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21. Juli 2014

Arm im reichen Land

Jede 13. Person in der Schweiz lebt unterhalb der Armutsgrenze. Viele der Betroffenen sind isoliert vom gesellschaftlichen Leben. Armutsprävention setzt bereits in der Kindheit an.

Armut ist, wenn im Kühlschrank Leere herrscht
Armut ist, wenn im Kühlschrank Leere herrscht (Bild: fotoagentur ex-press).

Rund 590 000 Menschen in unserem Land leben laut Bundesamt für Statistik unter der Armutsgrenze. Den gleichen Befund machte das kürzlich erschienene neue Handbuch Armut in der Schweiz, herausgegeben von der Caritas. Die enorme Zahl armer Menschen passt schlecht ins Bild der reichen Schweiz. Doch was heisst Armut heutzutage überhaupt? Arm ist laut Marianne Hochuli (55), Leiterin Bereich Grundlagen bei der Caritas, wer:

  • mit weniger als 2200 Franken pro Monat (sogenanntes Existenzminimum) auskommen muss.
  • wegen Geldmangels nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
  • keine Perspektiven hat, aus der finanziellen Not und der sozialen Isolation herauszukommen.

«Eine der schlimmsten Folgen von Armut ist die Isolation, in die Betroffene oft geraten», sagt Marianne Hochuli. Isoliert ist man rasch, denn vieles, was früher als Luxus galt, ist heute nötig, um überhaupt dabei zu sein. «Wer sich für eine Arbeit bewirbt, muss anständig gekleidet sein, und man braucht ein Handy, um bei einer Bewerbung erreichbar zu sein.» Am stärksten zu nimmt die Armut laut Hochuli bei Alleinerziehenden, bei Familien mit mehreren Kindern, bei Working Poor und bei über 50-Jährigen, die keine Stelle mehr finden.

Vorbeugen lasse sich der Armut einerseits durch Investitionen in die Bildung. «Denn es gehen immer mehr Arbeitsstellen verloren in Bereichen, wo es nicht so viel Bildung braucht», sagt Marianne Hochuli. Ein anderer Schwerpunkt: Armut werde oft an die nächste Generation weitergegeben. Diesen Teufelskreis gelte es zu unterbrechen. «Dazu muss man bereits bei den Kindern ansetzen. Zum Beispiel, indem man Unterstützung bietet, damit sie in Spielgruppen hineinkommen, in soziale Umfelder, wo sie ihre Begabungen entwickeln können.»

MEHR INFOS
Das neue Handbuch «Armut in der Schweiz» kann man beziehen bei exlibris.ch oder bei caritas.ch

Autor: Daniel Schifferle