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29. Juli 2013

Bärenstarker Schönling

Der Mazda 6 wurde zum «Schweizer Auto des Jahres 2013» gekürt. Ob er dem renommierten Titel im Alltag gerecht wird, überprüft Leserfamilie Müller aus St. Gallen.

Familie Müller mit dem Mazda 6 Sport Wagon
Ab in die Badi: 
Gabi, Yasmin, 
Vanessa und Stephan Müller (von links) beladen 
den Mazda 6 Sport Wagon für den 
Familienausflug.

Das Auge isst mit — aber alleine vom Schauen wird niemand satt. Das ist im Alltag der St. Galler Lesertestfamilie Müller nicht anders. «Eigentlich ist ein Auto für uns nur ein Gebrauchsobjekt, das zum fairen Preis viel Platz bieten muss», leitet Stephan Müller (41) sein Urteil zum neuen Mazda 6 Sport Wagon ein und fügt schmunzelnd an: «Wir geben aber zu: Der Mazda sieht elegant, sportlich und einfach super aus.»

Aber eben: Was zählt, ist Praxistauglichkeit. Auch innen scheint der japanische Kombi zu überzeugen. «Alles sieht adrett aus, wirkt tipptopp verarbeitet — und nichts klappert. Nur gibt es recht wenige Ablagen, und ich vermisse die wegrationalisierte Wassertemperaturanzeige», verrät der Automechaniker fachmännisch. Auch Sitze und Platzangebot heimsen Lob ein. «Auf Kurzstrecken passt eine dritte Person zwischen die Kindersitze», staunt Krippenleiterin Gabi Müller (42), «und klappt man die Rücksitze um, was genial einfach geht, entsteht eine fast zwei Meter lange Ladefläche.» Und die Kritik? «Wie bei vielen neuen Autos ist die Rundumsicht schlecht. Gut also, hat der Mazda 6 Parksensoren und Rückfahrkamera, so ist er im Parkhaus problemfrei.» Gute Noten erhält der bärenstarke 175-PS-Dieselmotor. «Sehr drehmomentstark, leise, sanfter Automat», fasst Stephan Müller zusammen: «Für die Leistung ist unser Testverbrauch von 6,7 Litern je 100 Kilometer angemessen — auch wenn er damit fast zwei Liter über Werksangabe liegt.» Auf 800 Testkilometern angetan sind die Müllers vom Fahrwerk. «Beim Parkieren lenkt er sich leicht, bei flotter Fahrt direkt. Obwohl er straff durch Kurven eilt, ist er nicht hart», sagt Gabi Müller: «Da kommt man entspannt am Ziel an.»

Auch dank pfiffiger Details. Stephan Müller gefällt das Keyless-System (Öffnen/ Starten mit Schlüssel im Hosensack), Gabi Müller der Totwinkelwarner. Yasmin (10) ist vom Glasschiebedach begeistert, Vanessa (6) vom Multimediasystem-Monitor.

Am Ende ein klar positives Urteil, da «das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt, zumal der Kombi nicht mehr kostet als die Limousine und gut ausgestattet ist», so Gabi Müller. Also ersetzt bald ein Mazda 6 den neunjährigen Subaru Legacy der Familie? «Der Mazda ist schön, praktisch, toll zu fahren — und in der engeren Wahl», sagt Stephan Müller: «Nur bevorzugen wir Allrad. Das hat der 6 nicht.» Noch nicht. Auch wenn es Mazda nicht bestätigen mag, hört man in der Branche, der 4x4 folge bald.

CO2-Richtwerte Mazda 6 Sport Wagon Skyactiv-D 2.2 HP AT

Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2013 einen Richtwert von 142 g/km. Der Testwagen liegt mit 129 g/km schon darunter.

Informationen zum Bewertungssystem

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Seit 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die seit dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert wurden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 mussten ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 müssen ihn dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011 (die Werte für 2012 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa aktuell 142 Gramm pro Kilometer für 2013. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Nik Hunger