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03. Februar 2014

Betreuung dementer Eltern: worauf achten?

Speziell wenn Eltern dement werden, fallen erhebliche Pflegekosten an. Es gibt jedoch Anlaufstellen, die bei der Finanzierung helfen. Plus: Rechte und Pflichten für Angehörige, die nützlichen Links und ein Film zum Thema.

Bezug und Aufwand von externer Pflege sollte rechtzeitig geplant werden
Bezug und Aufwand von externer Pflege sollte rechtzeitig geplant werden. (Bild Tina Steinauer)

Angehörige übernehmen bei demenzkranken Verwandten eine zentrale Rolle. Sie nehmen ihnen Aufgaben ab, um die sich diese nicht mehr selbständig kümmern können, sprechen mit Ärzten und organisieren die notwendigen Betreuungsdienste. Doch wie können sich Kinder oder Ehepartner auf die neue Situation vorbereiten? Die Schweizerische Alzheimervereinigung empfiehlt:

A. Personen mit Demenzdiagnose überlegen sich rechtzeitig, wie sie die finanziellen und administrativen Angelegenheiten regeln möchten und wer sie vertreten soll.

B. Angehörige sprechen ihre Ehepartnerin oder ihren Ehepartner bzw. den Elternteil auf das Problem an.

C. Betroffene bekräftigen ihren Willen mit einem Vorsorgeauftrag, der von Hand geschrieben, datiert und signiert ist. Dieser tritt erst in Kraft, wenn die Person urteilsunfähig wird.
SCHON ZU SPÄT?
Wenn kein Vorsorgeauftrag besteht oder es schon zu spät ist, einen rechtskräftigen Willen aufzusetzen, regelt seit dem 1. Januar 2013 das neue Erwachsenenschutzrecht, auf wen sich Rechte und Pflichten übertragen. An erster und zweiter Stelle folgen Personen, die im gleichen Haushalt leben – an dritter die Nachkommen und anschliessend Eltern sowie Geschwister.

Wenn Mutter oder Vater dement werden oder aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr kommunizieren können, müssen ihre Kinder oft schwierige Entscheidungen treffen. Wie lange sollen lebenserhaltende Massnahmen zum Einsatz kommen? Was soll mit dem Haus passieren? Sollen nach dem Tod die Organe für eine Spende zur Verfügung stehen oder nicht? Das neue Erwachsenenschutzrecht stärkt die Rechte der Angehörigen. Je besser Söhne und Töcher wissen, was ihre Eltern gewollt hätten, desto einfacher fällt ihnen diese anspruchsvolle Aufgabe.

Das neue Gesetz stärkt zudem den Schutz von urteilsunfähigen Personen in Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Insbesondere sind sie, wenn freiheitseinschränkende Massnahmen angeordnet werden, beispielsweise die Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung, rechtlich besser geschützt. Ausserdem kann die Erwachsenenschutzbehörde einschreiten, wenn die Interessen der urteilsunfähigen Person gefährdet sind.
WER BEZAHLT WAS?
Bei der Finanzierung der Pflege von Demenzkranken ist es entscheidend, ob sich Angehörige für eine Pflege daheim oder im Heim entscheiden.

Pflege zu Hause: Wer sich entscheidet, die Pflege seiner Eltern selber in die Hand zu nehmen, riskiert oft erhebliche finanzielle Einbussen. Lohneinbussen, aber auch Lücken in der Altersvorsorge. Abgestimmt auf die persönliche Situation bestehen verschiedene Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu beantragen:

Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV und IV helfen dort, wo die Renten und das Einkommen die minimalen Lebenskosten nicht decken. Sie werden dann ausgerichtet, wenn die gesetzlich anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Auf Ergänzungsleistungen besteht ein rechtlicher Anspruch, sofern die im Gesetz genannten allgemeinen Voraussetzungen wie beispielsweise Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in der Schweiz, erfüllt sind. Die Ergänzungsleistungen setzen sich aus den jährlichen Leistungen, die monatlich ausbezahlt werden, und der Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten zusammen.

Reduzieren Kinder von Eltern, die Ergänzungsleistungen beziehen, ihr Arbeitspensum, ist im Rahmen der «Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten» ein Antrag auf Ersatz des Lohnausfalls möglich. Mit dieser Vergütung kann die pflegebedürftige Person ihre Angehörigen anstellen. Voraussetzungen und Höhe der Entschädigung sind kantonal geregelt.
Ebenfalls kantonal geregelt ist eine allfällige Pauschalentschädigung an pflegende Angehörige. In einigen Kantonen gibt es unter gewissen Bedingungen einen Frankenbetrag pro Pflegetag.

Übernimmt eine verwandte Person die Pflege eines Angehörigen, kann sie unter klar definierten Bedingungen Betreuungsgutschriften beantragen. Dabei handelt es sich um fiktive Beträge, die dem individuellen AHV-Konto der pflegenden Person gutgeschrieben werden, bis die Maximalrente erreicht ist. Ziel ist es, zum Zeitpunkt der Rentenberechnung eine höhere Rente zu erhalten. Grundsätzlich werden Betreuungsgutschriften nur zugesprochen, wenn die pflegende und die betreute Person nicht mehr als 30 Kilometer von einander entfernt wohnen und die betreute Person pflegebedürftig ist.

Hilflosenentschädigung kann beantragen, wer bei allgemeinen Lebensverrichtungen wie beispielsweise beim Essen, beim Anziehen oder beim Aufstehen die Hilfe anderer Menschen beansprucht. Die Hilflosenentschädigung ist abhängig von der bezogenen IV- oder AHV-Leistung. Sie ist aber unabhängig von Einkommen und Vermögen.
Wer Hilflosenentschädigung der IV erhält, kann mittels eines sogenannten Assistenzbeitrags eine Person für die Unterstützung im Alltag anstellen, sofern die Voraussetzungen gegeben sind.

Pflege im Heim: Seit 2011 ist die Finanzierung der Alters- und Langzeitpflege neu geregelt. Die Kosten für die sogenannte Hotellerie und Betreuung gehen zulasten der Heimbewohner, die Pflege und die medizinische Versorgung werden auf Heimbewohnende, Krankenkasse und die öffentliche Hand verteilt. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, springt die Sozialfürsorge ein. Die Sozialberatungsstellen der Wohngemeinde beraten.
Nützliche Links

Das Rote Kreuz und Pro Senectute bieten umfassende Beratung für die Erstellung einer Patientenverfügung an.

In gewissen Gemeinden können sich pflegende Angehörige für ihren Einsatz von der Spitex anstellen lassen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrer lokalen Ausgleichskasse ( www.ausgleichskasse.ch ) oder unter www.ahv-iv.ch .
Pro Senectute bietet eine Online-EL-Berechnung .

Eine Übersicht über passende Institutionen finden Sie unter www.heiminfo.ch

Allgemeine Informationen für Angehörige von Demenzkranken: www.alz.ch Der Film zum Thema
Der Film «Zwischen Wunsch und Verpflichtung – Angehörige begleiten und pflegen» (2012) zeigt, wie Angehörige von Pflegebedürftigen im Alltag zurechtkommen. Er ist für 38 Franken erhältlich unter www.ffg-video.ch .
Der Trailer

Autor: Tanja Polli