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22. Februar 2016

Barbie heiratet eine Frau

Die lohnende Pushmitteilung
Manchmal lohnt sich auch die Pushmitteilung ...

Erhalten Sie auch Pushmitteilungen? Diese Neuigkeiten, die plötzlich auf dem Handy aufscheinen: «Raketentest in Nordkorea», «Lara Gut gewinnt Super-G», «Die Schweiz hat ein neues Glamour-Traumpaar» und andere Breaking News mehr. Meist erfährt man dann, was man schon wusste (dass Kim Jong-un von Sinnen ist) oder nicht wissen wollte (dass es sich bei dem angeblichen Traumpaar um einen DJ namens Antoine handelt und ein dünnes Model namens … Habs vergessen. Egal.)

Bänz Friedli (50)
Bänz Friedli (50) wünscht sich eine Puppe.

Auch mir schickt ein Newsportal solche Eilmeldungen, und weil ich nicht weiss, wie die Funktion sich ausschalten lässt, blinkte unlängst auf meinem Hosensacktelefon auf: «Barbie neu auch mit Speck auf den Rippen: Mattel lanciert die Puppe in vier verschiedenen Körpermodellen.» Schon wollte Kollege Martin einen «Null-Relevanz-Award» verleihen, weil er die Mitteilung für unbedeutend hielt. Aber wenn Barbie nicht mehr nur ein hageres Püppchen ist, unfähig, auf eigenen Beinen zu stehen, sondern neuerdings auch etwas kleiner gewachsen und etwas fülliger – im Jargon «petite» und «curvy» –, und das nach sage und schreibe 57 Jahren, dann, Martin, ist das verdammt noch mal die Nachricht des Monats! Für unsere Tochter, die mir mittlerweile über den Kopf gewachsen ist (auch dafür gibts ein neues Modell: «tall»), kommt die Neuerung zu spät, aber ich freue mich für alle künftigen Eltern und deren Kinder, die nun mit wirklichkeitsnäheren Puppen spielen dürfen. Endlich verkörpert Barbie kein krankhaft rankes Schönheitsideal mehr.
Nun fordere ich nur noch den Ken mit Bierbauch, Gleichberechtigung muss sein.

Fast gleichzeitig hat der Spielzeugriese übrigens die «Abby Wambach Special Edition» lanciert: ein Bäbi, der US-Fussballerin Abby Wambach nachempfunden. Kurzhaarig, stämmig und – man sieht es ihr nicht an, aber in Amerika weiss es jedes Kind – lesbisch. Frau Wambach hat mehr Länderspieltore erzielt als Pelé, Maradona und Gerd Müller zusammen; sie ist Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Vorbild ... nun also auch als Barbie. Es gab schon einige solcher «Celebrity Dolls»: Barbies, die wie die Countrysängerin Faith Hill aussahen (nicht schwierig, denn Hill sieht selbst wie eine Barbie aus), wie Marilyn Monroe oder Scarlett O’Hara aus «Vom Winde verweht». Aber eine Fussballerin, die mit einer Frau verheiratet ist? Das gabs noch nie!

Ob die Puppe hierzulande überhaupt erhältlich ist? In den USA ist sie der Renner, bei uns aber dürfte sie kaum interessieren. Wobei – ich wünsche sie mir, glaub ich, zum Geburtstag. Wambachs Trikot hab ich schon, Rückennummer 20.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli