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22. April 2013

Auf dem Weg zum Everest

Ueli Steck gehört zu den weltbesten und schnellsten Solokletterern. Nur noch wenige Kilometer vom Mount Everest entfernt, steht der naturverbundene Berner Oberländer davor, sich nun auch unter die grössten Höhenbergsteiger einzureihen – mit seinem neuesten Vorhaben.

Ueli Steck hat das Basiscamp am Fuss des Mount Everest erreicht. Im Hintergrund der 6812 Meter hohe Ama Dablam.
Ueli Steck hat das Basiscamp am Fuss des Mount Everest erreicht. Im Hintergrund der 6812 Meter hohe Ama Dablam. (Bild: Jonathan Griffith)

HAUTNAH DABEI
Die Karriere-Höhepunkte von Ueli Steck: Hier finden Sie die wichtigsten Etappen des Extrembergsteigers in Text und Bild. Zum Artikel

Im Interview erklärt Frank-Urs Müller, Präsident des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), wie Leistungen messbar sind und wie er Ueli Stecks neuste Expedition beurteilt. Zum Artikel

Verrückte Welt: Noch vor Wochen kämpfte Extrembergsteiger Ueli Steck (36) auf 3600 Meter über Meer in der Gegend der Mönchsjochhütte mit Temperaturen von gegen minus 30 Grad, eisigen Winden und Schnee. Vor wenigen Tagen war er wiederum auf 3600 Metern, diesmal in T-Shirt und kurzen Hosen. Dazwischen liegt eine lange Reise: aus der Schweiz in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu und von dort weiter in die Khumbu-Region. Im Ort Namche Bazar traf Steck auf Simone Moro (45). Der Extrembergsteiger aus Norditalien sorgte weltweit für Schlagzeilen, als er 2001 die Traverse zwischen Mount Everest und Lhotse beging und auf einen in Not geratenen britischen Bergsteiger traf. Moro verzichtete auf seine weitere Begehung und wurde für die Rettung des Briten mit der Trophäe «Pierre de Coubertin World Fair Play» ausgezeichnet. Der Norditaliener aus Bergamo ist im Team von Ueli Steck. Inzwischen sind die beiden im nepalesischen Basiscamp auf 5364 Metern am Fuss des Mount Everest angekommen. Der Berner Oberländer sagt über den diplomierten Bergführer: «Er tickt ähnlich wie ich und hat den Everest bereits vier Mal bestiegen» und fügt an: «Um die Geschichte zu erzählen, braucht es einen dritten Mann. Jonathan Griffith begleitet unser Team als Kameramann.» Der Brite ist erst knapp 30 Jahre alt, gehört aber zu den Topfotografen der Alpinszene oder, wie es Ueli Steck sagt: «Jonathan ist ein hervorragender Fotograf und ein starker Bergsteiger. Er lebt in Chamonix und hat viele schwierige Begehungen im Mont-Blanc-Massiv und anderswo gemacht.»

Das Ziel der 16. Himalaya-Expedition von Steck: Wie schon letztes Jahr möchte er auf den höchsten Berg der Welt, den 8848 Meter hohen Everest. Während die normale Route auf den Mount Everest jährlich aufs Neue von kommerziellen, mit Fixseilen ausgerüsteten Expeditionen überlaufen wird, «suchen Simone und ich unsere eigene Herausforderung an diesem Berg», sagt Steck. Er lege die genaue Route erst während der rund sechs Wochen dauernden Akklimatisierungsphase fest, wobei der Entscheid von den Wetterbedingungen am Everest abhänge.

In der Schweiz hat sich der gelernte Zimmermann ohne Bergführerpatent vor allem als Speed-Kletterer einen Namen geschaffen. Die Geschwindigkeit hat er seit geraumer Zeit auch auf den Himalaya übertragen. 2011 durchstieg er im Alleingang die Südwand des 8027 Meter hohen Shisha Pangma in nur 10,5 Stunden. Letztes Jahr stand er auf dem Gipfel des Mount Everest, bewusst ohne Flaschensauerstoff. Frank-Urs Müller, Präsident des Schweizer Alpen-Clubs, urteilt darüber: «Was Ueli Steck macht, ist überirdisch.» Schon mit 18 Jahren durchstieg Ueli Steck die Eigernordwand. 2008 bezwang der Berner dieselbe Wand in zwei Stunden und 47 Minuten — ohne einen der vorhandenen Haken anzufassen und ohne Seilsicherung.

Das hat den Profibergsteiger definitiv zu einem der weltbekannten Solokletterern gemacht. Nur hält er von Mystifizierungen und Superlativen nichts. Er möchte auch nicht als «Extrem-Bergsteiger» bezeichnet werden. Die grösste Herausforderung sei, zufrieden zu sein und die kurze Zeit, die man als Mensch auf der Erde zur Verfügung habe, für das zu nutzen, was einem wichtig sei. Bei Ueli Steck ist das Bewegung, Leistung und Weiterkommen. Wie weit ihm das gelungen ist, zeigt der Vergleich mit anderen Bergsteigern, die Geschichte geschrieben haben.

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Autor: Reto Wild