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15. Juli 2013

Bildung: Ohne Schule ins Leben

Bildung ist ein Menschenrecht. Trotzdem gehen laut dem neuesten Unicef-Report noch immer 123 Millionen Kinder nicht zur Schule. Ein Problem, das alle etwas angeht.

Strassenkinder in einem Slumgebiet
Armut, Unterdrückung, fehlende Möglichkeiten: Gründe, weshalb so viele Kinder nie eine Schule sehen. (Bild: Keystone)

Das kann und muss geändert werden, fordern Experten, darunter auch Andreas Herbst (58), Geschäftsführer des unabhängigen Kinderhilfswerks Plan Schweiz. Betroffen seien vor allem Mädchen, sagt er: «Das liegt daran, dass viele Familien es sich nicht leisten können, alle Kinder zur Schule zu schicken. Also bleiben die Mädchen oft daheim, wo sie im Haushalt helfen müssen.» Verheerend sei auch, dass viele Mädchen viel zu früh verheiratet würden, statt zur Schule zu gehen. «So entsteht ein Teufelskreis, denn die ungebildeten Mütter schicken ihre Kinder dann meist auch nicht zur Schule.» Darum ist es enorm wichtig, dass Kinder in den Schulen nicht nur rechnen und schreiben lernen, sondern auch praktisches Wissen und Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt bekommen. Denn erst wenn Eltern einen direkten Zusammenhang zwischen Schulbildung und Erwerb sehen, unterstützen sie die Schule.

Mädchenprojekte sind am erfolgversprechendsten

Fehlender Zugang zu Schulbildung ist teils auch gewollt, denn ungebildete Bürger sind einfacher zu regieren als gebildete. So sind vielerorts die Hürden für Schulprojekte gross, besonders für Minderheiten. Andreas Herbst ist dennoch zuversichtlich für die Zukunft der Kinder: «Hilfswerke müssen hartnäckig dranbleiben und Geduld haben.» Vor allem ermutigt er alle, sich zu engagieren und mitverantwortlich zu fühlen: «Wir sind längst eine Weltgemeinschaft geworden. Es geht uns alle etwas an, was in der Welt passiert, und wir müssen mithelfen. Am erfolgversprechendsten sind erfahrungsgemäss Projekte zur Mädchenförderung. Es lohnt sich, sorgfältig eines oder zwei auszusuchen und diese dann treu zu unterstützen.» Eine solche Konstanz helfe, die Spendengelder effizient einzusetzen.

Ein anderes wichtiges Anliegen nennt Andreas Herbst: «Wir müssen den Kindern mehr Mitspracherecht geben und ihnen zuhören, wenn sie sagen, was sie brauchen.»

www.plan-schweiz.ch

Autor: Andrea Fischer