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02. Juli 2012

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Über die Gründe von Adipositas ist einiges bekannt, doch welche gesundheitlichen Folgen hat die Fettleibigkeit neben der eingeschränkten Bewegungsmöglichkeit häufig noch? Eine Übersicht.

Das Übergewicht wieder los geworden
Ein Glücklicher, der sein starkes Übergewicht wieder los wurde.

Die Ursachen für Adipositas sind mehrheitlich sehr wohl bekannt, weil ihr Auftreten verbunden mit einem bestimmten Übergewicht schon länger nachgewiesen werden kann. Welche Prozesse im Detail ablaufen und wie gewissen Risikofaktoren für Adipositas zusammenspielen, ist jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung. Die wahrscheinlichsten Gründe für Fettleibigkeit weisen diese beiden Phänomene auf:

A.Vererbung: Gene sind zur Hauptsache für die Nahrungsverwertung und die Fettverteilung am Körper verantwortlich, vermutlich auch für einen gewissen Hang zu übermässiger Nahrungsaufnahme.
B.Überernährung und Bewegungsmangel: Letztlich in praktisch allen Fällen 'schuld' an Fettleibigkeit ist eine ungesunde Energiebilanz, sprich: Der Körper nimmt klar mehr Energie auf, als er benötigt respektive verbraucht. Dies geschieht durch mangelnde Bewegung einerseits sowie durch ein Zuviel an (oft noch falsch zusammengesetzter) Ernährung.
Das Verhalten, das zur ungesunden Energiebilanz führt, begünstigen laut Ernährungssoziologen Faktoren wie Mangel an regelmässigen Mahlzeiten sowie viel Fast Food (grosse Portionen, hoher Salz-, Zucker- und Fettgehalt, zu schnelle Essgeschwindigkeit); sitzende Tätigkeiten im Beruf und daneben keine physische Aktivität als Ausgleich; Frust, Langeweile oder Stress oder wiederum fehlende emotionale und persönliche Zuwendung (führen zu Kompensationsverhalten beim Essen); Geschmackssteuerung über Zuckerzusätze, Geschmacksverstärker Glutamat (regt Appetit weiter an); Farb- und Geruchsstoffe (gestalten Essen appetitlicher) sowie überproportional auftauchende Werbung für überaus zucker- oder salzhaltige Speisen und deren Übervertretung im Warensortiment; zuletzt auch die Eltern, Freunde oder andere Nächste als schlechte Vorbilder.

Neurobiologisch sind vermutlich gewisse Hormone für die Entstehung grösseren Übergewichts mitverantwortlich. Zuallererst Leptin, das dem Hirn Hunger meldet oder eben den mehr oder weniger gesättigten Zustand. Bei Adipositas scheinen wohl entweder beim Transportsystem des Botenstoffs vom Blutsystem ins Gehirn oder bei den Rezeptoren (wo die Hormone andocken müssen, um ihre Mitteilung anzubringen) etwas nicht mehr zu funktionieren. Parallel dazu könnte laut Tierversuchen ein Fehlen von Rezeptoren für Insulin die Zuckerkrankheit (Diabetes) mitbegründen, die oft bei stark fettleibigen Patienten auftritt.

Neben Prozessen im Zusammenhang mit einer Essstörung respektive Sucht können auch andere (bereits bestehende) Stoffwechsel-Krankheiten Adipositas (stark) begünstigen. Zu nennen wären hier in erster Linie ...
eine Schilddrüsen-Unterfunktion,
die Störung des Kortisol-Haushaltes oder
eine Glucose-Stoffwechselstörung mit Hyperinsulinismus.
Weiter gilt eine Infektion mit dem Adenovirus vom Typ Ad-36 als mögliche Ursache von einigen Adipositas-Formen. Ad-36 vermag Stammzellen zu Fettzellen umzubauen.

Die gefährlichen Begleiterscheinungen

Wer einen Body Mass Index (BMI) von über 30 (für den 1. Grad), über 35 (für Grad 2) und ab 40 (für Grad 3) aufweist, gilt nach der einfachsten und verbreitetsten Definition als fettleibig. Dabei handelt es sich um eine erste Richtschnur. Um die gesundheitlichen Gefahren wirklich abzuschätzen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der nach der Analyse auch bei ersten Schritten zur Behandlung und der Umstellung von Ess- oder Bewegungsverhalten mithilft. Der BMI wertet aber letztlich alle überflüssigen Pfunde gleich, was für fast alle Betroffenen nicht zutrifft. Gerade für die direkt bedrohlichen Szenarien im Herz/Kreislauf-Bereich kommt es auf das Fettverteilungsmuster an: Übergewicht im Bauchraum und in direkter Umgebung der meisten bedeuten inneren Organe ist weitaus gefährlicher als anderswo. Für zu Hause ist für durchschnittlich grosse Personen deshalb ein zweiter Wert von mindestens so grosser Bedeutung wie der BMI-Wert: Ein Bauchumfang ab (gut) 80 cm bei Frauen und ab 92 cm bei Männern.

Unter Adipositas verstehen Ärzte eine Vermehrung des Körperfetts mit krankhaften Auswirkungen. Damit ist letztlich schon gesagt, dass Fettleibigkeit für daran Leidende meistens nicht 'bloss' eine eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit oder Ausdauer, eine eingeschränkte Attraktivität und damit oft ein vermindertes Selbstbewusstsein bedeutet, sondern weitere gesundheitliche Risiken nach sich zieht.
Nach heutigem Forschungsstand werden vor allem folgende genannt:

Bluthochdruck (medizinischer Fachbegriff: arterielle Hypertonie), in den Arteriengefässen steigt der Druck permanent auf über 90 mmHg (diastolisch) oder über 140 mmHg (systolisch)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bauen auf dem metabolischen Syndrom auf, das zumeist in Abhängigkeit von Insulinresistenz oder einem bestimmten Lebensstil diagnostiziert wird
Fettstoffwechselstörungen, die für 'falsches' und übermässiges Ablagern von Fett(säur)en verantwortlich sind, gekennzeichnet durch erhöhten Cholesterin- oder Triglyceridspiegel
Schlafapnoe-Syndrom, im Schlaf nach Luft schnappen, darob erwachen und zuwenig regenerieren
Gallenblasenerkrankungen
Gicht oder Arthrose
Diabetes Typ 2, auch Altersdiabetes oder umgangssprachlich 'Zuckerkrankheit' genannt. Bei Diabetes mellitus (oder Typ 2) sammelt sich zu viel Zucker im Blut und wird dann regelmässig auch über den Urin ausgeschieden
Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, führen nach starken Beschwerden oft auch zu operativ korrigierenden oder stützenden Eingriffen
Arteriosklerose,die umgangssprachliche Arterienverkalkung oder -verhärtung zeichnet sich durch Blutfett- oder Bindegewebe-Ablagerungen aus
Reflux,eine entzündliche Erkrankung der Speiseröhre nach vielem und überaus starkem Sodbrennen

Erhöhte Risiken bestehen auch für...
Schlaganfälle
Herzinfarkte

(Frühere) Demenz-Erkrankung, was nach neuen Erkenntnissen primär mit Dabetes Typ 2 zusammenhängen soll sowie mit Gewebeschund (Atropie), der sich im Gehirn, v.a. dem Frontallappen, fortsetzt

Ein weiteres Thema wären die durch das Übergewicht verursachten Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat. Am häufigsten werden dabei Hüft- oder Knieoperationen fällig.

Handkehrum haben Patienten mit Adipositas bei wenigen Krankheitsbildern sogar bessere Überlebenschancen, so etwa bei chronischem Nierenversagen, auch bei Herzinsuffizienz oder auch bei ... Diabetes Typ 2!

Autor: Reto Meisser

Fotograf: René Ruis