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20. Juli 2015

Babybauch

Die Plauze wächst...
Die Plauze wächst... (Bild: Shutterstock)

Ich sehe es den Menschen an. Sie gucken mir ins Gesicht, sie gucken mir auf den Bauch. Ich kann förmlich hören, wie es in ihren Köpfen rattert. Die meisten sind sich dann doch nicht sicher und widerstehen dem Impuls, etwas zu sagen. Doch gelegentlich (also gefühlt zwei Mal im Monat) sagen die Leute, was sie denken: «Bi Ihne isch es Dritts unterwägs, gället Sie?»

Als es das erste Mal passierte, suchte ich den Boden nach einem grossen Loch ab, um klammheimlich darin versinken zu können, anmutig und mit eingezogenem Bauch, versteht sich. Verdammt, keine Grube weit und breit! Gibt es etwas Peinlicheres, als schwanger auszusehen und es nicht zu sein? Da hat sich wohl jemand gehen lassen, oder? Zu viel Schoggi auf der Couch, bequeme Baumwollschlüpfer statt sexy Stringtangas.

Es folgte eine Phase, in der ich Gesprächspartnern rein präventiv von meinen Figurproblemen erzählte: «Es soll bald mal wieder regnen ... und, wo wir gerade dabei sind, erwähnte ich schon, dass meine Bauchdecke ausgeleiert ist? Dass ich wie im vierten Monat aussehe, obwohl ich echt nicht schwanger bin? Nein? Ist ja auch egal, Hauptsache, es gibt bald Regen.»

Dritte Strategie: enge Kleider statt Umhänge und Ponchos tragen. Ich glaube, Psychologen sagen dazu «Konfrontationstherapie». Wenn der Stoff über der Wampe spannt, sollte man doch die Dellen und Röllchen sehen, vielleicht sogar den einen oder anderen Dehnungsstreifen, den mir meine Töchter ins Gewebe gesprengt haben. Eine echte Schwangerschaftskugel ist wie eine Wassermelone, prall und rund. Mein Mamibauch hat jedoch Ähnlichkeit mit einem Hefeteig, weich und wabbelig.

Mittlerweile habe ich die Phase 4 erreicht. Mein Bauch gehört mir, und – noch wichtiger – er gehört zu mir. Diese formlose Ausstülpung, die so aussieht, als hätten mir Ausserirdische einen riesigen Marshmallow unter dem Nabel implantiert, ist ein Beweis dafür, dass mein Körper zu grossen Dingen fähig ist. Deswegen trage ich das Bäuchlein ab sofort mit etwas mehr Würde.

Das sollten wir Mütter übrigens alle tun. Zumal es sowieso ungesund ist, immer die Luft anzuhalten.

Autor: Bettina Leinenbach