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16. Januar 2012

Die neue Nummer eins

Die zweite Generation des kleinen 1er von BMW ist geräumiger geworden und brilliert mit einem tiefen CO2-Ausstoss. Doch taugt der sportliche Flitzer auch als Familiengefährt? Leserfamilie Müller aus Affeltrangen hat ihn ausprobiert.

Leserfamilie Müller

Unser Aaron fährt schon den kleinen BMW, seinen BMW-Bobby-car», verrät Monica Müller lachend, als sie erfährt, dass die Familie Müller aus Affeltrangen TG von uns als Testfamilie für den 1er ausgewählt wurde. Während dieser Testwoche sollen die Müllers «erfahren», ob sich der nun grössere «Einser» als Familienwagen eignet. Unter den Kompakten nimmt er schliesslich eine Sonderstellung ein: Als einziges Modell der Golf-Klasse hat der edle (und entsprechend teurere) 1er-BMW Heckantrieb, womit er vor allem besonders dynamisch statt möglichst geräumig sein will.

Chantelle Müller findet keinen Platz
Für drei Kinder ist der Fond zu klein. Zwischen den Kindersitzen ihrer Brüder findet die 15-jährige Chantelle keinen Platz mehr.

Viel Lob erntet der kompakte Bayer von Familie Müller für sein Design. Hier passt aussen wie innen alles. Und es sieht nicht nur gut aus, es ist qualitativ nahe an der Perfektion. Der Innenraum wirkt grosszügig, die Sitze erweisen sich als bequem — und der Laderaum fasst den Müllerschen Kinderwagen ohne Probleme. Nur die Kinder merken bald, dass auch BMW auf 4,32 Meter Länge nicht zaubern kann: «Der Fond ist für zwei Kinder tadellos», sagt Monica Müller. «Zwei Erwachsene geht auch noch. Aber mit drei Kindern wirds ziemlich eng. Sind unser vierjähriger Aaron und unser zweieinhalbjähriger Elija in den Kindersitzen, passt Chantelle mit ihren 15 Jahren unmöglich mit hinein. Das Raumangebot in unserem einjährigen Opel ­Astra ist zwar auch nicht viel besser, aber im VW Touran schon.»

«Ich muss nur mit dem Zeh zucken, schon zieht er an»

Markentypisch verwöhnt der 1er dafür vor allem die Fahrer. «Ich muss nur mit dem Zeh zucken, schon zieht er an, beschleunigt flott und bleibt immer leise. Und der Automat schaltet perfekt», freut sich der 43-jährige Tiefbauzeichner Rolf Müller. Dem stimmt die 40-jährige Praxisassistentin Monica Müller gerne zu: «Dank Heckantrieb rupft nichts in der Lenkung, die bei schneller Fahrt präzise und beim Parkieren leicht geht.» Und ihr Mann ergänzt: «Super finde ich den Fahrerlebnisschalter. Im Sportmodus reagiert der 1er sportlich-spontan, auf Eco eingestellt verhält er sich sparsam-komfortabel.»

Die versprochenen 5,6 Liter auf 100 Kilometer bleiben während des Tests Wunschdenken: Auf 500 Testkilometern verbrauchen Müllers im Schnitt acht Liter. Trotz Stopp-Start-System? «Wir sind meist Kurzstrecken und oft flott gefahren», gibt Rolf Müller zu. «Wichtiger ist, dass man ihn problemlos mit sechs Liter fahren kann.» Würden Müllers den 1er also kaufen? «Wenns nur um mich ginge, sofort», sagt Monica Müller: «Aber drei Kinder, das packt er nicht.»

CO2-Richtwerte

CO2-Richtwerte

BMW 118i Automatic

Im Jahr 2015 sollen Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur 130 g/km ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittel- ten Werts (2010: 161 g/km) aus, bedeutet das für 2012 einen richtwert von 149 g/km. Der Testwagen liegt mit 131 g/km deutlich darunter.


Das Bewertungssystem des Migros-Magazins für neue Personenwagen

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 161 Gramm pro Kilometer im Jahr 2010 (die Werte für 2011 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen

Fotograf: Oliver Lang