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01. Februar 2016

Barbie: Eine Puppe in der Kritik

Die berühmteste Puppe der Welt ist seit Jahrzehnten in Kinderzimmern rund um den Globus zuhause. Seit ihrer Geburt im Jahr 1959 hat die Puppe einige gesellschaftliche und modische Trends durchgemacht. Dabei sorge die Blondine nicht selten für einige handfeste Skandale.

Die berühmteste Puppe der Welt: Barbie
Blondes Haar, schlanke Statur und zuweilen etwas fragwürdige Botschaften: Willkommen in der schrillen Welt der Spielzeug-Kultfigur Barbie. (Bild: Mattel)

Barbie mit KampfparolenDie «Barbie Liberation Organization» zeigte, wie amüsant politischer Aktivismus sein kann. Die AktivistInnen-Gruppe operierte 1993 ein paar Hundert sprechende Barbiepuppen um. Nachdem die Stimmböxli mit denen der ebenfalls sprechenden Actionpuppe G.I. Joe vertauscht waren, kamen die Spielzeuge zurück in die Ladenregale. Das Resultat: Die Teen Talk Barbie schrie fortan Phrasen wie «Die Rache gehört mir!» durchs Kinderzimmer, während die G.I. Joe einigen wohl ziemlich irritierten Kindern Perlen wie «Der Strand ist der beste Ort im Sommer!» entgegensäuselte.

Nicht behinterdengerechtDie Rollstuhl-Becky von 1977 sollte ein positives Zeichen setzen für Menschen im Rollstuhl. Nur leider war der Rollstuhl so breit, dass man mit ihm nicht in Barbies Traumhaus reinfahren konnte.

GotteslästerungWährend einer Ausstellung in Buenos Aires im Jahr 2014 staunten einige BesucherInnen nicht schlecht, als sie die Barbie als Heilige Mutter Maria verkleidet entdeckten. Richtig skandalös wurde es jedoch bei Barbies Freund Ken, der als Jesus-Figur an ein kleines Holzkreuz genagelt wurde – Mini-Dornenkranz inklusive. Die Ausstellung war ein Erfolg. Auch schlechte Promo ist Promo.

Barbie bei den SimpsonsAuch die berühmteste Comic-Fernsehfamilie der Welt thematisierte die Barbie-Puppe. In einer Folge, die 1994 ausgestrahlt wurde, wollte die engagierte Tochter Lisa Simpson, dass die Puppe Malibu Stacy durch die weniger sexistische Lisa Lionheart ersetzt wird.

Die «Abhör-Barbie»Eigentlich war das Konzept der «Hello Barbie nicht schlecht». Die Puppe nam mit einem Mikro, das im Nacken der Barbie angebracht ist, alles auf, was die Kinder zu ihr sagten. Anschliessend wurde die Aufnahme via WLAN in die Cloud geschickt, wo eine passende Antwort aus über 8000 Möglichkeiten ausgewählt wird. Der Haken: Die Puppe speicherte die Gespräche der Kinder und schickte das Audiofile an die Eltern.

Schwangere MidgeSkipper ist die wohl berühmteste Freundin von Barbie. In den 90er-Jahren erreichte die Puppe namens Midge fragwürdige Berühmtheit. Sie wurde als schwangere Barbie mit einer kleinen, herausnehmbaren, Baby-Puppe verkauft. Bloss sah Midge noch nicht einmal volljährig aus. Dem prüden Amerika, dem Land der Teenie-Schwangerschaften, wurde soviel Gesellschafts-Spiegelung dann doch etwas zu viel.

Die Teen-Talk-BarbieSprechende Barbies waren eine Zeit lang der Renner. Was die «Teen Talk Barbie» herausliess, war an Sexismus kaum zu überbieten. «Werden wir jemals genug Kleider haben?» fragte sie sich. «Ich liebe Shopping!», rief sie. Der Satz «Mathe ist schwer!» brachte das Fass zum Überlaufen. Die «American Association of University Women» sorgte alsbald dafür, dass der Satz aus Barbies Vokabular gestrichen wurde.

Fragwürdiger RatIm Laufe ihres Lebens ging die Barbie mehreren Beschäftigungen nach. Die Babysitter-Barbie war also nur eine Frage der Zeit. Das Problem war dieses Mal jedoch nicht die Puppe, sondern ihre Accessoires – genauer gesagt die Lektüre. Denn auf dem Mini-Buch der Babysitterin stand die simple Devise «Don’t Eat».

Barbie und die TechnikCoiffeuse war gestern: Die Freude war gross, als die Barbie langsam auch technische Berufe ausführen durfte. Nur leider war die IT-Barbie ziemlich unfähig. Im dazugehörigen Buch «I Can Be a Computer Engineer» infiziert sie reihenweise Computer mit Virussen und kann ohne die Hilfe männlicher Kollegen kein einziges Problem selber lösen. Fans weltweit kreierten daraufhin ihre eigenen Comics, in denen Barbie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte, und veröffentlichten die Zeichnungen unter dem Hashtag #FeministHackerBarbie.

Die «Arschgeweih»-BarbieMan kann nicht sagen, dass die Barbie nicht immer den modischen Trends gefolgt sei. Nur manchmal hätten die HerstellerInnen das wohl lieber sein lassen. Zum Beispiel, als sie der «Totally Tattoo Barbie» ein Unterrücken-Tattoo, umgangssprachlich «Arschgeweih», verpassten.

Autor: Anne-Sophie Keller