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14. Oktober 2013

Auf zu den Inseln im Osten von Bali!

Nusa Tenggara nennt sich die indonesische Inselwelt mit Lombok, Sumbawa, Flores, Sumba und Timor, deren Osten heute unabhängig von Indonesien ist. Vom Tourismus noch wenig entdeckt, ist die landschaftliche und kulturelle Vielfalt in diesem Teil der Erde besonders gross.

Die Demokratische Republik Timor-Leste, auch als Osttimor bekannt, ist ein erst seit 2002 unabhängiger Inselstaat in Südostasien, der seit Kurzem auf dem Reiseradar aufgetaucht ist.

Wieso so weit reisen (Dili, die Hauptstadt von Osttimor, befindet sich noch 720 Kilometer vom australischen Darwin entfernt, erreichbar mit Flügen ab Jakarta)? In der einstigen portugiesischen Kolonie fühlen sich Abenteuerlustige mit Pioniergeist wohl. Sie sind begeistert von den freundlichen, katholischen Einheimischen und der landschaftlichen Vielfalt mit Bergen und menschenleeren Sandstränden. Allerdings sind die Unterkünfte sehr einfach, die Wahl bei den Restaurants ist beschränkt.

Was man sich unbedingt ansehen sollte: Dili mit dem Farol-Viertel, dem Tais-Markt, dem Santa-Cruz-Friedhof, der Kathedrale und der Christus-Statue am Sandstrand; die zerklüftete Nordküste, den Ort Lospalos, das Hochland bei Dare, den 2963 Meter hohen Tatamailau bei Sonnenaufgang, den Nationalpark Nino Konis (Korallen und Rifffische) und Batugade an der Nordküste.

Gut zu wissen: Beste Reisezeit ist von Mai bis Ende Oktober. Das gilt übrigens für ganz Indonesien. Obwohl der Inselteil nur etwa ein Drittel so gross ist wie die Schweiz, sollte man für eine Rundreise durch Timor-Leste rund eine Woche Zeit einplanen und diese mit anderen Inseln östlich von Bali kombinieren.

Wer in Balis Osten auch noch Inseln wie Sumba, Flores oder Komodo besucht, entdeckt wenig bis kaum touristische Perlen von grosser landschaftlicher und kultureller Vielfalt.

Die Inselregion nennt sich Nusa Tenggara, was wörtlich übersetzt Inseln im Südosten bedeutet. 566 Eilande soll es in dieser Inselwelt geben. 320 davon sind so klein, dass sie nicht einmal einen Namen tragen. Die fünf grossen heissen Lombok (die Nachbarin von Bali), Sumbawa, Sumba, Flores und eben Timor im äussersten Osten.

Pasola-Festival mti Ritterspielen
Pasola-Festival mti Ritterspielen

Sumba ist bei Insidern bekannt durch das Festival Pasola: In verschiedenen Dörfern schleudern wenige Tage nach Vollmond im Februar und März Hunderte von Reiter auf ihren klein gewachsenen Pferden Speere auf die gegnerischen Mannschaften. Die aus Bambus geschnitzten Waffen erinnern an Besenstiele. Nicht nur Pasola macht Sumba speziell. Gleiches gilt für die fein gewobenen Kunstwerke Ikat, die auf farbigen Stoffen meist Tiere oder Menschen darstellen. Die saftgrüne Landschaft und die fremd anmutenden Kulturen wähnen einen auf einem fremden Planeten. Schätzungen gehen davon aus, dass sich noch immer gegen die Hälfte aller Einheimischen dem Animismus weit näher fühlt als dem Christentum, das die Holländer im 18. Jahrhundert verbreitet haben. Traditionelle, mit Palmenwedeln abgedichtete Holzhäuser verschwinden zwar immer mehr, weil es die Jugend auf andere Inseln oder wenigstens in den Hauptort Waingapu am Meer zieht. Doch oft bleibt den Menschen der Glaube der Beseeltheit von Steinen oder mächtigen Bäumen. Bali und Zivilisation scheinen Lichtjahre entfernt.

Einfache Hotelzimmer auf Sumba
Einfache Hotelzimmer auf Sumba

Das bezieht sich auch auf die einfachen sumbanesischen Hotelzimmer, die im Badezimmer bei der Luxusvariante einen Gummischlauch haben, aus dem vielleicht kaltes Wasser tritt. Der bescheidene Standard der Unterkünfte zieht sich mit Ausnahme von Lombok praktisch über ganz Nusa Tenggara – auch auf Flores, der 360 Kilometer langen Insel, welche die Portugiesen 1544 «Cabo das Flores» (Blumen-Kap) nannten. Flores hat eine besonders reiche Vegetation und bis zu 2500 Meter hohe, teils vulkanische Berge. Die Hauptstrasse, die sich vom Westen bis in den Osten über die Insel zieht, ist mehr schlecht als recht, und trotzdem fahren die Chauffeure der Linienbusse wie die Henker. Je schneller sie die Strecke hin und zurück legen, desto höher ist ihr Gehalt. Mehr als 60’000 Menschen leben in Ende, der grössten Ortschaft auf Flores und zusammen mit Moni Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den drei Kraterseen Keli Mutu. Die dortige Umgebung auf 1700 Meter über Meer erinnert besonders vor Sonnenaufgang an eine bizarre Mondlandschaft.

Warane werden bis zu vier Meter lang
Warane werden bis zu vier Meter lang.

Bizarr präsentiert sich auch Komodo, die kleine Nachbarinsel von Flores, die man am besten mit einem Schiff ab Labuhan Bajo erreicht. Komodo ist Heimat der bis zu vier Meter langen Warane, die sich unter anderem von wild lebendem Rotwild und Schweinen ernähren. Wer weiss, dass die Reptilien auch Menschen nicht verachten, sieht davon ab, die einladenden Sandstrände zu einem Bad zu benutzen. Die erstaunlich schnellen Komodo-Warane sind ausgezeichnete Schwimmer. Es lohnt sich, die Insel zusammen mit einem lokalen Reiseführer zu besuchen. Der weiss, ob sich jene Baumwurzel in der Steppe bei näherem Hinsehen nicht plötzlich als Waran entpuppt. Dass mit den Reptilien nicht gut Kirschen essen ist, beweist die Architektur im einzigen Dorf der Insel: Die Häuser sind auf Stelzen gebaut.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild