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07. März 2016

Aufstand gegen den Taxi-Konkurrenten Uber

Rund 450 Taxifahrer demonstrierten vergangene Woche gegen Uber. Das Transport-unternehmen ist seit 2014 in der Schweiz tätig und bedroht derzeit eine ganze Branche. Rasoul Jalali, General Manager von Uber Schweiz, stellt sich im Interview den Vorwürfen.

Berner Taxifahrer protestieren gegen Uber
Rund 450 Taxifahrer demonstrierten vergangene Woche gegen Uber. (Bild: Keystone)

Wo sonst Touristen auf den Klang der Zytglogge warten, stand am 29. Februar alles still: Rund 450 Taxifahrer demonstrierten in der Berner Altstadt gegen die Konkurrenzfirma Uber. Die Forderungen: eine sozialverträgliche Mitarbeiterpolitik, kein Personentransport ohne Versicherung und ausgebildete Fahrer. Seit Uber 2013 in die Schweiz kam, weht dem Transportunternehmen mit Sitz in San Francisco ein rauer Wind entgegen. Vor allem die «Dumpingpreise» - in der Regel die Hälfte oder ein Drittel der regulären Taxikosten - sorgen für Ärger. So berichtet die Taxisektion Zürich von Umsatzeinbussen von bis zu 40 Prozent bei ihren Mitgliedern.

Uber ist bis jetzt in Zürich, Basel, Genf und Lausanne vertreten. Alleine in Zürich gibt es rund 100'000 Nutzer und rund 1000 Fahrer. Da sich der Fahrdienst nicht als Taxi-Unternehmen bezeichnet, ist er auch nicht an die Richtlinien des Taxigesetzes gebunden. Kritisiert wird vor allem der Service UberPop, bei dem private Chauffeure Personen transportieren können. Die Fahrer müssen weder über eine eidgenössische Zulassung verfügen, noch sich an die dazugehörigen Arbeits- und Ruhezeitverordnungen halten. Zudem sind die UberPop-Fahrzeuge nicht wie Taxis versichert: Bei einem Unfall bezahlt die private Haftpflichtversicherung. Die Fahrzeuge bei UberX und UberBlack haben jedoch eine Versicherung für den berufsmässigen Personentransport.

Der Protest in Bern war nicht der einzige seiner Art: Schon im Sommer 2014 demonstrierten Taxifahrer in Berlin, Paris, Rom, Mailand, Madrid, Barcelona, Lissabon und London gegen Uber.

Rasoul Jalali
Rasoul Jalali (Bild zVg)

«Nutzer können die Fahrer bewerten und sorgen so für eine Qualitätskontrolle»

Rasoul Jalali (33) ist General Manager von Uber Schweiz

Rasoul Jalali, letzte Woche wurde in Bern gegen Uber demonstriert, in Zürich beschweren sich Taxiunternehmen über Sie. Was läuft falsch?

Ich würde behaupten, wir machen in der Schweiz sehr gute Erfahrungen. Alleine im letzten Jahr sind wir in Zürich ums vier- bis fünffache gewachsen. Und wenn man als neuer Anbieter an alten Strukturen rüttelt, gibt das nachvollziehbarerweise Spannungen. Bern ist für Uber nach wie vor eine spannende Stadt.

Normale Taxifahrer können sich mit ihrem Gehalt kaum über Wasser halten. Ihre Fahrer können gar nicht von ihrem Lohn leben. Ist das ethisch vertretbar?

Für professionelle Taxi- oder Limousinen-Fahrer, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, gibt es die beiden Möglichkeiten von UberX und UberBlack, dem Limousinen-Service. Es ist heute schon so, dass sich zahlreiche Taxi-Fahrer über unsere Plattform Fahrten vermitteln lassen und so von der zusätzlichen Nachfrage unserer Community profitieren. Damit reduzieren die Fahrer ihre Leer- und Standzeiten und haben am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche.

Reich das, damit sie die Miete bezahlen können?

Früher hatten die Taxifahrer die Möglichkeiten, sich eine Stammkundschaft aufzubauen, sich an einer Zentrale anzuschliessen oder an Taxistandplätzen auf Laufkundschaft zu warten. Uber ist eine vierte Variante, um weitere Fahrten und eine höhere Auslastung zu generieren. Denn reguläre Taxifahrer verdienen in 72 Prozent ihrer Arbeitszeit kein Geld.

Die Fahrer der dritten Uber-Variante, UberPop, verdienen gar nichts. Was sagen Sie zum Vorwurf des Lohndumpings?

Bei UberPop nehmen Privatpersonen Leute mit. Früher nannte man das einfach Mitfahrgelegenheit. UberPop ist nicht da, um Geld zu verdienen. Manche Fahrer nutzen UberPop, um die ohnehin vorhandenen Fixkosten für ihr Auto wieder reinzuholen, andere sind interessiert an spannenden Gesprächen.

Warum haben Sie kürzlich die Abgabe der Fahrer an Uber von 20 auf 25 Prozent erhöht?

Wir haben Büros in Zürich, Basel, Genf und Lausanne und beschäftigen dort 15 Festangestellte, die beispielsweise im Marketing oder Kundenservice arbeiten. Vergleicht man unsere Abgabe mit den rund 1000 Franken, die Taxifahrer der Zentrale abgeben müssten, kommen unsere Fahrer-Partner nicht schlechter weg.

UberPop-Fahrer sind nicht ausgebildet. Ist ein Taxi nicht sicherer?

Wenn man bei UberPop einsteigt, sieht man bereits vor der Fahrt das Bild, den Namen sowie das Nummernschild des Fahrers. Das schafft Sicherheit. Die ideale Route wird vorgegeben und der Preis kann vor der Abfahrt eingeschätzt werden. Die gegenseitige Bewertung von Fahrer und Fahrgast führt zu einem freundlicheren Umgang.

Wer haftet, wenn ein Uber-Fahrer einen Unfall baut? Wie sind Ihre Fahrer versichert?

Wenn die professionellen Fahrer einen Unfall bauen, werden die Kosten durch die Versicherung des berufsmässigen Personentransportes gedeckt. Wenn es bei einer Fahrt mit UberPop einen Unfall gibt, haftet die private Auto- und Autohaftpflichtversicherung des Lenkers. Wenn sich die Versicherung quer stellen würde, haben wir eine Zusatzversicherung.

Was kann die Taxibranche von Uber lernen?

Man muss Technologien sinnvoll nutzen. Der Fahrtenschreiber ist völlig veraltet und kann durch eine GPS-Verbindung ersetzt werden. Die Arbeits- und Ruhezeitenverordnung, für die die Fahrer extra eine theoretische Prüfung machen müssen, könnte man in einer App hinterlegen. Und Fahrgäste erhalten durch die Bewertungsfunktion mehr Kostentransparenz, Sicherheit und Qualität.

Autor: Anne-Sophie Keller