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12. Oktober 2015

Big Dad is watching you

Babyfon war gestern. Heutige Eltern stellen eine Kamera ins Kinderzimmer, die filmt, zuhört, Schlaflieder spielt und die Luftqualität misst. Bringt es das?

Überwachungskamera Withings Home
Die Überwachungskamera Withings Home lässt sich ganz einfach per Handy steuern.

Frischgebackene Eltern sind ständig in Sorge: Geht es den Kindern gut? Schlafen sie ruhig, oder fühlen sie sich gestresst? Und kaum hat man sich aufs Sofa gesetzt und endlich eine gute Flasche Wein entkorkt, ertönt das nächste Geräusch aus dem Kinderzimmer – oder wars nur eine akustische Täuschung?

Wer die Überwachungskamera Withings Home aufstellt, kann entspannt sitzen bleiben. Erfasst sie Bewegungen oder Geräusche, schickt sie eine Meldung an gekoppelte iPhones (Android wird derzeit nicht unterstützt) und erlaubt einen direkten Blick ins Kinderzimmer. Die Qualität der Bilder ist gut – auch nachts. Zudem bewertet die tennisballgrosse Kamera die Luftqualität im Raum und bietet klassische Babyfon-Funktionen: Übers Handy lässt sich das Nachtlicht anstellen, lassen sich Schlaflieder abspielen.

Die Installation geht leicht von der Hand. Zuerst muss eine App des Herstellers geladen und ein kostenloses Benutzerkonto erstellt werden. Anschliessend lässt sich die Kamera via Bluetooth mit dem Smartphone koppeln und entweder via Wi-Fi oder Netzwerkkabel ins heimische Netzwerk einbinden. Das erlaubt es, auch von unterwegs auf sämtliche Kamerafunktionen zuzugreifen.

Zugriff auf gespeicherte Bilder

Anders als bei Konkurrenzgeräten wie D-Links Home Monitor lassen sich jedoch nicht nur Livebilder abrufen. Die Withings Home bietet Zugriff auf Bilder, die ihre Kamera die letzten zwei Tage erfasst hat. Doch anstatt diese Funktion deaktivieren zu können, lässt sich die Speicherung der Aufzeichnungen für umgerechnet 8 beziehungsweise 20 Franken im Monat sogar auf eine Woche oder einen Monat erweitern. Weil aber dabei die ­Daten nicht auf einer Speicher­karte in der Kamera – das wäre technisch problemlos möglich –, sondern auf Servern des Herstellers landen, ist die Funktion datenschutztechnisch bedenklich. Warum? Weil es immer ein Risiko ist, die Kontrolle über seine Daten aus der Hand zu geben.

Wer die Aufzeichnung verhindern will, muss die Kamera vom Strom trennen. Auch um ein Nachtlicht einzuschalten oder Schlaflieder abzuspielen, brauchen Eltern keine technische Hilfe. Withings Home ist vielmehr ein Instrument für Vater oder Mutter, um vom Arbeitsplatz aus daheim «reinzuschauen». Dabei findet möglicherweise auch die Idee Anklang, das Baby via Mikrofon die eigene Stimme hören zu lassen.

Die Kamera Withings Home ist bei Digitec.ch für 212 Franken erhältlich.

Autor: Reto Vogt