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25. Februar 2013

Auf Sri Lanka hat ein neues Zeitalter begonnen

Jahrzehntelang machte Sri Lanka wegen des dort tobenden Bürgerkriegs negative Schlagzeilen. 2009 ging der Krieg zu Ende. Nun ist die Insel auf dem besten Weg, sich in eine strahlende Perle im Indischen Ozean zu verwandeln. Die Freiburgerin Brigitte Clement Badurdeen kam wegen der Liebe nach Sri Lanka – und ist geblieben.

Sigiriya: Löwentor am Eingang zur Ruine einer Felsenfestung
Sigiriya: Löwentor am Eingang zur Ruine einer Felsenfestung, erbaut auf einem Magmablock.

Spannende Entdeckungen, empfehlenswerte Hotels, Restaurants und weitere Reisebilder: Zu den Sri-Lanka-Tipps.

Ein mulmiges Gefühl war schon da, als Brigitte Clement Badurdeen (52) zum ersten Mal einen Fuss auf das Heimatland ihres Mannes setzte. Schliesslich kannte die Reiseveranstalterin von Sri Lanka vor allem die Bilder des Bürgerkriegs, der die hinduistischen Tamilen und die buddhistischen Singhalesen fast 26 Jahre lang in zwei verfeindete Lager teilte. Als sie im Februar 1994 mitten im tobenden Konflikt auf der Insel ankam, verflogen die Ängste aber rasch: «Ich habe ein ruhiges Land angetroffen und war ganz überrascht, dass ich vom Krieg nichts merkte.»

Die Schweizerin Brigitte Clement lebt seit 19 Jahren auf Sri Lanka, und sie würde nicht mehr tauschen.
Die Schweizerin Brigitte Clement lebt seit 19 Jahren auf Sri Lanka, und sie würde nicht mehr tauschen.

Am Anfang sei es schwierig gewesen. «Denn wegen des Krieges kamen nur wenige Touristen, und es gab wenig Arbeit», erzählt Brigitte Clement. Zunächst schlug sie sich mit Jobs in lokalen Organisationen durch. Seit 2004 führt sie ein Reisebüro, das auf Individualreisen spezialisiert ist. Sie und ihr Mann Riza (50) leben von lokalen Gehältern. Grosse Sprünge liegen nicht drin. Doch die gebürtige Freiburgerin ist glücklich: «Die Lebensqualität hier ist gut.» Seit 19 Jahren lebt sie auf der Insel südöstlich von Indien mit rund 20 Millionen Einwohnern. In dieser Zeit hat sie einiges miterlebt. Im Jahr 2004 brachte auch noch der Tsunami Tod und Zerstörung. Heute werde aber nicht mehr viel darüber geredet. «Die Leute schauen hier lieber nach vorne.»

Ein stiller Zauber liegt über den antiken Stätten.

Sri Lanka ist ein Land im Aufbruch. Seit der Bürgerkrieg 2009 mit einem Sieg der Regierungsseite zu Ende ging, boomt die Volkswirtschaft. Hotelkapazitäten werden kontinuierlich erhöht, die Regierung investiert in Strassen, Häfen und die Stromversorgung. Der Norden und Osten des Landes, wegen des Krieges lange Zeit unzugänglich, werden allmählich erschlossen. Unzählige kulturelle Schätze, einsame Traumstrände und unberührte Landschaften ziehen die Besucher an. «Es gibt für jeden und für jedes Budget etwas. Für Rucksackreisende genauso wie für Liebhaber von Boutiquehotels», sagt Brigitte Clement.

Auf Entdeckungstour im kulturellen Dreieck

Tatsächlich ist Sri Lanka, dessen Name frei übersetzt «strahlend schönes Land» bedeutet, ein kleines Paradies. Die Insel, nur anderthalbmal so gross wie die Schweiz, lässt sich bequem auf einer Rundreise erkunden. Ein Muss für erstmalige Besucher sei das kulturelle Dreieck, so Brigitte Clement. Die drei ehemaligen singhalesischen Königsstädte Anuradhapura, Polonnaruwa und Kandy bilden die geografischen Eckpunkte dieses Gebiets im Landesinnern, das reich an kulturhistorischen Schätzen ist.

In den Höhlentempeln von Dambulla stehen über 150 Buddhastatuen.
In den Höhlentempeln von Dambulla stehen über 150 Buddhastatuen.

Bereits die Fahrt zu den Ruinenstädten ist ein Erlebnis. Üppig grüne Landschaften ziehen vorbei. Reisfelder, Palmen und tropische Sträucher säumen die Landstrassen. Mit etwas Glück lassen sich sogar wilde Elefanten am Strassenrand beobachten. Ein ganz anderes Bild dann in den Dörfern und Städten entlang der Strecke: Hier pulsiert das Leben an den Hauptstrassen. Die Menschen preisen ihre Waren in unzähligen kleinen Marktständen an, Hunde halten ihr Mittagsschläfchen mitten auf der Strasse ab, Kinder in Schuluniformen zwängen sich in überfüllte Busse. Mit langen Stangen bewaffnet verschwinden Männer im Gebüsch hinter den Häuserzeilen. Sie holen die Kokosnüsse von den Bäumen — Grundlage für die feinen Currygerichte, die dem Gast in zahlreichen Schälchen und Variationen serviert werden. Die sri-lankische Küche ist der südindischen ähnlich. «Aber viel würziger», erklärt Brigitte Clement. Abgesehen von kulinarischen Genüssen trumpft Sri Lankas Zentrum mit kulturellen Höhepunkten und einer eindrücklichen Tier- und Pflanzenwelt auf. Ein stiller Zauber liegt über den antiken Stätten, die einst von buddhistischen Königen bewohnt wurden. Heute bevölkern Affen, Wildtiere und bunte Vögel die Ruinen. Ein weiterer Reisehöhepunkt ist der Aufstieg auf den Sigiriya-Felsen, auf dem sich einst eine Festung befunden hat. 200 Meter hoch ragt der rotbraune Monolith aus dem Dschungel und bietet einem einen eindrucksvollen Blick über den Regenwald.

Wer etwas Abkühlung sucht, wird in der gebirgigen Zentralprovinz des Inselstaates fündig. Auf dem Weg ins Herz der Teeproduktion Sri Lankas empfiehlt Brigitte Clement, einen Zwischenstopp in Kandy einzulegen, der letzten Königsstadt der Singhalesen. Kandy lockt mit Marktstrassen, Bijouterien und Restaurants. Hauptattraktion ist der Tempel Dalada Maligawa, in dem ein Eckzahn von Buddha liegen soll. «Der Tempel hat einen grossen Stellenwert im Land, er ist das wichtigste religiöse Monument der Buddhisten», erzählt die Schweizerin.

Beliebte Souvenirs sind Schmuck, Seide und Schnitzereien

Die Plantagen um Nuwara Eliya liegen auf rund 2000 Meter über Meer.
Die Plantagen um Nuwara Eliya liegen auf rund 2000 Meter über Meer.

Inmitten nebelverhangener Teeplantagen liegt Nuwara Eliya, auf knapp 2000 Meter über Meer. Bei einem Spaziergang rund um die «Stadt über den Wolken» kann man die Teepflückerinnen bei ihrer Arbeit beobachten. Das Aufgussgetränk, einst von den Engländern ins Land gebracht, ist den Einheimischen sehr wichtig. «Der Sri Lanker beginnt den Tag fast immer mit einer Tasse Tee», sagt Brigitte Clement, «richtig gegessen wird später am Morgen.»

Nach einer eindrucksvollen Reise durch Sri Lankas kulturelles Zentrum laden unzählige feinsandige Strände und Ayurveda-Hotels zur Entspannung ein. Auch Shoppingfans kommen auf der Insel nicht zu kurz. Läden mit landestypischen Produkten wie Schmuck, Seide, Holzschnitzereien oder Gewürzen sind überall zu finden. Brigitte Clement empfiehlt das Odel in Colombo, ein mehrstöckiges Einkaufszentrum, das in einem alten Kolonialhaus angesiedelt ist. Der Vorteil seien die fixen Preise, die auf den Produkten ausgewiesen werden. Andernorts werde oft zwischen einem Preis für Einheimische und einem Preis für Touristen unterschieden.

Fischer mit Katamaranen in Negombo. Einer der wichtigsten Fischereihäfen von Sri Lanka ist zugleich der beliebteste Touristenort. (Bild: Getty Images)
Fischer mit Katamaranen in Negombo. Einer der wichtigsten Fischereihäfen von Sri Lanka ist zugleich der beliebteste Touristenort. (Bild: Getty Images)

Nur eines ist zu Brigitte Clements Leidwesen für alle gleich teuer auf Sri Lanka: Schweizer Schoggi. Deshalb freut sie sich, wenn Besucher ein paar Tafeln aus ihrer alten Heimat mitbringen. Neben der Schoggi vermisst sie vor allem ihre Familie. Dennoch hat Brigitte nicht vor, Sri Lanka irgendwann den Rücken zu kehren. «Mein Mann ist hier unabhängig, er liebt seine Arbeit und sein Leben. Und auch ich bin selbständig.» Und ihre zweite Heimat ist auf dem besten Weg, nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs zur strahlenden Perle im Indischen Ozean zu werden.

Autor: Patricia Marchetti

Fotograf: Patricia Marchetti