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26. Mai 2015

Aus Wochenbettnachbarinnen wurden enge Freundinnen

Die ersten Tage nach der Geburt haben Karen Ballmer und Barbara Wehrli gemeinsam im Spitalzimmer verbracht. Ballmer: «Durch die spezielle Situation, in der wir uns kennenlernten, fühlten wir uns einander gleich nahe».

Barbara Wehrli (links) mit Jonathan und Karen Ballmer mit Lisa
Im Wochenbett kamen sie sich nahe: Barbara Wehrli (links) mit Jonathan (6) und Karen Ballmer mit Lisa (6).

Karen Ballmer (heute 41) lag mit ihrer zwei Tage alten Tochter Lisa im Spitalbett, da kam Barbara Wehrli (heute 40) mit ihrem zehn Stunden alten Sohn Jonathan zu ihr ins Zimmer. Erst war der frischgebackenen Mutter elend zumute, denn sie vertrug die Schmerzmittel schlecht. Karen Ballmer hatte ebenfalls einen Kaiserschnitt hinter sich und konnte sich sehr gut einfühlen. Mit ihren zwei Tagen Vorsprung hatte sie bereits einige Tipps parat. Etwa, wie man seitlich aus dem Bett aufsteht, ohne die Bauchmuskeln anzuspannen.

Für beide war es das erste Kind. Sie stillten oft gleichzeitig, schickten ihre Männer gemeinsam ins Wickelzimmer, assen miteinander, plauderten und schliefen nebeneinander ein. «Wir verstanden uns auf Anhieb, und unsere Männer sich auch», erzählt Barbara Wehrli. «Durch die spezielle Situation, in der wir uns kennenlernten, fühlten wir uns einander gleich nahe», sagt Karen Ballmer. Es war Anfang Dezember, die Besucher brachten Weihnachtsguetsli, und draussen schneite es. «Es herrschte eine Stimmung wie im Schullager.»

Sechs Jahre nach der gemein­samen Zeit als Wöchnerinnen in der Privatklinik Bethanien in Zürich setzen sich Karen Ballmer und Barbara Wehrli für ein Fotoshooting des Migros-Magazins wieder auf ein Spitalbett. «Ein emotionaler Moment», sagen beide. Sie erinnern sich an das Gefühl der Geborgenheit, das sie hier empfunden haben. «Wir wussten, wenn wir die Klinik verlassen, sind wir mit unseren Babys auf uns allein gestellt», erzählen sie. Aus den Babys von damals sind zwei vife Kindergärtler geworden, die sich sehr übers Wiedersehen freuen und kaum auf dem Bett zu halten sind.

Beim zweiten Kind einen Monat auseinander
In den vergangenen Jahren haben Lisa und Jonathan viel Zeit zusammen verbracht. Erst spazierten die Mütter gemeinsam der Limmat entlang, während die Babys im Kinderwagen schliefen. Bald krabbelten sie nebeneinander, später tollten sie auf Spielplätzen herum und pilzelten in gemeinsamen Ferien. Seit sie im Kindergarten sind, sehen sie sich weniger oft. Das ändert nichts an ihrer Verbundenheit. Leider kann die eine selten am Geburtstag des anderen teilhaben, da die Partys meist gleichzeitig steigen.

Mit den Kindern entwickelten sich auch die Themen weiter, über die Karen Ballmer und Barbara Wehrli jeweils diskutierten: Stillen, Schlafen, Wiedereinstieg im Job, Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Karen Ballmer ist Fernsehproduzentin, Barbara Wehrli Tierärztin.
Um ein Haar hätten die beiden das Spitalzimmer erneut geteilt: Barbara Wehrli brachte ihren zweiten Sohn einen Monat früher zur Welt als Karen Ballmer ihre Zwillinge. Als sie ihre Freundin hochschwanger in der Privatklinik Bethanien besuchte, wollten die Hebammen sie erst in den Gebärsaal begleiten. 

Autor: Monica Müller

Fotograf: Mirko Ries