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09. Dezember 2013

Bisi-Gaggi

Der Toilettengang der Kinder ist ein grosses Thema
Der Toilettengang der Kinder ist ein grosses Thema (Bild: Getty Images).

Der Satz, den Zwei- und Dreijährige am häufigsten hören, lautet: «Muesch du Bisi mache?» (Der Zweithäufigste analog dazu: «Muesch gaggele?») Das behaupte ich zumindest, ein Erfahrungswert sozusagen. Wenn der kleine Mensch Pech hat, dann nerven ihn nicht nur Mami und Papi, sondern auch noch die Verwandten und sogar die Spielgruppentante mit dem Bisi-Gaggi-Thema.

Dabei ist den Grossen immer nur eine Sache wichtig: Das Geschäft muss zielsicher im WC landen – und nicht vor der Supermarktkasse oder im Autositz. Und genau an dem Punkt kommt es immer wieder zu Missverständnissen zwischen den Generationen. Dreijährige verstehen nicht wirklich, warum das bisschen Pipi oder das kleine Gaggi so wichtig sein soll. Ich will jetzt nicht behaupten, dass in meiner Familie alles anders gelaufen ist. Das nicht. Ich war auch eine dieser Chefurologinnen-Chefproktologinnen, die nur darauf warten, dass ein Kind die Beine verdächtig zusammenkneift. Dialoge wie dieser waren bei uns lange an der Tagesordnung:

«Eva, musst du ‚bisle‘?»
«Nöö.»
«Sicher?»
«Ja!»
«Frag doch mal deinen Bauch!»
«Bau-auch, musst du ‚bisle‘?»
Eva verstellt ihre Stimme und brummt: «Nei-ein.»
«Und? Was meint er?»
«Er sagt, dass er nicht muss.»
«Sicher? Komm, setz dich doch geschwind aufs WC.»
«Ich will aber nicht.»
«Aber du hast schon stundenlang kein Bisi mehr gemacht, vielleicht irrt sich dein Bauch.»
Eva schüttelt trotzig den Kopf: «Wenn er Nein sagt, dann sagt er Nein, Mami.»
«Hast du ihn schon nach einem Gaggi gefragt?»

Irgendwann war mir der ganze Ausscheidungszirkus zu doof. Nein, streichen Sie «doof», «anstrengend» passt besser. Deswegen wechselte ich die Strategie und konzentrierte mich nun verstärkt auf die Ergebnisse und nicht nur auf den reinen Vorgang. Immer, wenn die Kinder etwas «geleistet» hatten, versammelten wir uns um die WC-Schüssel und bewunderten die Werke. Wir sprachen über Farbe, Menge (Riese-Bisi!), Konsistenz und Form. (Hey, Sie machen das doch auch, wenn Ihr Kind etwas Schaurig-Schönes gebastelt hat, oder etwa nicht?). Jedenfalls führte das zumindest bei uns dazu, dass viel mehr gelacht wurde. Ausserdem sassen die Kleinen öfter auf der Klobrille, und zwar regelmässig und ohne Extraeinladung. Zumindest einmal stiess ich mit der neuen Strategie allerdings an meine Grenzen. Eines Tages ermutigte meine Kleine nämlich ihre Freundin, bei uns ein grosses Geschäft zu erledigen.

«Dänn chunnt es Mami und säit, obs es Chugel-Gaggi oder es Würschtli isch …»

Buchtipp: Wenn Sie ab sofort auch unverkrampfter mit Bisi und Gaggi umgehen wollen, hilft Ihnen das wunderbare Bilderbuch «So ein Kack!» mit Sicherheit. Dort geht es seitenweise nur um Pipi, Pupse und Würstchen. (War ja klar, dass die Autorin aus Skandinavien kommt – die sind da oben alle total enthemmt.)
Pernilla Stalfelt: «So ein Kack!», ISBN 978-3895651694

Autor: Bettina Leinenbach