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25. Februar 2013

Aus dem Spital nach Hause

Damit ältere Patienten bald in die gewohnte Lebensumgebung zurückkehren können, braucht es (medizinische) Versorgung, Pflege, oft auch barrierefreie Räume und ein passendes Umfeld. Was vorab abgeklärt werden sollte.

Ein operativer Eingriff, sei es wegen einem Bruch, einer gravierenderen Erkrankung wie Krebs oder aus einem anderen Grund, kann zum markanter Einschnitt werden. Speziell im Leben von älteren Patienten, die sich öfters physisch langsamer erholen als Jüngere, sich andererseits aber auch psychisch im Leben wieder zurecht finden müssen.
Da hilft es vielen, möglichst bald nach Hause zurückzukehren und nicht zu lange in Spitalobhut bleiben oder einen längeren Reha-Aufenthalt an einem dritten Ort einschalten zu müssen. Die gewohnte Umgebung hilft vielen, sich zu regenerieren und bald wieder selbstständig im Alltag zurechtzufinden.

Allerdings kommt die Rückkehr nach Hause bei einigen Patienten wegen täglich mehrmaliger Therapie, Überwachung oder dringender medizinischer Betreuung nicht in Frage.
Doch auch bei Personen, deren Heimkehr in Betracht gezogen wird, gilt es einige Fragen vorab abzuklären:

DIE MEDIZINISCHE BEHANDLUNG

1) Welche medizinische Kontrolle, Überwachung oder komplexe Medikamenten- oder sonstige Therapie ist nötig?
Dafür ist natürlich das Ärztepersonal zuständig, doch ein guter Informationsstand und Nachfragen seitens der Patienten ist nie schädlich. Im Zentrum stehen folgende Punkte:

a. Benötigt die/der Patient(in) weiterhin eine dauernde medizinische Überwachung durch spezielle Maschinen und nebst der ärztlichen Visite auch rund um die Uhr vom Pflegepersonal eines Spitals?
In diesem Fall kann sie/er schlicht noch nicht nach Hause, denn dort bestehen ohne ausgebildete Fachkräfte mit Erfahrung in vergleichbaren Situationen Lücken in der Sicherheit.

b. Müssen mehrere Medikamente nach einem bestimmten Tagesmuster eingenommen werden?
In diesem Fall muss mit dem Arzt genau analysiert werden, ob dem Patient die Gründe, der Rhythmus und die Details einleuchten und ihm in Eigenverantwortung die zuverlässige Einnahme zugetraut wird. Bestehen diesbezügliche Zweifel – manchmal vermutete man schon vor dem Spitalaufenthalt mangelhafte Umsetzung der medikamentösen Therapien durch den Patienten, sollte nach Möglichkeit eine vertraute/verwandte Person beigezogen werden, die die Einnahme kontrolliert oder gleich ganz durchführt. Vor allem bei schweren Erkrankungen mit hohen Risiken im Fall von ausbleibendem Behandlungserfolg.
Es gibt übrigens interessante Studien zur Umsetzung von Medikamenteinnahme und anderen Umsetzungen ärztlicher Anweisungen durch den Patienten, vorab unter dem dem Latein entnommenen Fachbegriff der Adhärenz.

c. Stehen ab sofort umständliche Physio-, Lern- oder andere Therapien an?
Kann die/der Patient(in) bereits unabhängig und ohne Risiko für Therapien zum Arzt, einem Reha-Zentrum oder anderswohin fahren? Ist die Therapie von grosser Bedeutung für den Gesundheitszustand respektive die Regeneration des Betroffenen und bringt ein ziemlich volles Programm mit sich, so müsste wohl eher eine vorübergehende Unterbringung in einem Reha-Zentrum ins Auge gefasst werden.

d. Wie gestaltet sich der Weg zum Haus- respektive dem behandelnden Arzt?
Kann die/der Patient(in) eigenständig, dank dem Fahrdienst eines Angehörigen, mit einem Taxi oder sogar öffentlichen Verkehrsmitteln innert nützlicher Frist und auch mal ohne Planung im Voraus seinen Arzt erreichen, so ist dies sicher ein grosser Vorteil für eine allfällige Rückkehr nach Hause.

DIE PFLEGE

2. Wie viel Pflege benötigt der Patient täglich, und kann diese bequem bei ihm zu Hause erbracht werden?
Ebenso wichtig wie die Medikamenteneinnahme kann die gerade nach Operationen oft nötige Pflege sein: Ein regelmässiges Reinigen von (offenen) Wunden und Wechseln von Verbänden ist das Offensichtlichste, was nicht unterbleiben darf. Oft sind jedoch andere Behandlungsschritte durch Dritte notwendig.

a. Kann eine Organisation wie die Spitex für die entsprechenden Leistungen nach Hause kommen?
Bei mehrmals täglich anfallenden Behandlungseinheiten kann der Aufwand je nach Dauer, Art der Pflege und allenfalls Materialbedarf zu gross werden.

b. Wie sieht es mit der Abdeckung der Kosten durch die Versicherung aus?
Hier gilt es besonders aufzupassen: Je nach Versicherung, speziell im Zusatzbereich, fährt man bei anspruchsvollerer Pflege mitunter gar günstiger mit einem etwas längeren stationären Aufenthalt als wenn die Pflege durch die Spitex zu Hause erfolgt. Oft ist die günstigste Lösung jene, bei der ein Patient sich zu einem Arzt, Ärzte-, Rehabilitations- oder gar Spitalzentrum begibt. Allerdings kann er dafür nicht zu eingeschränkt in Verfassung und Bewegung sein.

ORGANISATION DES HAUSHALTS

3. Kann die Person ihren Haushalt bereits schmeissen oder hat konstant Unterstützung?
Daran denkt man, wenn der Gesamtzustand, die nötige Behandlung und Pflege im Vordergrund stehen, nicht auf Anhieb. Dabei bedeutet nach Hause gehen spätestens nach wenigen Tagen auch: Den Haushalt managen.

a. Hat die Person zu Hause eine(n) Partner(in), die/der sie weitgehend entlasten kann, oder ist sie tatsächlich bereits genügend fit?
Schliesslich muss von Zeit zu Zeit eingekauft werden, einmal täglich gehört in der Regel etwas Warmes auf den Tisch, und nach einigen Tagen sollte vielleicht auch etwas geputzt werden. Bereitet dies Probleme und niemand anderes im Haushalt, müssten für mühsamere Besorgungen vielleicht im Wechsel Angehörige und/oder Nachbarn mithelfen können (dann gilt es dies im Voraus abzusprechen und zu organisieren!).

b. WIe weit entfernt liegen Läden, öffentliche Verkehrsmittel und weitere Orte des täglichen oder wöchentlichen Bedarfs?
Es tönt harmlos, aber auf die Dauer fällt es dann auch schwer, für Einkäufe & Co. stets auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein. Oder etwa überhaupt keinen Kontakt zu Mitmenschen zu haben, falls man alleine lebt(e).

DIE WOHNSITUATION

4. Wie barrierefrei gestaltet sich das Wohn-Umfeld?
Nicht zuletzt kommt es für viele Patienten nach der Operation oder anderer Behandlung mit Folgen für die Beweglichkeit darauf an, dass sie sich vielleicht auch eine Weile im Rollstuhl, mit anderen Gehhilfen oder eingeschränktem Einsatz beider Arme uneingeschränkt in den eigenen vier Wänden bewegen können.

Oft braucht es Betreuung durch Angehörige, Spitex oder andere Unterstützung
Oft braucht es neben geeigneter Umgebung auch Betreuung durch Angehörige, Spitex oder andere Unterstützung. (Bild Tina Steinauer)

a. Wie sehr entspricht die Wohnung, das Wohnhaus und die Umgebung den Gesetzmässigkeiten der Barrierefreiheit?
Bestenfalls kommt jemand zum Beispiel im Rollstuhl selbständig zur Haustür, durch diese hinein, zu einem Lift und in seine Wohnung.
Dort geht es allerdings weiter: Im Idealfall sind alle Zimmer gut mit Gehhilfen betret- oder befahrbar. Im Badezimmer ist der Spiegel in der Höhe ersichtlich, vor allem aber dank Einlagerahmen und/oder Holzkonstruktion das Bad allein zu nutzen. In der Küche mit den wichtigen Schrankbereichen, Eisschrank, Herd und dem Esstisch besteht in Sachen Erreichbarkeit und Nutzung auch kein Problem.

b. Wie freundlich ist der Haushalt im Detail auf Einschränkungen der Beweglichkeit eingerichtet?
Die wichtigen Gegenstände, Essensvorräte und so weiter sind so eingeräumt , dass sie im Falle eingeschränkter Mobilität dennoch erreicht und benutzt werden können. Notfalls muss vor oder mit der Rückkehr nach Hause einiges umgeräumt werden.

Autor: Reto Meisser