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27. Juni 2014

Augenzeuge: Ich erlebte den Fall der Berliner Mauer

Migros-Magazin-Leser Tony Schneider weilte im Jahr 1989 geschäftlich in Berlin. Er wurde Augenzeuge eines historischen Augenblicks. Hier erzählt Schneider davon.

Tony Schneider
Alle Bilder von Tony Schneider.

Mit der Fluggesellschaft Panam flogen wir mit eingeladenen Geschäftspartnern nach Berlin. Am späten Nachmittag hörten wir in der Nähe der Gedächtniskirche, dass die Mauer demnächst geöffnet werden sollte. Man gab sich damit zufrieden - niemand glaubte daran, dass es so schnell geschehen würde. Am Abend gegen 22 Uhr sass ich bei einem Bier in einer Bar nahe beim Kuhdamm. Der Fernseher war eingeschaltet. Auf dem Bildschirm erschien Günter Schabowski und erklärte, dass die Mauer um Mittenacht geöffnet werde.

Dann gings los! Hunderttausende standen auf der Strasse als man hörte, dass die ersten Menschen aus dem Osten zu Fuss und mit ihren Autos (Trabi) Richtung West-Berlin unterwegs waren. Der erste Durchgang war also offen. Sofort begann das sogenbannte Trabiklopfen: Alle Trabis wurden mit Klopfen auf die Blech- oder Sperrholzdächer begrüsst. Ich war natürlich ständig auf den Strassen unterwegs - in Richtung Potsdamer-Platz standen die ostdeutschen Polizisten auf der Mauer. Von der Westseite her wurde begonnen mit irgendeinem Werkzeug die Mauer einzuschlagen. Als der Morgen anbrach (für mich eine Nacht ohne Schlaf) stand ich in der Nähe vom Check-Point-Charlie, wo tausende von Menschen aus dem Osten den Weg zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten suchten. Schon morgens um 6 Uhr standen die ersten bei einer Bank, um das ssogenannte Begrüssungsgeld von 20 DM zu erhalten.

Das Erlebnis ging noch sehr viel weiter, da wir unseren Gästen mittels Car den Ostsektor von Berlin zeigen wollten. Im nicht nachlassenden Gegenverkehr brauchten wir drei Stunden zur Erreichung des Grenzübergangs Richtung Osten.