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05. Mai 2014

Beim Barte der Propheten

Wir stellen die sechs unterschiedlichsten Barttypen vor. Haben auch Sie eine ausgefallene oder modische Gesichtsbehaarung? Senden Sie uns ein Bild an onlineredaktion@migrosmedien.ch – wir veröffentlichen die Zusendungen in Kürze. Rechts der Artikel aus dem Migros-Magazin vom 5. Mai 2014 zum unliebsamen «Damenbart».

Roger (23) aus Wichtrach
Roger (23) aus Wichtrach meint mit seiner Haarpracht. Er meint: «Der Bart steht für Männlichkeit und Individualität.» (Bild zVg)
ein Späthippie
Unverkennbar: ein Späthippie. (Bild Getty Images)
Zurückhaltender Gründervater
Eine zurückhaltendere (Bartlänge!) Version des Gründervaters-Barts. (Bild Getty Images)
ein «Gesamt-Kotelett»
Hier sieht man nicht mehr betonte Koteletten, sondern schon eher ein «Gesamt-Kotelett» ... (Bild iStockPhoto)
südeuropäische Macho-Gesichtsbehaarung
Nein, nicht Henri IV, aber die im heutigen Südeuropa verbreitete Macho-Gesichtsbehaarung. (Bild Getty Images)
Kein klassischer Spitzkinn-Bart
Kein klassischer Spitzkinn-Bart, doch auch in dieser Breite und mit dem (inkonsequenten) Haar-Unterbruch auf der Wange sehr auf Kinn und Mund ausgerichtet. (Bild Getty Images)
Faulpelz lässt es spriessen
Der Faulpelz lässt es spriessen – weniger lang, aber dafür im ganzen Gesicht: Dieser Mann hingegen steht zum Bart. (Bild iStockPhoto)
Bart tragen kommt wieder in Mode – aber welches Modell soll es denn sein?
Bart tragen kommt wieder in Mode – aber welches Modell soll es denn sein? (Bild iStockPhoto)

Vom Abraham-Lincoln-Nachahmer über Hipster-Vollbart oder Althippie zum chaotisch wachsenden Mehrtages-Stoppelfeld: Diese Bartformen mischen derzeit die Mode auf:
DER SPÄTHIPPIEAchtung, vereinzelt sieht man selbst ihn wieder, den ungezähmten Wucherbart mit Schnauz im Gedenken an gute alte 68er-Zeiten. Man hört die neckische Hymne «Let the Sunshine in» vorbeiwabern, möchte ein AKW im Neubau oder mindestens eine Kaserne besetzen, für Frieden skandieren und sich an den Händen halten – wenn, ja wenn der Wildwuchs bloss nicht derart abschreckend wäre! Vorteil: Die Sache ist äusserst pflegeleicht.

DER GRÜNDERVATERWeit trendiger geht es mit dieser Gesichtsschmuckvariante zu. Damit signalisieren in der Regel jüngere Städter und Agglos Geschichtsbewusstsein und stellen sich in eine grosse Tradition. Der Abraham-Lincoln-Bart erlebte nach dem Oscar-prämierten Film mit Daniel Day-Lewis 2013 einen ungeahnten Aufschwung. Bedingung: Der volle Bart hat einen sauberen Rand, ist stets gepflegt – genauso wie der darauf abgestimmte, in der strengeren Version mit Aufwärtszwirbel gestylte Oberlippenbart. Derart geschmücktes Ausgehvolk darf zwar nicht mehr Gesetze erlassen, für (Mode-)Regeln reichts aber allemal.
DER KOTELETT-LINKSie hatten vor einigen Jahren schon mal ein überraschendes Revival, öfters sieht man die klassischen Koteletten aktuell mit Verlauf in einen halb gestutzten, beim Kinn neu aber durchgehenden Bart. Der darf allerdings nicht die ganze Kinnpartie bedecken. Die Koteletten stehen fürs Versprechen unbegrenzter Männlichkeit, jedoch in Gesichtsmitte stets in gezähmter Form. Eine spannende Mischform aus grosszügig ins Kraut spriessender Haarpracht (auf der oberen Wangenpartie) und deren rigider Kontrolle. Ein besseres Bekenntnis zu gleichberechtigter Partnerschaft ohne Verleugnung der Biologie kann sich frau kaum denken. Wenn das Versprechen bloss eingehalten wird…
DER ITALO-MACHOEin weiterer Uraltklassiker wäre der Bart à la mode de Henri IV, der setzt sich aber in strengerer Form selten durch. Eng damit verwandt ist jedoch die zuhauf angetroffene Kreisform eines jungen Eurolateiners – oder von allen, die mit deren Lifestyle sympathisieren. Ein fast niedlicher Flaum unter der Unterlippe markiert den Mittelpunkt, darum herum sagt ein mehr angetönter Mondumriss scheu gute Nacht. Scheu? Vielleicht doch eine kleine Mogelpackung, da doch jede Frau hinter diesem Auftritt vielmehr charmantes Um-den-Finger-Wickeln, also auch eine gehörige Portion Selbstsicherheit, ja Besitzanspruch erwartet.
DAS SZENE-SPITZKINNEbenfalls regelmässig für Furore sorgt zuletzt der mehr oder weniger streng beschnittene Kinnbart. Dominierte erst eher der fast so streng wie beim Italo-Macho getrimmte Kinnbart mit bloss einigen längeren Haaren genau am Kinn, so sieht man nun ebenso oft die grosszügigere Variante mit mittellangen Stoppeln bis zur Mundpartie. Klar aber: Die Wange bleibt frei, mehr als ein kleiner Kotelettenansatz liegt auch ohrabwärts nicht drin. Das Zentrum bleibt stets die Kinnspitze, sie wird betont, soll Energie verströmen. Historisch kokettiert man(n) mit der höfischen Welt, der Galanterie, selbst wenn die Kinnspitze latent etwas Aggression verströmt. Aber keine Angst: Der Träger gehört zumeist zur Gattung der brävsten Bartträger.
DER FAULPELZNatürlich wären noch weitere Barttypen und zig Abstufungen zwischen den genannten Stilen aufzuführen, ein letzter grundverschiedener soll hier genügen: der gleichmässig ein paar Tage Stoppelbart fast übers ganze Gesicht spriessen lassende Quartals-, pardon Wochenrasierer, der jeweils mit Schreck die beginnende Matte wieder zum Verschwinden bringt, wenn sie nach einem Bekenntnis zum Bart aussehen könnte. So harmlos, dass man vor ihm beinahe schon warnen müsste: Seine alle vier Tage oder knapp zwei Wochen verabschiedeten Bartansätze verraten letztlich, dass hier jemand periodisch nicht mit seinem Aussehen und Auftreten übereinstimmen will.
UND IHR BART?Einverstanden, jeder Bart sagt für sich wieder etwas anderes aus, vor allem sieht jeder anders aus. Deshalb fühlen Sie sich vielleicht von keinem der oben beschriebenen Typen getroffen.
Senden Sie uns ein Bild Ihres Haarschmucks mit dem Namen (kann auch ein Künstlername oder Kürzel sein) und möglichst dem Alter und Wohnort an onlineredaktion@migrosmedien.ch
Gerne dürfen Sie auch in wenigen Worten beschreiben, was der Bart für Sie bedeutet.
Die Redaktion veröffentlicht auf dieser Seite Bilder mit Grundangaben innert weniger Stunden.

Autor: Reto Meisser