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02. Dezember 2013

Beta-Blocker

Firmen missbrauchen die Kunden als Versuchskaninchen
Firmen missbrauchen die Kunden als Versuchskaninchen (Bild: Getty Images).

Egal ob bei Apple, HTC, Nokia, Samsung oder Sony: Jeweils kurz nach der Veröffentlichung der neusten Geräte häufen sich im Internet Klagen über aufgetretene Probleme. Seien es fehlerhafte Bildschirme, Softwareruckler oder Sicherheitslücken. Irgend was ist immer. Zu den Härtefällen gehört zwar in der Regel nur ein kleiner Prozentsatz der Kundschaft, und doch kann es jeden treffen. Grund für diese Häufung ist der Termindruck der Hersteller. Smartphones, Fernseher und Tablets müssen immer früher in den Regalen stehen. Darunter leiden die Testphasen und damit schlussendlich die Kunden. Konzerne missbrauchen diese als Betatester, Fachbegriff für Versuchskaninchen, und setzen aufs Prinzip Hoffnung: möglichst wenig negative Kommentare im Internet. Dieses Phänomen praktizierte eine Firma über lange Jahre höchst erfolgreich: Google. Der Konzern stellte seine neusten Dienste bewusst unfertig ins Internet und liess die «Community» für sich arbeiten. So sammelte der Suchmaschinengigant dank freiwilliger Mithilfe vieler Menschen haufenweise Rückmeldungen und konnte Fehler korrigieren, bevor er das Produkt offiziell lancierte. Im Gegensatz zu den Hardware-Herstellern bleibt die Nutzung der Google-Dienste für Kunden allerdings kostenlos. Wer mehrere 100 Franken hinblättert, hat Anrecht auf Perfektion! Deshalb empfiehlt sich insbesondere bei neuen Gerätetypen wie Samsungs Smartwatch, mindestens die zweite Generation abzuwarten. So entziehen sich Kunden der Betaphase und spielen nicht auf eigene Kosten Versuchskaninchen für milliardenschwere Konzerne.

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Autor: Reto Vogt