Archiv
08. September 2014

Bitte melde dich: Gesucht und gefunden

Wiedersehen macht Freude – meistens. Ob Weggefährten aus alten Zeiten, ehemalige Lehrlingskollegen oder Schulschätze.

Wer sich nach Jahren oder Jahrzehnten wieder begegnet, hat sich viel zu erzählen. Aber manchmal nicht nur Gutes. Und manche wollen gar nicht erst wiedergefunden werden.

Gefunden und fast wieder verloren

Gesucht wurde dringend: Helga Maier*
Von: Claudia Schindler*
Bekannte seit: Sandkastenzeiten

Ganze zehn Jahre lang suchte Claudia Schindler* ihre ehemalige beste Freundin Helga Maier*. Als Mädchen hatten die beiden den Sandkasten geteilt, später viele Erlebnisse. «Ich vermisse dich» schrieb Claudia Schindler noch im September 2012 unter «Bitte melde dich». Das ersehnte Wiedersehen war aber alles andere als glücklich. Erst stellte Claudia Schindler fest, dass ihre Freundin in der Vergangenheit nicht immer die Wahrheit gesagt hatte. Dann erlitt Helga Maier einen Herzinfarkt sowie einen Hirnschlag und muss jetzt wieder neu sprechen lernen. Claudia Schindler sagt: «Ich bete für sie.»

Grüsse aus Down Under

Gesucht wurde: Daniela Mahler*, Bern
Von: Esther Petermann*, Australien
Bekannte seit: 1967

Im November 2013 suchte Esther Petermann*, eine Schweizerin in Australien, über «Bitte melde dich» ihre ehemalige Arbeitskollegin Daniela Mahler aus Bern. Tatsächlich meldete sich Daniela Mahler, und seither sind die beiden Damen in regem Kontakt miteinander – wenigstens virtuell. Ein reales Treffen ist für den Herbst fest geplant: Dann weilt Esther Petermann nämlich wieder mal in der Schweiz.

Kibbuzfreunde für immer

Gesucht wurden: Kibbuzfreunde aus Matzuva, Israel
Von: Jolanda Berchtold
Bekannte seit: 1971

1971 wars, und die halbe Schweiz zog es nach Israel, in einen der viele Kibbuzim. Aufbruchstimmung herrschte, Gleichgesinnte wurden «Chaverim» – und blieben es. Solche Weggefährten von damals suchte Jolanda Berchtold im Dezember 2012 im Migros-Magazin – und sie fand mehr, als sie suchte. «Es haben sich noch andere Ehemalige gemeldet», schrieb Jolanda Berchtold begeistert dem Migros-Magazin. «Wir erlebten ein sehr schönes Treffen nach über 40 Jahren!» Und sie weiss: Fortsetzung folgt.

Doppelter Sucherfolg

Gesucht wurde: Iris Käslin
Von: Franziska Gerber
Bekannte seit: 25 Jahren

20 Jahre Freundschaft, dann eine Meinungsverschiedenheit: Der Kontakt zwischen Iris Käslin und Franziska Gerber brach vor fünf Jahren abrupt ab. Diesen Winter fasste sich Franziska Gerber ein Herz. «Ich kann Iris nicht vergessen», schrieb sie in ihrer «Bitte melde dich»-Anzeige. Dann meldete sich – ein weiterer Freund von Iris Käslin. Auch er suchte die verschollene Freundin. Als Nächstes fand sich eine alte Agenda mit der Telefonnummer der Gesuchten. Das Happy End: Iris Käslin hat wieder Kontakt zu zwei verloren geglaubten Freunden.

Cousine, verzweifelt gesucht

Gesucht wurde: Verena Kübli
Von: Cousine Rita Odermatt
Bekannte seit: über 60 Jahren

Zwei Mal inserierte Rita Odermatt unter «Bitte melde dich», beim zweiten Mal hats geklappt: Die Tochter der gesuchten Cousine meldete sich per E-Mail. Inzwischen haben sich die Cousinen wieder getroffen. «Es war ein amüsantes, sympathisches Wiedersehen», schreibt Rita Odermatt. Und man werde sich in Zukunft sicher wieder öfter sehen.

Ernüchternder Sucherfolg

Gesucht wurde: Maria Niederberger
Von: Peter Bachmann
Bekannte seit: 1957

Der schüchterne Stift Peter Bachmann und die Haushaltlehrtochter Maria Niederberger verliebten sich 1957 ineinander. Dann tauchte die Angebetete plötzlich unter. Ganze 55 Jahre später hat Peter Bachmann mit Hilfe von «Bitte melde dich» seine Maria wieder gefunden. Was für ein Erfolg! Und was für eine Enttäuschung! Es stellte sich heraus, dass Maria gar nicht Maria hiess, es mit Peter nie ernst gemeint hatte und damals während des Techtelmechtels mit ihm bereits schwanger war. Dass ihr der ehemalige Schatz auf die Schliche gekommen war, ärgerte die Frau sehr. Und Peter Bachmann? Er musste feststellen, auch in seinem Alter von über 70 Jahren sei man noch verletzlich.

Da warens nur noch drei

Gesucht: Zwei Bandmitglieder
Von: Herbert Knüsel
Bekannte seit: den 60er-Jahren

Seine vier Lehrlingskollegen, die gleichzeitig mit ihm in einer Band gespielt hatten, suchte Herbert Knüsel im Migros-Magazin vom Oktober 2011. Alle vier wurden gefunden, sogar ein kleiner Auftritt kam zustande – wenn auch nur in einer Dreierformation. Weitere Kleinkonzerte sollten folgen, doch Krankheiten und Umzüge haben das vorläufig unmöglich gemacht. Nur eins ist sicher: Die Bandmitglieder wollen sich wieder treffen, auch ohne Musik.

Fotograf inklusive Fotos gefunden

Gesucht: Fotograf Hubert Gross und Christine Oberholzer
Von: Sonja Cathomen, Enkelin von Gion Cathomen.
Bekannte seit: 1964

Gion Cathomen auf dem Feld, bei der Arbeit, mit seiner Mutter: Viele Fotos sind in den Sommern 1964 und 1965 in Graubünden entstanden, geschossen von Hubert Gross. Leider hat Gion Cathomen die Bilder jahrelang nicht zu Gesicht bekommen – bis seine Enkelin Sonja im November 2012 über «Bitte melde dich» den Fotografen aus dem Unterland ausfindig machen konnte. Die Fotos sind inzwischen im Bündnerland angekommen, mit dem Fotografen ist zumindest ein telefonischer Kontakt zustande gekommen. Besonders schön: «Viele haben sich am Montag nach der Veröffentlichung der Zeitung bei uns gemeldet», sagt Sonja Cathomen. Einige kannten die Feriengäste von damals oder ihren Sohn persönlich.

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

Autor: Yvette Hettinger