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15. November 2012

Auch ich habe einen alten Handwerks-Beruf

Von Glasbläserin über den Hafner bis zum Wagner: Auf den Aufruf vom 12. November 2012 meldeten sich weitere Vertreter von alter Handwerkskunst oder ihre Bekannten. Fazit: Viele traditionelle Berufe werden noch mit Begeisterung ausgeübt:

Hafner Fredi Mathys bei der Restauration eines Kachelofens
Hafner Fredi Mathys bei der Restauration eines Kachelofens. (alle Bilder zVg)
Fredi Mathys' Arbeitsplatz im Kloster St. Johann in Müstair
Fredi Mathys' Arbeitsplatz im Kloster St. Johann in Müstair

«Mein Name ist Fredi Mathys (49) und mein Beruf ist Hafner. Ein schönes spannendes altes Handwerk, das mich mit vielen verschiedenen Arbeitsplätzen und Menschen in Berührung bringt. Mein Hauptgebiet ist das Restaurieren von historischen Kachelöfen. Manchmal nur Kosmetik an der meist sehr wertvollen Keramikoberfläche, meistens aber zerlege ich den Ofen komplett und baue ihn dann während Wochen vor Ort wieder neu auf. Eine weitere Spezialität ist das Erstellen von individuell vor Ort gebauten neuen teilweise modernen Speicheröfen aus Schamotte und Lehm. Diese verbreiten dieselbe angenehme Wärme wie die guten alten Kachelöfen.
Die natürlichen Materialien, welche ich beim Aufbau verwende (Lehm, Ziegel), wurden schon vor Jahrhunderten verwendet. Die Aufbautechnik habe ich aufgrund meiner Erfahrung leicht angepasst. So habe ich z.B. die weltweit wertvollsten Kachelöfen im Schweizerischen Nationalmuseum oder während 3 Monaten in der Klausur vom Unesco-Weltkulturerbe Kloster St. Johann in Müstair den Turmofen wieder neu aufgesetzt. Meine Öfen erwärmen den einfachen Bauer, randständige Menschen in Sozialwohnungen, Zunfthäuser, Schlossbesitzer bis hin zum deutschen Baron.»
Fredi Mathys, Kachelofen & Cheminée, Seuzach/Davos, www.fredimathys.ch

Eine Handtasche von Daniela Schär aus Celerina
Eine Handtasche von Daniela Schär aus Celerina

«Ich würde Ihnen gern den Beruf des Portefeuiller (die Herstellung von Lederwaren und -handtaschen) vorstellen. Diese Lehre wird in der Schweiz als solche seit einigen Jahren nicht mehr angeboten.
Frau Daniela Schäran der Via Chalchera in Celerina übt den Beruf noch aus und verkauft ihre wunderbar verarbeiteten Lederwaren noch an Handwerkermärkten im Engadin.»
Zuschrift von Angela Dörig

Richard und Andreas Bründler in ihrem Kunstgiesserei-Familienbetrieb
Richard und Andreas Bründler in ihrem Kunstgiesserei-Familienbetrieb

«In der letzten Kunstgiesserei von Winterthur arbeitet ein Super-Team: Richard und Andreas Bründler, die die Kunstgiesserei vor Jahren von ihrem Vater übernommen haben.»
Kunstgiesserei Bründler, Püntenstrasse 2, Winterthur
Zuschrift von Carolyn Heer

Auch Daniel Häsli aus Langnau am Albis machte uns auf die Familie Bründler aufmerksam:
«Bei der Lektüre kam mir sofort die Kunstgiesserei Bründler in Winterthur in den Sinn. In zweiter Generation arbeitet die Familie Bründler täglich in ihrer Giesserei und ist in ihrem Beruf eine der letzten überhaupt, die auf höchsten Niveau perfekte Handarbeit beherrscht. Jedes Mal, wenn ich vor Ort bin und eine meiner Plastiken zum Giessen bringe, geniesse ich den Anblick, wie die beiden Brüder Andreas jun. und Richard Bründler mit Leib und Seele - und vor allem mit ihren kräftigen Händen - ihrer Arbeit nachgehen, oft unterstützt von ihrem Vater Andreas sen., der als Giessermeister vor über 30 Jahren den Betrieb aufgebaut hat.
Ihre Körpersprache zeigt, dass alle drei zu 100% bei der Sache sind und dies erst noch mit grosser Freude. Ihr offenes und freundliches Wesen und das gute Resultat ist Grund, warum ich seit zwölf Jahren dort meine Skulpturen giessen lasse. Kurz - ich bin ein richtiger Fan der Giesserei Bründler. Und wenn es irgend jemand verdient, als Handwerksleute erwähnt zu werden, dann ist es definitiv die Familie Bründler.»

Zwei Kunstschnitzereien von Ernst Meier
Zwei Kunstschnitzereien von Ernst Meier.

«Ich, Holzschnitzer Ernst Meier(75) aus Erlen, sende Ihnen von meinen noch etwa 25 erhaltenen Holzschnitzereien aus den 60er-Jahren unter anderem die beiden untenstehenden zur Veröffentlichung ein. Ich wäre nicht unglücklich, noch die eine oder andere vor dem Container zu retten und verkaufen zu können.»
Ernst Meier, Hauptstrasse 78, Erlen (ZH), Tel. 071 648 27 35

Glasbläserin Marianne Kohler
Glasbläserin Marianne Kohler

«Marianne Kohler aus Basel ist Glasbläserin mit Ausbildung zur Apparate-Glasbläserin. Sie absolvierte eine Weiterbildung am Technical College in Dudley (England) sowie Lehr- und Wanderjahre in Venedig (Murano), Hergiswil und den USA.
Von 1986 bis 1989 in der Fachklasse für freie Kunst an der Schule für Gestaltung Bern. Seit 1990 freischaffend mit Studio in Basel mit diversen Anerkennungen und Auszeichnungen.»
mk@glasmenagerie.ch
Zuschrift von Silvia Jaun, die uns noch einen weiteren Tipp gab:

Max Hächler beim Polstern
Max Hächler beim Polstern.

«Max Hächler betreibt das alte Metier des Polsterns und vermittelt sein Wissen und seine Fertigkeiten auch in Kursen weiter.
Zu seinem Handwerk gehören das Restaurieren oder Neu-Polstern von Eckbänken, Esszimmerstühlen, Sofas oder Fauteuils.
Spezialisiert ist er auf die Restaurierung und Polsterung von wertvollen Stilmöbeln.
Max Hächler & Co., Innendekoration, Hermatschwilerstrasse 3, Pfäffikon (ZH)

Olivier Perrin im Atelier in Zürich
Olivier Perrin im Atelier in Zürich

«Nach Ihrem Porträt von Handwerkern, die alten Berufe ausüben, muss ich meinen Mann Olivier Perrin vorschlagen. Er ist ein Leuchter-Restaurator und wir arbeiten zusammen in unsere Laden/Atelier. Er ist ein Auto-Didakt - Leuchter-Restaurator ist ein Beruf, den man eigentlich nicht lernen kann, und weil jeder alte Leuchter eine Sache für sich ist, ist es praktisch, wenn man fähig ist, Probleme zu lösen. Wir führen auch Arbeiten durch für den kantonalen Denkmalschutz sowie viele Privatkunden. Alle Objekte, die wir selber verkaufen, sind in unserem Atelier zuerst voll revidiert worden.
Eine wahre Freude ist es, wenn wir einen alten, dreckigen Leuchter wieder zum Glänzen bringen können. Etwa einen Böhmisches Glasarm-Leuchter aus dem späten 18. Jahrhundert, aus einem Erbschaft. Jetzt ist er wieder wunderschön und wird seinem Besitzer jahrelang Freude geben. Was mein Man irritiert, ist die Frage: 'Können Sie es nur ein bisschen restaurieren?'… Sein Antwort ist immer: 'Nein, ich mache es entweder richtig oder nicht'.»
Christina Perrin
Aladin Antik, Das Spezialgeschäft für alte Lampen und Gläser, Seefeldstrasse 226, Zürich, www.aladin-antik.ch

Ein Spitzen-Werk von Brigitte Ammann nach einer deutschen Vorlage
Ein Spitzen-Werk von Brigitte Ammann nach einer deutschen Vorlage

«Spitzenklöppeln ist ein altes, geniales Kunsthandwerk, das in seiner Vielfältigkeit kaum zu überbieten ist.
Ich klöpple schon seit 32 Jahren. Es gibt traditionelle Spitzen und auch die Umsetzung der Spitze in die heutige Zeit.
Angehängt ein von mir geklöppeltes Fächerblatt nach dem Entwurf einer deutschen Vollzeit-Klöppellehrerin.»
Brigitte Ammann, Pfaffenschlappengasse 2, Uhwiesen

Berner Trachten von Malou Balmer-Fontannaz
Berner Trachten von Malou Balmer-Fontannaz

«Ich bin Malou Balmer und diplomierte Trachten-Schneiderin im Kanton Bern. Ich übe das Handwerk seit 1987 aus.
Meine Leidenschaft verbindet sich mit der Neuanfertigungen diverser Trachten, vor allem Berner Trachten, sowie mit Restaurierungen, Anpassungen und Änderungen. Ab Frühling 2014 werde ich voraussichtlich auch Trachten-Nähkurse im Kurszentrum Ballenberg durchführen.»
Trachten - Atelier, Malou Balmer-Fontannaz, Höheweg 49, Interlaken

Goldschmied Dominik Schmuki aus Zollikon
Goldschmied Dominik Schmuki aus Zollikon

«Ich bin ein nach alter Tradition arbeitender Goldschmiede-Meister mit Atelier in Zollikon.»
Dominik Schmuki, Buchholzstrasse 3, Zollikon

Zwei Werke von Erich Brandenberger
Zwei Werke von Erich Brandenberger

«Da habe ich gleich an meinen Vater gedacht. Er hat eine eigene Töpferwerkstatt, gibt Kurse, hat schon mehrere Austellungen gemacht und hat auch schon mit Jugendlichen und Behinderten getöpfert. Er macht nicht ganz alltägliche Kunst- und Gebrauchsgegenstände!»
Erich Brandenberger, Sunnefeld 2, Hombrechtikon, www.rauchbrand-toepferei.ch
Eingesandt von Ariane Thum

Christl Thouvenin an der Arbeit im Aterlier
Christl Thouvenin an der Arbeit im Aterlier

«Selber übe ich auch ein altes Handwerk aus, nämlich das Blatt-Vergolden mit Echtgold und die Restauration von alten Bilderrahmen und Spiegel.»
Christl Thouvenin, Antikgold Restaurationen, Arvins 19, La Punt Chamues-ch

Danke für den tollen Artikel über die alten Handwerksberufe, sehr schön und spannend geschrieben. Ich möchte Ihnen gerne einen Input zu einem spannenden Thema geben. Es handelt sich um einen Wagner, der die grösste Wagnerei der Schweiz betreibt:
Wagnerei Oehrli: Simon Oehrli, Lauenen bei Gstaad, www.wagnerei-oehrli.ch
Nebst den klassischen Wagnerarbeiten wie Bau von Wasserrädern, Leiterwagen, Handwagen, Holzspeichenräder oder Grasbähre werden unter anderem auch noch Oldtimer restauriert und verschiedene Drechslerarbeiten gemacht.
Eingesandt von: Barbara Studer, Lauenen

Der Steinmetz-Bildhauer Jurij Kolb aus Uster absolvierte nach vier Lehrjahren in Zürich die Gesellen- und später die Meisterprüfung als Steinmetz, später machte er eine Weiterildung zum Bildhauer, mit nachgeholter Matur.
Jurij Kolb, Steigstrasse 4, Uster
Eingesandt von Frau Kolb (Mutter)

Ich habe noch gelehrt auf Sandsteine zu schleifen, und tue dies zum Beispiel mit Messern oder Scheren.
Maurizio Papini, Im Werd 8, 8952 Schlieren

Kennen Sie Jenny Scheidegger? Sie wohnt in Laupen und arbeitet als Silberschmiedin und Farbgestalterin.

Kennen auch Sie eine(n) Vertreter(in) von alter Handwerkskunst?
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