oscar) erst als Produzent von «Twelve Years a Slave» vor einem Jahr.

In unseren Top 10 finden Sie zehn herausragende Filme aus seinem Schaffen. Wir haben möglichst unterschiedliche Rollen ausgewählt, udn natürlich sind die mit Golden-Globe- oder Oscar-Nominationen dabei. Berücksichtigt wurden nur Hauptrollen. Deshalb fehlt zum Beispiel «Twelve Monkeys» (1995), obwohl die darin verkörperte Nebenrolle beinahe so in Erinnerung geblieben ist wie gewisse Filme mit Pitt als Hauptdarsteller. Geordnet sind sie chronologisch, der jüngste zuoberst, der älteste zuunterst.

Welches ist die beste Brad-Pitt-Hauptrolle? Stimmen Sie im Voting(rechts) für Ihren Favoriten!
THE TREE OF LIFE (2011): Eine epische Geschichte mit komplexen, vielschichtigen und sich wie in Zeitlupe entwickelnden Figuren. Brad Pitt spielt die Vaterfigur wohltuend unprätentiös, quasi «schlank», mit viel dunklen, aber auch positiven Seiten. Keine Faxen und Pointen, keine Posen. Trotzdem wird die innere Spannung stets deutlich.
INGLORIOUS BASTERDS (2009): Im Kultstreifen von Quentin Tarantino schafft er es neben dem noch etwas grandioseren Christoph Waltz und der erstaunlichen Diane Kruger spielend, die Story sowie die komischen und drastischen Situationen ernst zu nehmen, die Figur und ihre Spleens aber nicht.
THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON (2008): Diese Rolle brachte eine besondere Herausforderung mit sich: Die Hauptfigur befindet sich anfangs im Greisenalter, dann wird sie schrittweise immer jünger. Den umgekehrten Entwicklungsprozess kaufte man ihm voll ab.
MR. & MRS. SMITH (2005): Pitt brachte mit seiner echten Partnerin Angelina Jolie mit jederzeit sichtbarem Vergnügen ein Duell auf die Leinwand, das den Hochseilakt zwischen Agentenfilm und klassischer Lovestory mit Bravour meistert.
TROY (2004): Auch in bombastischen Sandalen- und Kostümfilm macht Pitt als Hauptdarsteller gute Figur. Sein Achill ist zugleich ungebrochene Lichtgestalt, mitunter aber auch von Zweifel bis echter Verzweiflung befallen. Nicht die Spur eines kriegsgeilen Abenteurers.
OCEAN’S ELEVEN (2001): Der Riesenerfolg von Regisseur Rusty Ryan und seinem Team gab einem Starensemble Gelegenheit, Action und viel Humor in schillernden Revue-Nummern zu verbinden. Neben Clooney spielt Pitt in dieser «Theatersportübung» für die Leinwand die anderen mit Grandezza an die Wand.
FIGHT CLUB (1999): Einer der zwei bis drei speziellsten Werke in Pitts Filmografie. Neben Edward Norton als Erzähler und einer inspirierten Helena Bonham Carter macht Pitt als Tyler die Faszination von Gewalt ungefiltert und mit dem Charisma eines Anführers jederzeit nachvollziehbar.
SEVEN YEARS IN TIBET (1997): Die vielleicht erstaunlichste Rolle für einen mit Ansätzen des Sonnyboys ausgestatteten Hollywood-Star. Pitt verkörpert Bergsteiger Heinrich Harrer durchaus nuancenreich und lässt seine einzigartige Motivation mitsamt Wissensdurst und Selbsterkundung plausibel durchscheinen.
INTERVIEW WITH THE VAMPIRE (1994): Nochmals ein Kostümfilm mit Zeitreise und natürlich dem Einbau von genretypischen Vampirelementen. Der Film mit Pitt und Tom Cruise (sowie Antonio Banderas!) war mit der Melancholie, dem dezenten Gruftie-Look und blässlichen Liebesrosa neben schwarz-weisser Zurückhaltung sicher ein Vorläufer der Vampirmode seit der Jahrtausendwende.
JOHNNY SUEDE (1991): Ausser eingefleischten Pitt-Fans oder Liebhabern jeglicher Musikfilme von den meisten vergessen – zu Unrecht. Brad Pitt beweist als Johnny innert Kürze mal leise und dann wieder wunderschön schräge Momente in diesem unterschätzten Kunstwerk von Tom DiCillo. Daneben macht er die Tragik des jungen Ricky-Nelson-Liebhabers und -Nachahmers klar: Erledigt er den Job des Imitierens perfekt, nimmt er dessen Platz ein. Und mit dem Ersatz schwindet die Erinnerung ans Original …

Autor: Reto Meisser