Archiv
29. April 2013

Aufhören!

Uii, Leute! Ich habe mich getäuscht. Alle führten sie das Schlagwort von der Familie ins Feld, die Politikerinnen und Politiker, behauptete ich hier. Alle von links aussen bis ganz rechts gäben sie vor, sich für uns zu engagieren — aber nur vor den Wahlen. Und dann täten sie ja doch nichts. Jetzt aber stecken wir mitten in der Legislatur, und sie reden noch immer von den Familien. Eben scheiterte ein Familienartikel am Ständemehr, bereits kommt der nächste. Und nun, da die Politik zankt, da Nationalrätinnen und Ständeräte sich fetzen, wäre mir beinahe lieber, sie hätten das Thema bis zum nächsten Wahlherbst ruhen lassen. Denn sie meinen nie wirklich uns alle, sondern bewirtschaften jeweils nur die eigene Klientel.

«Wir sind keine doofen Heimchen am Herd.»
«Wir sind keine doofen Heimchen am Herd.»

Hat nicht die eine Partei den Familienartikel der anderen aufs Schärfste bekämpft? Nur, um hernach einen eigenen lancieren zu können? Einen, der auf die eigene Wählerschaft zielt, in der viele traditionell leben: Papi geht Vollzeit arbeiten, s Mami schaut zu den Kindern. Wer seine Kinder daheim betreue, solle dies ebenfalls vom steuerbaren Einkommen abziehen können wie diejenigen, die ihre Kinder in Tagesstätten geben, verlangt die Volkspartei. Natürlich würde damit ein hergebrachtes Rollenbild zementiert, das mag ärgerlich sein. Genauso ärgerlich ist freilich, wenn linke Frauen das dann als «Herdprämie» verhöhnen, denn sie verraten damit, wie gering sie die Hausarbeit schätzen. (Muss ich es denn wiederholen? Dass es gesellschaftlich, gopferglemmi, keine wichtigere Arbeit gibt, als Kinder grosszuziehen?)

Wir sind keine doofen Heimchen am Herd.

Parteipolitik, allenthalben. Verzettelung. Jeder gegen jeden. Dabei geht es immerhin um die Zukunft eines Landes, dem die Arbeitskräfte ausgehen, wenn Frauen den Beruf hinschmeissen, kaum sind sie Mütter. Eines Landes, das — immer gemäss Volkspartei — nicht zu viele Arbeitskräfte aus dem Ausland holen sollte. Eines Landes, das ausstürbe, könnten berufstätige Frauen nicht mehr Mütter werden. Und was tun die Politiker? Die einen propagieren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die anderen wollen die Mütter belohnen, die nicht berufstätig sind. Manche wollen die Heiratsstrafe bei den Steuern abschaffen — sie reden jedenfalls schon länger davon —; einer verlangt mehr Teilzeitjobs für Männer, meint es aber nur halbherzig; wieder andere möchten steuerfreie Kinderzulagen. Alle bedienen nur die eigene Wählerschaft. Ich will aber keine Geschiedene-Mütter- und keine Einfamilienhüsli-Politik, ich will nicht eine Alleinstehende-Väter-, keine Patchworkfamilien- und auch keine Drillings-Eltern-mit-Genossenschafts­wohnung-Politik. Ich wünsche mir eine Familienpolitik. Eine echte. Für uns alle. Ist es zu viel verlangt?

Es ist ein Glück, und ich schätze mich privilegiert, dass wir für unsere Kinder keine Fremdbetreuung brauchen. Ich will dafür nicht unbedingt eine «Herdprämie», nur Wertschätzung. Wir Hausfrauen sind nämlich keine doofen Heimchen am Herd. Es gab mal einen Politiker, der uns nicht für blöd hielt: den Dutti. Heuer würde er 125-jährig. Als Gründer der Migros zählte Gottlieb Duttweiler von Anfang an auf «die intelligente Hausfrau, die rechnen kann». Steht eigentlich noch im Impressum, wie er diese Zeitung einst nannte? Lassen Sie mich nachschauen im Impressum  …! Ja, es steht noch: «Wochenblatt des sozialen Kapitals.» Das gefällt mir.

Bänz Friedli live: 3. Mai, Langenthal BE.

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

Die Hörkolumnen bei iTunes

Die Hörkolumnen mit RSS-Client

www.derhausmann.ch
Sein Facebook-Auftritt

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli