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17. November 2014

Blaupausen

WhatsApp blaue Haken
Die blauen Haken bei WhatsApp lösten grosse Diskussionen aus.

Was eine Farbänderung alles auslösen kann, ist erstaunlich. WhatsApp zeigt seit dem letzten Update plötzlich blaue Häkchen neben verschickten Kurzmitteilungen, Fotos oder Videos, sobald diese auf den Handybildschirmen der Empfänger abgerufen werden. Bislang bestätigte der Messenger lediglich ihre erfolgreiche Übertragung. Eine gute Sache also?

Datenschützer rufen entrüstet: «Nein!» Erstens weil man die Funktion nicht deaktivieren kann und zweitens weil gleichzeitig Datum und Uhrzeit des Abrufs gespeichert werden. So liesse sich WhatsApp praktisch als Überwachsungsinstrument einsetzen. Die Befürchtung: «Ab sofort weiss der ganze Freundeskreis, wer mitten in der Nacht das Handy in die Hand genommen hat.» Das stimmt so natürlich nicht. Jeder kann WhatsApp starten, ohne sich bei irgendwem zu verraten. Die Häkchen bei den Absendern nehmen die neue Farbe erst an, wenn die entsprechende Chat-Unterhaltung geöffnet wird. Perfid sind nur Gruppenchats. Dort kann jeder haargenau verfolgen, wer seine Nachrichten zu welchem Zeitpunkt gelesen hat. Aber auch hier gilt: Wer nicht klickt, bleibt unentdeckt. Weil es WhatsApp den Nutzern überlässt, wem sie ihre Aktivität verraten, ist die Änderung unproblematisch. Trotzdem soll die Aktivierung mit dem nächsten Update freiwillig werden.

So oder so darf man die neu gewonnenen Informationen nicht missbrauchen und sollte sie verantwortungsvoll nutzen. Ständig beim Empfänger nachfragen und ihn zu einer Antwort drängen ist tabu.

Autor: Reto Vogt