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13. April 2015

Darf man auf Makel aufmerksam machen?

Philipp Tingler schreibt jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens. Diesmal darüber, ob man Mitmenschen auf mehr oder weniger peinliche Dinge hinweisen soll.

auf peinliche Dinge hinweisen
Soll man Mitmenschen auf mehr oder weniger peinliche Dinge hinweisen? (Illustration: Andreas Klammt)

«Ich persönlich bin stets dankbar, wenn man mir sagt, dass ich Eis im Bart habe oder Zahnpasta auf dem T-Shirt. Und jemanden wissen zu lassen, dass er oder sie eine Gürtelschnalle übersehen hat oder Lippenstift auf den Zähnen, setzt keine intime Freundschaft voraus.

Anders bei körperlichen Makeln. Sogar wenn Sie über beste Absichten und einen prima Zahnarzt verfügen, sollten Sie Menschen, die nicht zu ihren engsten Freunden oder Lebensgefährten gehören, keinesfalls erklären, dass eine Zahnkorrektur oder Diät brandneue Liebes- und Karrierechancen eröffnen würde.
Unsere Zeiten sind derart körperfixiert, dass Sie davon ausgehen dürfen, dass Ihr Gegenüber sich seiner physischen Defizite bewusst ist.

Nur bei starkem Mundgeruch gilt dies tragischerweise nicht immer. Trotzdem: stumm bleiben. Oder ein Pfefferminz anbieten – ein Klassiker, der meistens geht.»

Ihre Meinung: Sagen Sie dem Sitznachbarn im Zug, dass er Schweissfüsse hat?

Autor: Philipp Tingler