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09. Februar 2015

Binia Feltscher: «Ich mag weder Kälte noch Hallen»

Erst WM-, dann EM-Gold: 2014 war für Binia Feltscher, Skip des Curling-Teams Flims, ein Superjahr. An den Schweizer Meisterschaften will die zweifache Mutter das Ticket für Sapporo holen, um dort ihren WM-Titel zu verteidigen. Damit das klappt, trägt sie bei jedem Spiel die gleichen Socken.

Meine drei Wirbelwinde
Meine drei Wirbelwinde: «Tochter Mea (3), Sohn Cla (5) und Foxterrier Iera geben gern Gas. Bin ich unterwegs, übernehmen auch Retos Eltern viel: Als Werkmeister von Flims ist mein Mann wegen Schneeräumung nicht so flexibel.»
Binia Feltscher-Beeli
Binia Feltscher-Beeli

Name: Binia Feltscher-Beeli (36)

Sternzeichen: Waage

Wohnort: Flims GR

Warum leben Sie in Flims?

Ich bin eine Ureingesessene wie auch mein Mann Reto (36), der aus Trin, einem Dorf nach Flims, stammt. Mein Vater und meine Schwester wohnen gleich nebenan, das macht es sehr viel einfacher, Spitzensport und Familie unter einen Hut zu bringen.

Beruf und Lebenslauf:

Skip des Curlingteams Flims und Familienfrau. Nach der Lehre zur Vermessungszeichnerin bin ich über ein Praktikum und Zusatzausbildungen in der Marketingbranche gelandet. Heute bin ich zu 100 Prozent Familienfrau – wenn ich nicht gerade auf dem Eis stehe. Zum Curling bin ich mit elf Jahren via meinen Vater Gaudenz Beeli gekommen.

Meine grössten sportlichen Erfolge:

WM-Gold in Kanada, dann EM-Gold in der Schweiz – 2014 war der Hammer! Damit sind wir erst das fünfte Team, das im gleichen Jahr beide Titel geholt hat. Weitere Highlights waren Silber an den Olympischen Winterspielen 2006 und an den EM 2004 und 2005. An den Schweizer Meisterschaften dieses Wochenende in Schaffhausen wird sich nun weisen, ob wir im März unseren WM-Titel in Sapporo verteidigen dürfen.

Was ich mag:

Sport im Allgemeinen, aber möglichst im Freien: Skifahren, Bergsteigen, Wandern. Raviuls da Trin, Birnenravioli, eine Spezialität meiner Schwiegermutter. Ausschlafen. Und im Sommer Gärtnern.

Was ich nicht mag:

Heute Kanada, morgen Japan: Die Zeitverschiebung macht mir zu schaffen. Kälte mag ich ebenfalls nicht. Und Hallen schon gar nicht – etwas seltsam für eine Curlerin, ich weiss.

Mein Lieblingsprodukt
Mein Lieblingsprodukt

MEIN LIEBLINGSPRODUKT: Die Honigbutter der Migros ist äusserst effizient: Man muss das Brötli nur einmal streichen.

Was ich an mir mag:

Ich lass mich nicht runterziehen, wenns mal schiefläuft: Mit etwas Galgenhumor lässt sich (fast) alles überstehen.

Was ich an mir nicht mag:

Ich habe überhaupt kein Sprachtalent: Wer ein Interview auf Englisch will, wende sich bitte an meine Teamkolleginnen.

MEIN ZEITVERTREIB
MEIN ZEITVERTREIB

MEIN ZEITVERTREIB: Rund um die Turniere ist häufig Warten angesagt. Häkeln ist da ein gäbiger Zeitvertrieb. Ich häkle ausschliesslich Kappen. Meine Freude sagen immer, ich soll ein Label gründen. «Biniamade» gibts aber nur von mir geschenkt.

Mein Vorbild:

Anette Norberg, ehemaliger Skip der Schweden und zweifache Olympiasiegerin. Sie und ihr Team haben uns zwei Mal an einer EM und ein Mal an Olympia geschlagen. Ähnlich wie ich wusste sie immer irgendwie, Familie und Sport unter einen Hut zu bringen.

Mein Traum:

Als Juniorin war mein grösster Traum, Schweizer Meisterin zu werden. Heute bin ich so weit, dass ein Turnier auch mal voll in die Hose gehen darf – die gute Laune lässt sich unser Team dadurch nicht (mehr) verderben.

Meine Trophäe
Meine Trophäe

MEINE TROPHÄE: Der Kanton Graubünden hat allen Teammitgliedern zum WM-Titel ein Steinbockgehörn geschenkt. Ich stamme aus einer Jägerfamilie, kenne das also. Witzigerweise haben aber auch die anderen ihren Bock zu Hause an die Wand gehängt.

Mein Beinahe-Rücktritt:

Nach einer verpatzten EM 2011 habe ich den Mädels gesagt, es wäre Zeit für mich zurückzutreten. Als sie keinen Ersatz-Skip fanden und versprachen, alles ein bisschen «gmüatlicher» angehen zu wollen, war ich geblieben. Mein Rücktritt vom Rücktritt hat mir schlussendlich WM- und EM-Gold beschert. So viel zu «gmüatlicher!».

Meine Mitbringsel
Meine Mitbringsel

MEINE MITBRINGSEL: Ich muss den Kindern von den Turnieren immer etwas mitbringen. Da mir vor Ort meist keine Zeit zum Shoppen bleibt, habe ich zu Hause einen Notvorrat: für Mea Puppenhausmöbel und für Cla ein weiteres Teil für seine Lego­Feuerwehrstation.

Mein Glücksbringer:

«Ich bin nicht abergläubisch. Doch solange wir gewinnen, bestreite ich ein Turnier jeweils in den gleichen Socken. Am WM-Final in Kanada hatte ich sie im Hotel vergessen, worauf mir eine Kollegin ein Paar leihen musste. Wir sind trotzdem Weltmeister geworden.»

Autor: Almut Berger

Fotograf: Samuel Trümpy