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30. Juli 2012

Bewegt durchs Leben

Bewegung tut gut. Und zwar Körper, Geist und Seele. Doch nicht jede Sportart ist für jeden geeignet. Sportarzt Stefan Sannwald gibt Tipps, welcher Sport zu welcher Lebensphase passt und was dabei zu beachten ist.

Bewegt durchs Leben
Von regelmässiger Bewegung profitieren Körper, Geist und Seele. (Bild: Getty Images)

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Unser Körper muss bewegt werden, damit Muskeln und Knochen leistungsfähig bleiben. Ob Gartenarbeit, zu Fuss zur Arbeit gehen oder gezieltes Training – wer sich bewegt, senkt das Risiko zahlreicher Krankheiten. «Bewegung schützt vor Übergewicht, senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Brust und Darmkrebs, Diabetes mellitus Typ 2, Osteoporose und wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus», weiss Sportarzt Stefan Sannwald. Sport wirkt aber nicht nur auf die Gesundheit positiv, sondern macht auch glücklich: Schon nach 30 Minuten leichtem Sport werden die berühmten Glücklichmacher, die Endorphine, vermehrt ausgeschüttet. Sportliche Menschen haben zudem eine bessere Körperhaltung und ein besseres Körpergefühl. Das steigert das Selbstvertrauen, und wer sich gut fühlt und sich selbst schön findet, wirkt auch auf andere Menschen positiv. Es ist zudem erwiesen, dass sich sportliche Betätigung positiv auf die Konzentration auswirkt.

Stefan Sannwald, Sportmediziner und Leiter von Medbase Zürich.
Stefan Sannwald, Sportmediziner und Leiter von Medbase Zürich.

Nun, welcher Sport solls denn sein? Sannwald rät: «Wählen Sie eine Sportart aus, die Ihnen Freude macht. Denn nur was Spass macht, werden Sie über längere Zeit aufrechterhalten.» Lesen Sie oben seine Empfehlungen, welche Sportarten für welchen Lebensabschnitt am besten geeignet sind und auf was zu achten ist.Text: Anna-Katharina Ris


Kinder üben

Kinder sollten verschiedenste Sportarten ausprobieren und dabei abwechslungsreich und spielerisch «trainieren». (Bild: F1online)
Kinder sollten verschiedenste Sportarten ausprobieren und dabei abwechslungsreich und spielerisch «trainieren». (Bild: F1online)

Zu beachten: Die Freude am Bewegen wecken, nicht unter Druck setzen. Kinder sind sehr beweglich und lernen Bewegungsabläufe besonders schnell. Die Kindheit ist ideal für das Training der Koordination. Am besten verschiedenste Sportarten ausprobieren und dabei abwechslungsreich und spielerisch «trainieren».

Zu empfehlen: Keine Einschränkungen, solange die Freude im Vordergrund ist. Alle spielerischen Sportarten (z. B. Ballsport), Velo fahren, Schwimmen, Geräteturnen usw. Kinder üben dabei den Umgang mit Gleichaltrigen und lernen Konkurrenzsituationen kennen.


Jugendliche bauen Knochen auf

Die Freude an der Bewegung sollte im Jugendalter im Vordergrund stehen. (Bild: Getty Images/Britt Erlanson)
Die Freude an der Bewegung sollte im Jugendalter im Vordergrund stehen. (Bild: Getty Images/Britt Erlanson)

Zu beachten: Im Vordergrund steht die Freude an der Bewegung aufrechtzuerhalten. Im Jugendalter ist der Körper besonders aktiv im Aufbau der Knochendichte. Eine regelmässige Bewegung oder sportliche Betätigung in dieser Lebensphase unterstützt den Knochenaufbau und ist deshalb besonders wichtig. Aber Achtung: Es finden auch Wachstumsschübe statt. Dabei sind die Wachstumsgeschwindigkeiten von verschiedenen Geweben unterschiedlich (insbesondere Sehnen und Knochen), was zu Schmerzen an den Sehnenansätzen führen kann. Zudem sind die hormonellen Veränderungen zu beachten. Deshalb gilt auch im Jugendalter kein zu einseitiges und exzessives Training.

Zu empfehlen: Teamsport motiviert. Viele Jugendliche mögen auch Sportarten, die sie mit einem gewissen Lifestyle verbinden, wie zum Beispiel Skaten, Breakdancen oder Snowboarden.


Erwachsene schützen sich

Im Erwachsenenalter steht neben den sportlichen Ambitionen vor allem die Vorsorge von Herz-Kreislauf- und weiteren Krankheiten im Vordergrund.(Bild: Getty Images/Stefan Eisend)
Im Erwachsenenalter steht neben den sportlichen Ambitionen vor allem die Vorsorge von Herz-Kreislauf- und weiteren Krankheiten im Vordergrund.(Bild: Getty Images)

Zu beachten: Erwachsene sind in der Hochblüte ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit. Der Knochenaufbau ist etwa mit dem 25. Lebensjahr abgeschlossen. Die meisten Menschen sind zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr ausdauermässig am leistungsstärksten. Im Erwachsenenalter steht neben den sportlichen Ambitionen vor allem die Vorsorge von Herz-Kreislauf- und weiteren Krankheiten im Vordergrund. Dabei scheint gemäss den aktuellen Studien ein moderates Ausdauertraining am besten zu sein.

Zu empfehlen: Gesunde Erwachsene können alle Sportarten betreiben. Wer nach dem Sport Schmerzen verspürt, sollte die Intensität zurückschrauben und sich bei weiterbestehenden Schmerzen beim Sportmediziner abklären lassen. Es gibt Körperformen und -haltungen, die für gewisse Sportarten nicht geeignet sind und zuerst trainiert oder allenfalls korrigiert werden müssen. Wichtig ist für alle Erwachsenen: Wer einen sportlichen Neuanfang macht, sollte langsam beginnen und die Belastung Schritt für Schritt steigern.

Übergewichtige Menschen sollten auf Jogging und ähnlich gelenkbelastende Sportarten verzichten. Ideale Sportarten wären Nordic Walking, Schwimmen, Velo fahren oder klassischer Skilanglauf.


Senioren bleiben fitter

Im Alter geht es darum, die Knochen- und Muskelmasse aufrecht zu erhalten. (Bild: Getty Images)
Im Alter geht es darum, die Knochen- und Muskelmasse aufrecht zu erhalten. (Bild: Getty Images)

Zu beachten: Der menschliche Körper baut ab. Deshalb geht es im Alter nicht mehr darum, Leistungssport zu betreiben, sondern die Knochen- und Muskelmasse so zu erhalten, dass tägliche Bewegungsabläufe wie Treppensteigen oder Haushalten nicht zu Unfällen und Verletzungen führen.

Zu empfehlen: Schonende Bewegungsabläufe wie tägliche Spaziergänge an der frischen Luft, kräftigende und koordinative Übungen (Heimprogramm oder im Fitnesscenter). Zudem Nordic Walking, Schwimmen, Aquafit und Skilanglauf. Wichtig ist die Regelmässigkeit, mindestens dreimal pro Woche.