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13. Mai 2013

Berg-und-Tal-Fahrt im Kartoffelbeet

Hobbygärtnerin Almut Berger hat ihren Sohnemann überredet: Statt Pommes frites darf sie Erdöpfel anbauen – blaue! Aber schon steht der nächste Entscheid an: Anhäufeln oder nicht anhäufeln – das ist die Frage.

Gartenbeet
Almuts Garten
Blauschokker Paleerbsen
Blauschokker Paleerbsen

Nach diversen Diskussionen mit meinen beiden Männern sind die Würfel gefallen: Unser Gemüsegarten macht blau! Für meinen Herzensmann setze ich blaue Kohlräbli, dazu passen Blauschokker, eine alte, blaue Palerbsen-Sorte. Das Saatgut hatte ich mir im letzten Jahr auf dem Pflanzenmarkt von Schloss Wildegg (liegt im Kanton Aargau) wegen des witzigen Namens gekauft – und anschliessend in irgendeiner Schublade statt in der Erde verlocht.

Blau sind auch die Blauen St. Galler, eine relativ neue Kartoffelsorte, an deren Pflanzung ich mich heuer ebenfalls zum ersten Mal wagen will. Nachdem ich nämlich meinem Sohnemann klarmachen konnte, dass Pommes frites tatsächlich aus Erdöpfel sind, hat er mir nun doch grünes Licht gegeben.

Kohlrabi
Kohlrabi

Wie gesagt, mit Kartoffeln habe ich bisher nur auf dem Teller Erfahrungen gemacht. Ein Google-Schnelldurchlauf erbringt, dass sie gut gedeihen in Kombination mit Spinat, Mais, Knoblauch, Radieschen, Buschbohnen oder auch Kohl. Zur Geschmacksverbesserung bietet sich Kümmel an.

So weit, so gut. Nur steht da auch, dass die Knollen angehäufelt werden wollen. Zwar erst, wenn das Kraut rund 15 Zentimeter aus dem Boden guckt, bloss: Wie kann ich anhäufeln, wenn ich ganz im Sinne einer wachstumsfördernden Mischkultur zwischen den Kartoffelreihen gute Nachbarn ansiedle? Besagte Buschbohnen beispielsweise, da gibts nämlich auch eine blaue Sorte. Häufle ich an, befürchte ich, drohen diese unter die Räder respektive die Breithacke zu geraten.

Kommts nur gehäufelt gut?
Kommts nur gehäufelt gut?

Ein Blick in die Fachbücher erbringt keine Klärung: So spricht sich der englische Gartenguru Monty Don, dessen Buch «Genial gärtnern» mir durch den langen Winter geholfen hat, explizit fürs Anhäufeln aus: Dadurch werde verhindert, dass Licht an die Knollen gelangt, und sich das Gift Solanin entwickelt. Vor allem aber sei eine erhöhte Bodenauflage ein Schutzschild gegen die gefürchtete Kraut- und Knollenfäule.

Marie-Luise Kreuter wiederum, die deutsche Grande Dame der Biogärtner, schreibt in «Der Biogarten», dass Anhäufeln keine «Mussregel» sei. Das heisse also, ich kann, muss aber nicht. Und «nicht müssen» ist mir sowieso am liebsten, und nicht nur im Garten!

Und dann gibts ja auch noch die hübsche Redensart, wonach die dümmsten (Kartoffel-)Bauern immer die grössten Kartoffeln ernten. Mir ist also eine grandiose Ernte sicher – gehäufelt oder nicht.

Haben Sie schon einmal Kartoffeln (ob blau oder braun) angepflanzt? Wachsen Ihre Knollen mit Ausblick auf den restlichen Gemüsegarten oder topfeben? Setzen Sie auf Misch- oder Monokultur? Englisches oder deutsches Garten-Know-how? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden gleich anschliessend in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie (nach der Registration) mit Anleitungen, Tricks und einem Bild aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe auch rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger