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12. März 2014

Auf zum Sonnenspektakel im Martinsloch

Über dem Glarner Bergdorf Elm befindet sich auf 2642 Meter das Martinsloch. Am Mittwoch und am Donnerstag scheint der Lichtstrahl der aufgehenden Sonne durch das Felsenfenster und erleuchtet die Dorfkirche von Elm. Webcam einschalten!

Das Martinsloch
Das Martinsloch (Bild: zVg).

Der Lichtkreis weist einen Durchmesser von 50 Metern auf. Das Ereignis dauert nur eine Minute. Dann verschwindet die Sonne wieder, um etwa zehn Minuten später endgültig über dem Gebirgsgrat aufzugehen. Den genauen Standort kündet jeweils der lautlos zu Tal gleitende Sonnenfleck an, der am gegenüberliegenden Hang verfolgt werden kann. Beobachter können das Sonnenspektakel auf der Dorfstrasse bei der Kirche miterleben. Damit alle Besucher einen optimalen Standort haben, ist ab 08.40 Uhr eine Fachperson vor Ort, die das Naturschauspiel kommentiert. Um 8.53 Uhr scheint dann die Sonne durchs Loch. Beobachten Sie das Spektakel in der Webcam!

Der Gedanke, selber einmal im Felsenfenster zu stehen, ist sehr verlockend. Allerdings handelt es sich um eine anspruchsvolle Route mit Klettereinheiten. Vor allem der letzte Steilhang, kurz unter dem Martinsloch, ist kaum zu unterschätzen: Geröll, Schutt, Schnee, Eis und Steinschlag erschweren je nach Saison den Aufstieg. Jeweils von Juni bis September stehen geführte Touren ins Martinsloch auf dem Programm, denn mit einem ortskundigen Bergführer ist die Route sicher zu absolvieren. Eine gewisse Grundkondition ist Voraussetzung. Detaillierte Informationen erteilt das Tourismusbüro in Elm.

Die Gebirgslandschaft zwischen Vorderrheintal, Sernftal und Walensee ist weltweit einzigartig, weil dort die Gebirgsbildungsprozesse besonders gut sichtbar sind. Im Sardonagebiet wurden 250 bis 300 Millionen Jahre alte, grünliche bis rötliche Verrucanosteine über das rund 50 Millionen Jahre alte bräunlich-graue, schiefrige Flyschgestein geschoben. Dadurch liegt eine bedeutend ältere auf einer viel jüngeren Gesteinsschicht. Dieses Phänomen ist besonders eindrücklich an den Tschinglenhörnern beim Martinsloch zu sehen. Aufgrund dieser Einmaligkeit hat das UNESCO-Welterbekomitee am 7. Juli 2008 das über 300 Quadratkilometer grosse Gebiet um den Piz Sardona auf die Liste des Welterbes aufgenommen.

Autor: Reto Wild