Archiv
15. September 2014

«Australien ist ideal für ein sicheres Familienabenteuer»

Familie Santner – Nina (39) und Guido (41) – aus Pfäffikon ZH reiste von Februar bis August mit ihrem eigenen Offroader durch Westaustralien. Ergebnis: Die Söhne Mikko (9) und Louis (6) wissen nun nicht nur alles über exotische Tiere, sie haben auch viele englische Wörter gelernt. Zum Interview (rechts) ihre wichtigsten Tipps zur Rückkehr in Schule oder Job.

Die vierköpfige Familie mit Fahrzeug und Equipment
Die vierköpfige Familie mit Fahrzeug und Equipment. Im Hintergrund: Die Berge in den Kimberleys entlang der Gibb River Road. (alle Bilder zVg)

Frau Santner, Sie sind die letzten Monate durch den wilden Westen Australiens gefahren. Wo waren Sie, als unsere Interviewanfrage Sie erreicht hat?
Wir hatten gerade unser Lager auf einem Campingplatz an der Nordwestküste aufgeschlagen. Dort ging der Wind so stark, dass es mir die Computermaus vom Campingtisch geblasen hat.
In Ihrem normalen Leben passiert das eher selten. Sie sind Mediothekarin, ihr Mann ist Journalist. Wie haben Ihre Chefs auf die Urlaubsanträge reagiert?
Erstaunlich positiv. Unsere Arbeitgeber denken längerfristig, was wir sehr schätzen. Die Schulbehörde war ebenfalls aufgeschlossen. Da wir sechs Monate unterwegs waren, konnten wir unsere Söhne komplett abmelden.
In dieser Zeit haben die Kinder den Schulstoff verpasst. Haben Sie Mikko und Louis selbst unterrichtet?
Ja, wir haben es zumindest versucht. Wir wurden von der Schule und dem Kindergarten mit reichlich Material eingedeckt. In Australien haben Mikko und Louis zwei bis drei Stunden täglich die Schulbank gedrückt – oder besser gesagt die Campingstühle. Das klappte oft gut, manchmal jedoch gar nicht. Eine handtellergrosse Spinne, die unterm Auto sitzt, ist eben spannender als Rechenaufgaben.

Handtellergrosse Spinnen sind spannender als Rechenaufgaben.

Sonnenuntergang am 80 Mile Beach
Der Sonnenuntergang am 80 Mile Beach mit seinen extrem starken Unterschieden zwischen Ebbe und Flut. (Bild zVg)

Wie sind Sie damit umgegangen, dass es in Australien neben riesigen Spinnen auch giftige Spinnen gibt? Ganz zu schweigen von den Schlangen, den Haien, den Quallen ...
Die wirklich gefährlichen Tiere können wir schnell identifizieren, da wir uns gut vorbereitet haben. Unsere Söhne wussten zum Beispiel, dass sie die Toilettenbrillen in den öffentlichen WC-Häuschen immer erst anheben mussten, bevor sie sich hinsetzen. Dort trifft man schon mal auf Redback Spiders, deren Gift ohne Gegengift tödlich ist. Wir hatten für den Notfall ein Satellitentelefon dabei, das wir aber glücklicherweise nicht gebraucht haben.
Warum haben Sie sich bei der Reiseplanung ausgerechnet für Down Under entschieden?
Weil wir dieses Mal nicht als Paar, sondern als Familie unterwegs waren. Als wir vor anderthalb Jahren mit der Reiseplanung begannen, wussten wir bereits, dass wir nur durch ein politisch stabiles Gebiet fahren würden. Afrika wäre auch reizvoll gewesen, aber unser Grundsatz lautet: Safety first. Australien ist ideal für unser «sicheres» Familienabenteuer.
Sie mussten Ihren geländegängigen Landrover von der Schweiz aus nach Australien verschiffen. Wäre es nicht einfacher und auch günstiger gewesen, ein Wohnmobil vor Ort zu mieten?
Vermutlich schon. Die wirklich schönen Plätze bekommt man aber nicht zu Gesicht, wenn man auf der asphaltierten Strasse bleibt. Mit einem gewöhnlichen Camper wären wir an den vielen paradiesischen Orten einfach vorbeigefahren.
Das Land ist riesig, sind Sie vielen anderen Reisenden begegnet?
Ja. Was uns besonders verblüfft hat, ist, dass es nicht selten Landsleute von uns waren, die ähnlich wie wir unterwegs waren. Es hat sich offensichtlich unter Schweizer Offroad-Fans herumgesprochen, dass Westaustralien ein lohnendes Ziel ist.
Der Trip hat ein halbes Jahr gedauert. Am Anfang ist immer alles neu, doch irgendwann stellt sich Routine ein. Wie hat Ihr Alltag ausgesehen?
Nach den ersten paar Wochen waren wir wunderbar ausgeruht. Deswegen standen wir meist schon mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Erst ein wenig Morgensport, dann das Morgenessen, anschliessend die Schullektionen. Alles ohne Uhr. Wenn die Sonne hoch am Himmel stand, gab es den Zmittag. Später am Tag erkundeten wir die Gegend.
Haben Sie alle Etappen geplant?
Ja und Nein. Wir wussten ungefähr, wo wir wann sein wollten. Wenn es uns aber an einem Ort besonders gut gefallen hat, sind wir dort länger geblieben. An den Fahrtagen waren wir oft viele Stunden on the road – oder besser gesagt auf der Sandpiste. Sobald wir den neuen Zielpunkt erreicht hatten, luden wir den Wagen und den Anhänger aus und bauten unser Zelt auf. Nach jedem Trip kontrollierte mein Mann das Auto, die Pneus, das Solar Panel und so weiter. Pannen sind uns erspart geblieben. Mein Mann reparierte sogar die Autos anderer Leute. Die einjährige Reisevorbereitungszeit hat sich definitiv gelohnt.
Welche Station war besonders aufregend?
Auf unserer letzten Etappe erreichten wir den Norden des Landes. Das ist das Gebiet der «Salties», wie die Australier ihre riesigen Salzwasserkrokodile nennen. Wir trafen dort Vorsichtsmassnahmen, also kein Plantschen im Wasser und kein Camping direkt am Fluss. Ganz am Schluss schifften wir unseren Landrover samt Anhänger wieder ein und flogen zurück in die Schweiz.
Weitere Fotos und Informationen zur Reiseplanung finden Sie unter www.santner.ch

Autor: Bettina Leinenbach