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19. September 2016

Bio heisst nicht sanft

Kosmetikprodukte mit natürlichen Inhaltsstoffen sind gefragter denn je. Doch die vermeintlich sanfte Natur ist nicht immer besser als Chemie.

Gurkenmaske
Bei der Schönheitspflege setzen viele auf «Grün» (Bilder: lightwavemedia / depositphotos).

Wilde Karotten, skandinavischer Honig oder geräuchertes Soja: Das sind nicht etwa Zutaten für ein exotisches Mittagessen, sondern Inhaltsstoffe vieler Kosmetika. «Organic Cosmetic», also Naturkosmetik, ist die Alternative zur chemischen Schönheitspflege. Und je exotischer ein Produkt dabei klingt, desto erfolgreicher verkauft es sich. Gemäss dem Schweizer ­Kosmetik- und Waschmittelverband belief sich der Umsatz bei Kosmetika in der Schweiz 2015 auf etwas mehr als zwei Milliarden Franken. Rund ein Drittel ­machten Naturkosmetika aus – Tendenz steigend.

Kein Segment ist in den vergangenen fünf Jahren so stark gewachsen wie das der Biokosmetik. Doch Naturkosmetik lebt auch von vielen Mythen. Mit Vorteil informiert man sich also genau. Denn nicht immer ist die vermeintlich sanfte Natur in jedem Fall besser als Chemie. Viele Eigenschaften, die Frauen an ihren Pflegeprodukten so schätzen, basieren nun mal auf simplen chemischen Prozessen: Shampoo schäumt, weil zumindest teilsynthetische Stoffe zum Einsatz kommen; der Lippenstift haftet so gut, weil er mit silikonähnlichen synthetischen Verbindungen versetzt ist.

Allergene sind keine Seltenheit

Im Juni 2014 untersuchte das deutsche Magazin «Ökotest» letztmals über 60 Produkte aus der ganzen Welt. Das Ergebnis war eher ­ernüchternd: Bei vielen hippen Organic-Marken fand man allergene Konservierungsstoffe – bei einigen sogar Formaldehyd, das gemeinhin als krebserregend gilt. Zudem schnitten die günstigeren Warenhausprodukte besser ab als überteuerte in Concept-Stores angebotene Organic-Kosmetik.

Laut der sogenannten europäischen Kosmetikrichtlinie müssen die Inhaltsstoffe auf der Verpackung in absteigender Reihenfolge entsprechend der Konzentration aufgelistet werden. Das heisst: Je weiter vorne ein Naturzusatzstoff auf der Liste auftaucht, desto grösser ist dessen Mengenanteil. Immerhin eine kleine Orientierungshilfe, wenn man sichergehen möchte, dass man mit einem Produkt auch wirklich viel Natur mitkauft.

Autor: Martina Bortolani