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19. Dezember 2011

Ballern macht ballaballa

Schlechte Geschenkidee: Ballerspiele verändern bestimmte Hirnbereiche des Gamers schon nach zehn Spielstunden pro Woche.

Ballern macht ballaballa (Bild: Vario Images)
Untersuchungen zeigen, dass Ballerspiele bestimmte Hirnbereiche verändern. (Bild: Vario Images)

Videospiele bieten sich als Last-Minute-Geschenke richtiggehend an. Von sogenannten Ego Shootern lässt man jedoch besser die Finger. Das Ziel dieser Spiele ist schnell auf den Punkt gebracht: Wer zuerst ballert, gewinnt. Jetzt zeigte der Radiologe Vincent Mathews von der Medizinischen Fakultät der Universität Indiana, dass das im Spiel antrainierte Verhaltensmuster Auswirkungen auf das reale Leben hat.

In einer Untersuchung wies er Männer zwischen 18 und 29 Jahren zwei Gruppen zu. Eine Gruppe spielte eine Woche täglich zwei Stunden ein Spiel, in dem Militärs einen virtuellen Feind abballern müssen. Die folgende Woche war spielfrei. Die andere Gruppe spielte nicht.

Mathews unterzog die Teilnehmer vor und nach der Spielwoche sowie nach einer spielfreien Woche einem Hirnscan. «Nach der Spielwoche zeigten die Hirnareale der Spieler in Bereichen, die wichtig sind für die Kontrolle von Gefühlen und aggressivem Verhalten, eine verringerte Aktivität», so Mathews. Und das sowohl im Vergleich mit den Messresultaten der Nichtspieler als auch mit den Messungen von vor der Spielwoche. Selbst nach einer Woche Spielabstinenz waren noch Effekte feststellbar.

Online-Rollenspiele haben das grösste Suchtpotenzial

Für Ines Bodmer, Fachpsychologin für Psychotherapie am Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte in Zürich, ist dieses Ergebnis schockierend: «Dass sich verhältnismässig moderates Spielen nach so kurzer Zeit messbar und nachhaltig auf Gehirnfunktionen niederschlagen soll, gibt zu denken.»

Die Psychologin hat vor allem mit Leuten zu tun, die ihre Jugendlichen nicht mehr vom Bildschirm wegkriegen. «Dabei haben die Online-Rollenspiele das grösste Suchtpotenzial», betont sie.

Autor: Thomas Vogel