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04. Mai 2015

Auswärts übernachten

Marla (6) bittet ihre Mutter, erstmals bei einem Gschpänli übernachten zu dürfen. Ein Abenteuer für Kinder wie auch für Eltern. So gelingts!

bei den Freundinnen schlafen
Zum ersten Mal bei den Freundinnen schlafen ist ein tolles Erlebnis und bleibt in Erinnerung. (Bild: Getty Images)

Das erste Mal bei einem Gschpänli zu übernachten ist ein wichtiger Schritt zur Selbständigkeit. «Die Kinder lernen dabei den Umgang mit Trennung, und auch die Eltern lernen, ihr Kleines ein Stück loszulassen», sagt Franziska Florineth-Baatsch (44), Kinder- und Jugendpsychologin in der Praxis Zauberbaum in Winterthur ZH.
Zudem ist Auswärtsübernachten eine gute Vorbereitung für ein späteres Klassenlager oder auch Notfallsituationen. Und: Es macht oft auch einfach viel Spass!

Der Wunsch, auswärts zu übernachten, kommt häufig vom Kind aus und zeigt sich meist ab dem Kindergarten- und Schulalter. Dann erweitern Kinder ihr soziales Bezugssystem und knüpfen erste intensivere Freundschaften. Eltern sollten auf den Wunsch ihres Kindes eingehen. Es ist wichtig, dem Kind Schritt für Schritt zu erklären, was es erwartet. Hierbei können auch Bilderbuchgeschichten nützlich sein. Je besser das Kleine den Ablauf kennt, umso sicherer fühlt es sich.
Auch sollten Eltern das Kind fragen, was es braucht, um sich am fremden Ort wohlzufühlen. Das kann sein Kuscheltier sein, das man vielleicht kurzerhand zum «Bschütz-mi-Bären» ernennt, ein Nachtlicht oder die Lieblingsdecke.

Die eigenen Sorgen nicht mitteilen
Im Gespräch mit dem Kind sollten Eltern auch Ängste ansprechen. Jedoch ist es ratsam, die eigenen Sorgen nicht mitzuteilen. Fragen wie «Bist du dir denn ganz sicher, dass du bei Céline übernachten möchtest?» verunsichern das Kind. Stattdessen sollte man es ermuntern und sich mit ihm freuen: «Das wird sicher lässig bei Céline!» Das Kind soll spüren, dass seine Eltern ihm diesen grossen Schritt zutrauen.
Dennoch ist es von Vorteil, wenn das Kind beim ersten Mal in der näheren Umgebung schläft. So können die Eltern es notfalls abholen. Das Kleine sollte sich aber nicht auf diesen Notfallplan fokussieren, sondern sich schon auf das Übernachten beim Gschpänli einstellen. Die Eltern sollten sich ebenfalls überlegen: «Was brauche ich, was gibt mir Sicherheit, um das Kind gut gehen lassen zu können?» Dabei ist ein offenes, vertrauensvolles Gespräch mit den Gasteltern förderlich.

Franziska Florineth-Baatsch: «Vermitteln Eltern ihrem Kind Sicherheit und stimmen es positiv auf das Übernachten beim Gschpänli ein, so wird das Abenteuer zum Erfolg. Und wenn die Kinder das geschafft haben, sind sie stolz wie Bolle und gut gerüstet für zukünftige Übernachtungsabenteuer!»

Autor: Priska Plump