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24. September 2012

Augen mögen Abwechslung

Viele Menschen sind kurzsichtig, immer häufiger auch Kinder. Als Ausgleich zu Fernsehen, Computer und langem Büffeln empfehlen Experten unter anderem mehr Aktivität im Freien.

Augen mögen Abwechslung
Der moderne Lebensstil macht kurzsichtig: Immer häufiger brauchen schon kleine Kinder eine Brille. (Bild Getty Images)

Wenn Sehschwächen der wahre Grund für Schulprobleme sind: Infos und Anzeichen für die Eltern.

Die Kurzsichtigkeit nimmt in der Schweiz zu, auch bei Kindern. Rund 20 Prozent aller Kinder sind heute so stark fehlsichtig, dass sie eine Brille benötigen. «Dabei sind die meisten Kinder eigentlich von Geburt an weitsichtig und werden erst mit der Zeit normalsichtig», sagt Oliver Job (49), Leiter der Kinderabteilung der Augenklinik am Kantonsspital Luzern. Den Grund dafür sehen Fachleute in der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in Innenräumen und vor dem Computer verbringen. Und zwar auf Kosten jener Zeit, während der sie draussen spielen. In der Folge werde die Weitsicht zu wenig benötigt und trainiert, weshalb sie verkümmere.

Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke zu lesen, schadet nicht

«Eine natürliche Umgebung, in der die Objekte sich in verschiedenen Abständen zum Auge befinden, ist sicher besser für die Augen, als permanent auf einen Bildschirm zu starren», erklärt Oliver Job. Dabei hält er fest, dass nicht der Bildschirm das Problem sei, sondern die konstante Fixierung in die Nähe.

Auch der zunehmende Leistungsdruck, unter dem Kinder und Jugend- liche in Schule und Ausbildung stehen, zwingt junge Menschen dazu, sich noch mehr in Innenräumen aufzuhalten und über Lernstoffen und Büchern zu brüten. Experten raten den Eltern, ihre Kinder zu Pausen anzuhalten und sie ins Freie zu schicken.

Mit einer Mär räumt Augenarzt Oliver Job auf: «Lesen mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke schadet den Augen nicht.» Die ungünstigen Lichtverhältnisse würden höchstens zu einer schnelleren Ermüdung führen, im schlechtesten Fall könne das Kind Kopfweh bekommen. «Kurzsichtigkeit verursacht es aber kaum.»

Das rät der Augenarzt

  • Die Kinder in der Freizeit lieber draussen in der freien Natur herumtollen lassen, als sie vor den Fernseher oder Gameboy zu setzen. So werden die Augen auf natürliche Weise gefordert und trainiert.
  • Kneift ein Kind häufig die Augen zusammen, liest es schlecht oder muss ganz nahe gehen, um etwas zu erkennen, ist ein Gang zum Augenarzt angebracht.
  • Kinderbrillen sollen klein, stabil und leicht sein und nicht verrutschen. Der Sitz sollte regelmässig von einem Optiker kontrolliert werden.
  • Wenn die Sonne scheint, den Kindern immer eine gute Sonnenbrille in brauner Tönung aufsetzen. Kinderaugen reagieren empfindlich auf UV-Licht. Blau- oder Grüntönung ist übrigens weniger geeignet.
  • Lassen Sie das Kind bei der Auswahl der Brille und der Sonnenbrille mitentscheiden.Je besser die Brille den Kleinen gefällt, desto eher setzen sie diese auch auf.

Autor: Thomas Vogel