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13. Oktober 2014

Ausser Windelriechweite

Und dann möchte man mal mit seiner Frau ein paar ungestörte Tage verbringen. Einfach nur zu zweit. Und man ertappt sich dabei, sich schon im Vorfeld auszumalen, wie dann in der Eisenbahn oder in dem hübschen Café an der Sonne (von dem man noch nicht einmal weiss, ob es existiert, geschweige, ob es in diesem bestimmten Augenblick sonnenbeschienen sein wird, aber wir wollen es doch hoffen) oder beim ziemlich romantischen Dîner mit gedämpftem Licht und so … wie dann plötzlich so ein fremder Goof auftaucht und einfach nur nervt. Quengelnd, giggelnd, singend, stampfend oder bloss altklug labernd, wie auch immer. Man malt es sich aus, noch ehe es passiert ist!

«Quengelnd, giggelnd, singend, labernd …»
«Quengelnd, giggelnd, singend, labernd …»

Dies ist der Moment zuzugeben, dass man nicht alle Kinder einfach immer nur süss findet. Nämlich. Gerade, wenn der eigene Sohn in einem Lager und die Tochter mit Freundinnen unterwegs ist, wünschte man sich, von Windelgestank und Kindergezänk einige Tage unbehelligt zu bleiben.

Finden Sie das schlimm? Dann war ich wohl soeben zu ehrlich. Aber ich will Gegensteuer geben. Die liebe Freundin, die mir untersagt hat, hier je wieder mit kindlichen Verhörern und Versprechern aufzuwarten – «Wehe, du kommst noch mal mit ‹Kindermund›!» –, weilt nämlich grad in den Ferien und wird dies hier nicht lesen. Ich kann also von wildfremden Kindern berichten, die mich durchaus zum Schmunzeln gebracht haben.

Von dem kleinen Kerl aus Morschach etwa, der in der Schule die Stellvertreterin fragte, ob sie denn auch Brüste habe. Offenbar war ihr Busen weniger üppig als derjenige der regulären Lehrerin. Als die Stellvertreterin bejahte, doch, doch, sie hätte schon Brüste, befand er arglos: «Dann bringen Sie die doch morgen mal mit!» Fränzi erzählt, wie sie einer Freundin in Portugal einen Brief schrieb, worauf sie ihrem kleinen Sohn genauestens habe erklären müssen, wo dieses Protugal denn liege. «Und wie fahrt dä Pöschtler mit dem chliine Töffli uf Protugal abe?», wollte der Kleine darauf wissen.

Ein anderes Mami schreibt, wie ihr Dreijähriger mit ernster Miene die Frage stellte, die für ihn eine Feststellung war: «Gäu, im Herre-WC gits Pissoir und Gaggoir?» Und Veronika aus Steffisburg spazierte mit ihrer vierjährigen Tochter an einem Robidog vorbei. Auf die Frage der Kleinen, was für ein eigenartiger Abfalleimer das denn sei, erklärte Veronika – und ich zweifle nicht, dass sie angemessene Worte fand –, er diene zur Entsorgung von Hundekacke. Einige Minuten spaziert die Tochter danach stumm neben ihr her. Plötzlich sprudelt es aus ihr heraus: «Also, i weiss eifach nid, wie die Hünd dert chöi drigagle!?»

Eine Mutter, die sonst – Ehrenwort! – stets daheim frisch kocht, düste ausnahmsweise mit den Kindern durchs Drive-in, allerdings nicht, ohne ihnen zu erklären, wie unsinnig es im Grunde sei, sich mit dem Auto Fast Food zu holen. Ihr Kleinster verstand «Ras-Food», und das hat natürlich was.

Das Gegenstück zum Ras-Food wäre dann wohl die Wortkreation des kleinen Aron. Angesichts einer Weinbergschnecke – berndeutsch: «Wybärgschnägg» – habe er, berichtet Mutter Dominique, begeistert ausgerufen: «Mami, lueg, e YB-Schnägg!» Volltreffer, leider. Denn oft genug kommen meine Young Boys nicht so recht vom Fleck. Aber darüber möchte ich jetzt nicht reden.

Bänz Friedli live: 22. und 24.10., Basel, «Tabourettli».

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli